Vernetzung im Mittelstand

Unternehmensnetzwerk Neukölln: Warum immer mehr Start-ups dazugehören wollen

Immer mehr Berliner Start-ups stoßen zum Unternehmensnetzwerk Neukölln – und treffen dort auf etablierte Firmen mit jahrelanger Erfahrung. Vom Austausch profitieren beide Seiten.

Von: Katharina Lehmann
Foto von Armin Seitz, Vorstand des Unternehmensnetzwerks Neukölln

Wenn Armin Seitz sich derzeit bei einem seiner Netzwerktreffen im Raum umsieht, entdeckt er viele junge Gesichter. „In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Start-ups in Neukölln angesiedelt. Und die kommen jetzt nach und nach in unser Netzwerk“, freut sich Seitz, der mit Unterbrechung seit 2013 das Unternehmensnetzwerk Neukölln als Vorstand leitet. 

Um den Jungen noch mehr Chancen und Gehör zu verschaffen, hat das Netzwerk den Vorstand von drei auf fünf Mitglieder vergrößert und drei der fünf Positionen mit jungen Mitgliedern besetzt. „Schließlich sollen die das Netzwerk ja mal übernehmen und die Erfolgsgeschichte fortschreiben.“

Foto von Armin Seitz von Moll Marzipan
„In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Start-ups in Neukölln angesiedelt. Und die kommen jetzt nach und nach in unser Netzwerk.“
Armin Seitz Geschäftsführer Moll Marzipan & Vorstand des Unternehmensnetzwerks Neukölln

Vom Südring nach ganz Neukölln: Wie das Unternehmensnetzwerk gewachsen ist

Die Entwicklung des Unternehmensnetzwerks Neukölln sieht Seitz, der selber seit 2011 mit seiner Firma Moll Marzipan Teil des Zusammenschlusses ist, als Erfolg. Gegründet wurde das Netzwerk im Jahr 2008 von zwölf Firmen als Unternehmensnetzwerk Südring. Vor zehn Jahren wurde es auf ganz Neukölln ausgeweitet. 

Inzwischen sind 83 Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen Teil der Gemeinschaft. Es sind Ein-Mann-Betriebe dabei und auch Firmen mit mehr als 1.000 Angestellten. 

KI, Unternehmensnachfolge, Finanzierung: Was Neuköllns Unternehmen bewegt

Ziel ist es, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen in Neukölln aktiv mitzugestalten und den Unternehmern bei den drängendsten Fragen der Zeit unter die Arme zu greifen. So gibt es neben der jährlichen Mitgliederversammlung und der Jahrestagung jedes Jahr diverse Veranstaltungen zu spezifischen Themen. 

„Dieses und nächstes Jahr stehen zum Beispiel Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und KI sowie Finanzierung und Liquidität auf der Agenda“, erklärt Seitz. Zu den weiteren Zielen gehört es aber auch, stabile Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen, Nachhaltigkeit voranzubringen sowie den Dialog mit Politik und Verwaltung zu fördern. 

Zudem setzt sich das Netzwerk für eine kontinuierliche Verbesserung der Zukunftsfähigkeit des Standorts ein und organisiert dazu eigene Initiativen wie den Tag des offenen Unternehmens oder den Jungunternehmerstammtisch, bei dem auch Nicht-Mitglieder willkommen sind.

Kurze Wege zu Wirtschaftsförderung, Politik und anderen Unternehmen

„Als Netzwerkmitglied weiß man immer, was im Bezirk los ist – ob es lokale Themen wie die jahrzehntelangen Straßenbauarbeiten betrifft oder die ganz alltäglichen Herausforderungen im Bezirk“, weiß auch Ömer Igac, Head of Operations beim Gastronomieküchenanbieter Gastro Arena. 

Er schätzt am Unternehmensnetzwerk vor allem die vielen engen Kontakte – sowohl zum Bezirk Neukölln sowie zur Wirtschaftsförderung, durch die er wichtige Informationen aus erster Hand bekommt, aber auch zu anderen Unternehmen aus der Nachbarschaft, mit denen er in Austausch geht. 

„Durch die Bekanntschaften sind bereits kleinere Aufträge entstanden, die wir innerhalb des Netzwerks vergeben oder auch erhalten haben; mitunter auch von Unternehmen, die gar nicht zu unserem primären Gastronomie-Kundenstamm gehörten, die aber zum Beispiel eine Sonderkonstruktion aus Edelstahl für die Produktionsabteilung ihres Industrieunternehmens brauchten“, freut sich Igac. 

„Als Netzwerkmitglied weiß man immer, was im Bezirk los ist.“
Ömer Igac Head of Operations Gastro Arena

Vom Kontakt zum Auftrag: Wie Unternehmen im Netzwerk profitieren

Igac ist einer der beiden neuen Vorstände des Unternehmensnetzwerks Neukölln. „Nachdem wir seit über zehn Jahren im Netzwerk aktiv sind, ist für mich nun der richtige Zeitpunkt gekommen, mehr Verantwortung zu übernehmen und das Engagement als Teil des Vorstands fortzuführen.“ 

Anfangs wollte er nur mal ausprobieren, ob ein lokales Netzwerk mehr Vorzüge bietet als die großen Unternehmervereine. Und tatsächlich: „Das Unternehmensnetzwerk Neukölln ist kleiner, familiärer und direkter, die Wege sind kurz. Hier werden keine großen Versprechen gemacht, sondern kleine, echte Schritte unternommen, die uns wirklich weitergebracht haben.“ 

Dass es sich nicht um ein branchenspezifisches Netzwerk handelt, stört Igac nicht. Er schätzt die lokale Struktur des Netzwerks und die Vielfalt an Unternehmen. „Sie macht das Netzwerk für uns besonders wertvoll – weil es echte Nähe schafft, Vertrauen aufbaut und Unternehmertum in Neukölln ein Stück persönlicher macht.“

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Lokale Kooperationen: Wie Unternehmen Wissen, Kontakte und Aufträge teilen

Neue Kontakte, frühzeitige Informationen zu lokalen Entwicklungen und Ideen für Kooperationen – das ist es auch, was Floris Vlasman am Unternehmensnetzwerk Neukölln begeistert. 

„Wir teilen unser Fachwissen, zu Catering und Event-Logistik, aber auch gerade zu Nachhaltigkeitsthemen und unterstützen andere Netzwerkmitglieder – sei es durch Empfehlungen, Kooperationen oder praktischen Rat“, erklärt der Mit-Gründer und einer der Geschäftsführer des Cateringunternehmens Floris Catering. 

Und Vlasman hat immer auch ganz spezielle Angebote für seine Netzwerkkollegen in petto: „Aktuell bieten wir den Netzwerkmitgliedern spezielle Konditionen für ihre Weihnachtsfeiern. Außerdem haben wir in diesem Jahr eines der Unternehmenstreffen ausgerichtet.“ 

Neukölln gemeinsam nach vorne bringen: Junge Unternehmer übernehmen Verantwortung im Netzwerk

Für Floris Vlasman zeigt das Netzwerk, wie Austausch in der Nachbarschaft, unternehmerische Verantwortung und gemeinsames Wachstum zusammenwirken können. Auch er engagiert sich für den Vorstand des Unternehmensnetzwerks Neukölln: 

„Neukölln nach vorne zu bringen. Mut machen, gemeinsam stärker zu wachsen – das sind alles Inhalte, die mich täglich motivieren.“

 

 

Mitglieder
83
Unternehmen
sind Mitglied im Unternehmensnetzwerk Neukölln.
Standort
14
Unternehmensnetzwerke
in Berliner Bezirken gibt es.