Öffentliche Beschaffung

Berliner Vergabereform: Senat stellt Weichen für Milliardenaufträge

Der Berliner Senat lässt das Vergabewesen mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro auf den Prüfstand: Chief Digital Officer Martina Klement soll bis Frühjahr 2026 ein Reformkonzept vorlegen, das Verfahren digitaler, schneller und wirtschaftsfreundlicher macht.

Milena Fritzsche

Im Frühjahr 2026 will der Berliner Senat über ein Konzept für Reformvorschläge im Vergabewesen entscheiden.

Nach Angaben der Senatskanzlei ist das Vergabewesen mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von fast drei Milliarden Euro allein im Liefer- und Dienstleistungsbereich ein zentrales Instrument, um öffentliche Gelder effizienter einzusetzen, die Verwaltung deutlich zu entlasten und gleichzeitig verlässliche, attraktive Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen.

Zusätzlich werde das Sondervermögen des Bundes voraussichtlich eine „Beschaffungswelle“ auch in Berlin auslösen. Vor diesem Hintergrund sollen laut Senatskanzlei verschiedene Reformansätze weiter vorangetrieben werden – darunter der Aufbau einer gesamtstädtischen strategischen Steuerungseinheit, die umfassende Digitalisierung der Vergabeverfahren sowie die Stärkung bzw. Etablierung einer zentralen Beschaffungsagentur.

Sebastian Stietzel, Präsident der IHK

IHK-Präsident Sebastian Stietzel fordert für die Berliner Wirtschaft eine Vergabepraxis, die Investitionen, Innovationen und Wachstum in Berlin ermöglicht.

Was erwartet die Berliner Wirtschaft von der Vergabepraxis?

Die Berliner Wirtschaft habe lange auf den Start der Reform als Innovations- und Investitionshebel gewartet, betont IHK-Präsident Sebastian Stietzel. Veraltete, ineffiziente und stark bürokratische Verwaltungsstrukturen seien der Grund, warum sich Investitionen stauen und Unternehmen das Interesse an öffentlichen Aufträgen verlieren würden. Mit gebündelten Vergabestrukturen und klarer Beschaffungskompetenz könne die Politik die Blockade lösen. Entscheidend sei jedoch, dass die Reform kein halber Schritt bleibe. 

„Die geplante Novelle des Berliner Vergabegesetzes und die Strukturreform müssen konsequent zusammengedacht werden: weniger Bürokratie, niedrigere Zugangshürden und bessere Chancen insbesondere für junge und innovative Unternehmen“, sagt Sebastian Stietzel und betont, dass es dabei auch auf die konsequente Anwendung des Total-Cost-of-Ownership-Modells ankomme – für die wirklich wirtschaftlichste und nicht die günstigste Lösung. „Gelingt das, gewinnt Berlin an Leistungsfähigkeit, Attraktivität und wirtschaftlicher Dynamik.“

Zur Öffentlichen Beschaffung als Motor für Investitionen, Innovationen und Wachstum in Berlin, hatte die IHK Berlin bereits im Sommer ein Positionspapier mit konkreten Vorschlägen veröffentlicht.

Berliner Unternehmer: „Öffentliche Ausschreibungen sind überladen“
Portrait von Joachim Spitzley, Vorstandsvorsitzender der Bito AG
Interview zur Verwaltungsreform Berliner Unternehmer: „Öffentliche Ausschreibungen sind überladen“
Lesezeit: 6 Minuten
Michael Gneuss

Wie geht es weiter mit der Vergabereform?

Die Vergabestrukturreform ist ein Teil der Berliner Verwaltungsreform. Vorausgegangen war eine umfassende Bestandsaufnahme zum Vergabewesen im Land Berlin und gemeinsam mit Vergabeexperten aus den unterschiedlichen Verwaltungseinheiten waren Reformvorschläge für eine Neuaufstellung des Vergabewesens entwickelt worden. Diese fokussierten sich auf vier zentrale Handlungsfelder: klare Prozesse, moderne Vergabepraxis, transparente Daten und zukunftsfähige Organisation. Auf Basis des heutigen Senatsbeschlusses sollen diese im Bereich Liefer- und Dienstleistungen weiterentwickelt werden. Das Konzept soll dem Senat im Frühjahr 2026 zur Entscheidung vorgelegt werden.