Global Cities Index 2026

Zieht Berlin bald an München vorbei?

Berlin rückt München im Global Cities Index näher und wächst stärker als der Bund. Doch bei Start-ups punktet München. Zieht die Hauptstadt bald vorbei?

Axel Novak
Ein Foto der Städte Berlin und München.

Berlin gegen München: Das Duell der beiden Wirtschaftsstandorte wird enger. Berlin wächst seit Jahren stärker als die deutsche Gesamtwirtschaft und hat sich als Standort für Innovation, Forschung und digitale Geschäftsmodelle etabliert. Nun liefert auch ein internationales Städte-Ranking neue Argumente.

Im Global Cities Index 2026 von Oxford Economics ist Berlin auf Rang 22 vorgerückt. München liegt nur noch drei Plätze davor auf Rang 19. Im Vorjahr war Berlin noch auf Platz 29 gelistet. Die Aufholjagd, die Ökonom der Hauptstadt bereits seit Jahren attestieren, wird damit auch im internationalen Vergleich sichtbar.

Global Cities Index 2026: Berlin springt auf Platz 22

Oxford Economics vergleicht im Global Cities Index 1.000 Metropolen weltweit. Bewertet werden fünf Bereiche: Wirtschaft, Humankapital, Lebensqualität, Umwelt und Governance. Das Ranking ist deshalb kein reines Wirtschaftsranking, sondern bildet die Standortqualität einer Stadt deutlich breiter ab.

An der Spitze liegen 2026 New York, London und Paris. München erreicht als bestplatzierte deutsche Stadt Rang 19, Berlin folgt auf Platz 22. Damit liegen die beiden deutschen Metropolen international dicht beieinander.

Ein Foto von Claus Pretzell von der Investitionsbank Berlin.

Der Ökonom Claus Pretzell von der Investitionsbank Berlin (IBB) beobachtet, wie Berlin seit Jahren kontinuierlich aufholt.

Wirtschaftsstandorte Deutschland: Ranking zeigt Berlin direkt hinter München

Wer die Wirtschaftsstandorte in Deutschland im Ranking miteinander vergleichen will, sollte allerdings genauer hinschauen. Berlin und München unterscheiden sich erheblich in ihrer Wirtschaftsstruktur. München verfügt über eine starke Konzernlandschaft und eine hohe Produktivität, Berlin ist stärker durch Dienstleistungen, Start-ups, Forschung und die Digitalwirtschaft geprägt.

Der Münchner Jahreswirtschaftsbericht weist für die bayerische Landeshauptstadt eine Wirtschaftsleistung von 122.227 Euro je Erwerbstätigem aus. Zudem haben dort sieben DAX-Konzerne ihren Sitz. Bei Produktivität und Konzernzentralen besitzt München damit weiterhin strukturelle Stärken.

Wirtschaftsstandort Berlin wächst stärker als der Bund

Berlin punktet dagegen seit Jahren mit seiner Wachstumsdynamik. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt der Hauptstadt stieg 2025 um 1,1 Prozent. Deutschland insgesamt kam lediglich auf ein Plus von 0,2 Prozent. Berlin erzielte damit die dritthöchste Wachstumsrate aller Bundesländer.

Nominal erreichte das Berliner BIP 2025 rund 218,3 Milliarden Euro. Seit 2013 entwickelte sich die Berliner Wirtschaft nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg in jedem Jahr besser als die deutsche Gesamtwirtschaft. Für 2026 erwartet die Investitionsbank Berlin bislang ein reales Wachstum von 1,5 Prozent.

Dienstleistungen treiben die Berliner Wirtschaft

Ein Grund für diese Entwicklung liegt in der Wirtschaftsstruktur. Der industrielle Anteil an der Berliner Wertschöpfung ist im Vergleich zu klassischen Industriestandorten gering. Dafür spielen digitale und unternehmensnahe Dienstleistungen, Informationswirtschaft, Forschung und technologieorientierte Unternehmen eine große Rolle.

Das erwies sich in den vergangenen Krisenjahren teilweise als Vorteil. Die unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichneten 2025 laut IBB ein Umsatzplus von 4,9 Prozent und entwickelten sich damit deutlich besser als im Bundesdurchschnitt.

Ganz ungetrübt ist das Bild jedoch nicht. In der Frühsommer-Konjunkturumfrage 2026 der IHK Berlin sank der Konjunkturklimaindex auf 100 Punkte und lag damit deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von 124 Punkten. Vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie Energie- und Rohstoffpreise belasten die Unternehmen.

Ein Foto von Dmitriy Gruzinov von Oxford Economics.

Dmitriy Gruzinov von Oxford Economics hat erkannt, dass Berlin die am schnellsten wachsende deutsche Großstadt ist – und München bald wirtschaftlich überholen könnte.

München vor Berlin: Das Rennen um die Start-ups wird enger

Lange galt Berlin nahezu unangefochten als deutsche Start-up-Hauptstadt. Doch auch hier ist der Vorsprung nicht mehr selbstverständlich. Bei den Neugründungen pro Einwohner schob sich München 2025 vor die Hauptstadt.

Nach Angaben des Münchner Jahreswirtschaftsberichts entstanden dort 19,3 Start-ups je 100.000 Einwohner, in Berlin waren es 16,8. München profitiert dabei besonders von technologieintensiven Bereichen und der engen Verbindung von Start-ups, Hochschulen und etablierten Industrieunternehmen.

Start-up-Standort Berlin bleibt ein Schwergewicht

Von einem Bedeutungsverlust des Wirtschaftsstandorts Berlin kann dennoch keine Rede sein. Die Investitionsbank Berlin zählt aktuell 4.137 aktive Start-ups mit rund 82.000 Beschäftigten. Seit 2022 wurden im Durchschnitt 345 neue Unternehmen pro Jahr gegründet.

Zugleich verändert sich die Berliner Start-up-Szene. Nach Angaben der IBB haben inzwischen 71 Prozent der Unternehmen einen B2B-Bezug, während Deep Tech an Bedeutung gewinnt. Damit verschiebt sich das Ökosystem zunehmend von klassischen E-Commerce- und Plattformmodellen hin zu technologieintensiveren Geschäftsmodellen.

Beim Wagniskapital setzte sich Berlin im ersten Halbjahr 2026 wieder an die Spitze der Bundesländer. Rund 1,7 Milliarden Euro Risikokapital flossen laut EY in Berliner Jungunternehmen. Bayern kam im gleichen Zeitraum auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Allerdings entfiel ein großer Teil des Berliner Kapitals auf wenige besonders große Finanzierungsrunden.

Hochschulen und Fachkräfte stärken den Wirtschaftsstandort Berlin

Ein wichtiger Standortfaktor bleibt Berlins Forschungs- und Hochschullandschaft. Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen versorgen Unternehmen mit Fachkräften und schaffen zugleich ein Umfeld, in dem Forschungsergebnisse in neue Geschäftsmodelle übertragen werden können.

Schon im ursprünglichen Vergleich verwies Oxford Economics auf Berlins hohe Qualifikation und den attraktiven Branchenmix. Gerade die Verbindung von Forschung, IT, Wissenschaft und Dienstleistungen gehört zu den Faktoren, die Berlins langfristige Wachstumsperspektiven bestimmen.

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Wirtschaftsleistung
218,3 Mrd. €
So hoch war das nominale Bruttoinlandsprodukt Berlins 2025.
Wachstum
+1,1 %
Um so viel wuchs Berlins Wirtschaft 2025 real – deutlich stärker als Deutschland insgesamt mit 0,2 Prozent.
Start-up-Metropole
4.137
aktive Start-ups zählt die IBB aktuell in Berlin – mit rund 82.000 Beschäftigten.

Wohnungsbau wird zum Standortfaktor für Berlins Wirtschaft

Doch Wachstum erzeugt neue Probleme. Besonders deutlich wird das beim Wohnungsmarkt. 2025 wurden in Berlin nur noch 11.027 Wohnungen fertiggestellt – 28,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen fiel sogar auf den niedrigsten Stand seit Jahren.

Bei den Genehmigungen zeigt sich dagegen inzwischen eine Trendwende. Im Jahr 2025 wurden 13.754 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 40,7 Prozent. Ob daraus schnell genug neuer Wohnraum entsteht, ist für den Wirtschaftsstandort entscheidend: Hohe Wohnkosten erschweren die Gewinnung von Fachkräften und können die Attraktivität Berlins für Unternehmen und Beschäftigte beeinträchtigen.

Was der Wirtschaftsstandort Berlin zum weiteren Aufholen braucht

Wie groß der wirtschaftliche Hebel besserer Standortbedingungen sein könnte, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung im Auftrag der IHK Berlin. Untersucht wurden acht Faktoren – vom Wohnungsbau über Bürokratie und Fachkräfte bis zu Deep Tech und zusätzlichen Langstreckenverbindungen.

Den größten langfristigen Effekt errechnet die Studie für deutlich höhere Investitionen in Deep-Tech-Unternehmen. Würden die Investitionen von rund 461 Millionen Euro auf 2,7 Milliarden Euro steigen, könnte dies dem Modell zufolge langfristig rund 6,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Szenariorechnungen, nicht um Prognosen.

Wohnraum, Fachkräfte und BER könnten Milliarden bringen

Auch andere Standortfaktoren bergen der Studie zufolge erhebliches Potenzial. Eine um zehn Prozent kürzere Vakanzzeit bei offenen Stellen wird mit einem möglichen langfristigen Wertschöpfungseffekt von rund 4,1 Milliarden Euro verbunden. Sieben zusätzliche Langstreckenverbindungen am BER könnten dem Modell zufolge rund 3,2 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung ermöglichen.

Für 20.000 zusätzliche Wohnungen errechnet das Institut einen möglichen Effekt von rund 1,3 Milliarden Euro. Eine Halbierung der von Berlin beeinflussbaren Bürokratiebelastung könnte rund 1,1 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen. Gerade an diesen Faktoren entscheidet sich, wie stark Berlin seine derzeitige Dynamik künftig in dauerhaft höhere Produktivität umsetzen kann.

Zieht Berlin also bald an München vorbei?

Der Global Cities Index 2026 zeigt: Berlin ist München deutlich nähergekommen. Platz 22 statt Platz 29 innerhalb eines Jahres ist ein kräftiger Sprung. München liegt mit Rang 19 aber weiterhin davor.

Auch wirtschaftlich ergibt sich kein eindeutiges Bild. Berlin wächst dynamischer, verfügt über ein großes Start-up-Ökosystem und punktet bei Forschung und Dienstleistungen. München wiederum besitzt eine höhere Produktivität, eine starke Konzernbasis und hat bei der Start-up-Dichte zuletzt aufgeholt.

Ob Berlin München tatsächlich überholt, hängt daher davon ab, welche Kennzahl betrachtet wird. Klar ist aber: Der Abstand zwischen den beiden führenden deutschen Metropolen im Global Cities Index ist 2026 kleiner geworden – und der Wettbewerb der Standorte enger.