IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Social Impact Business

Mit Crowdfunding das Unternehmen finanzieren: STRAYZ hilft Streunern mit einer Tierfuttermarke

Madeline und Saskia unterstützen mit STRAYZ Tiere in Not.

Von: Aaron Baumgart
Porträt der STRAYZ-Gründerinnen Saskia te Kaat und Madeline Metzsch in ihrem Büro.

Saskia te Kaat (links) und Madeline Metzsch finanzierten ihr Unternehmen mithilfe von Crowdfunding.

Viele Sozialunternehmen entstehen aus einer beobachteten Ungerechtigkeit heraus. So auch die Tierfuttermarke STRAYZ. Co-Gründerin Madeline Metzsch begegnete während eines Urlaubs einer hochschwangeren Straßenkatze und konnte das Bild des verwahrlosten Tieres anschließend nicht mehr aus ihrem Kopf bekommen. 

Schätzungsweise gibt es weltweit rund 680 Millionen streunende Katzen und Hunde. Um diesen Tieren helfen zu können, gründete Madeline gemeinsam mit ihrer Freundin Saskia te Kaat die Bio-Futtermarke STRAYZ. Nach dem Prinzip „Buy one, give one“ wird pro verkauftem Produkt Geld an Tierschutzvereine zurückgegeben, beispielsweise in Form von Futterspenden und medizinischer Hilfe. 

Die Gründerinnen finanzierten ihr Herzensprojekt zunächst über eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, bei der sie ihr gesetztes Finanzierungsziel um 27 Prozent übertrafen. Beim Event „Impact braucht Kapital – aber wie?“ der IHK Berlin erzählen Madeline und Saskia, wie sie ihr Unternehmen abseits von Crowdfunding finanzieren. Im Interview geben die beiden einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung.

Impact braucht Kapital – aber wie? Erfolgreiche Finanzierungswege in der Praxis

Wann: Donnerstag, 27. August 2026, von 16:30 bis 18:30 Uhr
Wo: Ludwig Erhard Haus, IHK Berlin, Fasanenstr. 85, 10623 Berlin 

Sozialunternehmen aus Berlin geben bei der Veranstaltung Einblicke in ihre Finanzierungsstrategien. Zudem gibt es wissenschaftliche Impulse zu Herausforderungen und Chancen sowie Informationen zu Finanzierungsprogrammen von Berliner Banken. 

Alle Infos und Anmeldung: https://events.ihk-berlin.de/b?p=20260827socialeconomy-web

STRAYZ generiert Social Impact mit Bio-Tierfutter

Warum habt ihr zum Start von STRAYZ auf Crowdfunding gesetzt und was war für den Erfolg der Kampagne ausschlaggebend? 

Madeline: Für uns war das Crowdfunding vor allem ein Test: Wir wollten sehen, ob unsere Idee wirklich verstanden wird und wie die Marke bei Menschen ankommt. Innerhalb von drei Wochen hatten wir unser Ziel bereits erreicht, das Feedback war unfassbar gut und hat uns gezeigt, dass wir mit STRAYZ einen Nerv treffen. Parallel dazu haben wir fast rund um die Uhr Influencerinnen und Influencer angeschrieben, um die Kampagne bekannter zu machen, wodurch von der ersten Minute an großartige Menschen an unserer Seite standen.

Welche Finanzierungsschritte folgten nach dem Crowdfunding? 

Saskia: Nach der Crowdfunding-Kampagne über Startnext folgten mehrere Wandeldarlehensrunden mit Business Angels und einem Family Office. Parallel dazu haben wir den Gründungsbonus beantragt und genehmigt bekommen, um Ware vorzufinanzieren und erste Marketing-Maßnahmen zu stemmen. 

Für die laufende Liquidität sind wir dann auf spezialisierte Anbieter jenseits der klassischen Bank umgestiegen: einen PayPal Business Kredit, Wayflyer sowie ein Liquiditätstool eines Zahlungsdienstleisters unserer B2B-Kunden, mit dem wir offene Forderungen direkt verkaufen und so schneller an unser Geld kommen können.

Eine Frau füttert einen Hund.

STRAYZ unterstützt mit dem Verkauf seiner Produkte Tiere in Not.

STRAYZ wurde anfänglich von außen als eher „nettes Projekt“ beschrieben. Ist das eurer Meinung nach bei Social Businesses öfter der Fall? 

Madeline: Das war nicht nur in der Anfangsphase, das begegnet uns bis heute, und die Gründe dafür liegen für uns auf der Hand. Ein Unternehmen, das radikal anders wirtschaftet und Profit nicht über alles stellt, passt für viele einfach nicht ins gewohnte Bild von Wirtschaft, und wenn dieses Unternehmen dann auch noch von Frauen geführt wird, die im Social-Business-Bereich zwar häufiger, in der Unternehmenslandschaft insgesamt aber noch immer unterrepräsentiert sind, wird man schnell eher als idealistisch statt als ernstzunehmend wahrgenommen. 

Wie positioniert ihr euch dagegen? 

Madeline: Unsere Zahlen sprechen eine klare Sprache: Wir sind profitabel, wachsen kontinuierlich und stehen heute in tausenden Verkaufsstellen im Regal. Was das Ganze zusätzlich erschwert, ist, dass Social Businesses in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger glamourös wirken als Fast Fashion oder Supplement-Marken, obwohl sie langfristig das deutlich tragfähigere Geschäftsmodell verfolgen. 

Genau deshalb ist es uns wichtig, mit unseren Ergebnissen zu zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung kein Widerspruch sind, sondern Hand in Hand funktionieren.

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Bei der Finanzierung stehen die moralischen Werte oft an erster Steller

Gab es Finanzierungsangebote oder Kooperationen, die ihr bewusst abgelehnt habt, weil sie nicht zu euren Werten passten? Woran lässt sich festmachen, dass diese Angebote wirklich die eigene Mission unterstützen?

Saskia: Ja, das kam durchaus vor. Wir haben zum Beispiel Angebote von Acceleratoren großer Konzerne  abgelehnt, hinter deren Werten wir nicht stehen. Für uns lässt sich das vor allem daran festmachen, ob ein Investment oder eine Kooperation zu unserer Mission passt oder ob wir im Zweifel Kompromisse bei unseren Werten eingehen müssten, nur um an Kapital zu kommen. Sobald das der Fall ist, ist es für uns kein passendes Angebot.

Welchen Finanzierungsfehler sollten angehende Gründerinnen und Gründer unbedingt vermeiden?

Saskia: Man sollte nicht das erstbeste Angebot annehmen, sondern verschiedene Optionen vergleichen und sich genau anschauen, was dahintersteckt, etwa, ob eine persönliche Haftung für einen infrage kommt und welche Konditionen marktüblich sind. 

Genauso wichtig: sich vorab Gedanken machen, wie man gerade am Anfang Finanzierungslücken schließen kann, etwa durch Kapital im privaten Umfeld oder Investorinenn und Investoren. Und ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich frühzeitig externen Rat zu holen, am besten von anderen Gründerinnen und Gründern, die ähnliche Finanzierungsschritte schon gegangen sind, statt sich allein durch Verträge und Konditionen zu kämpfen.