IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Nach einer aufmerksamkeitsstarken Teaserphase geht die Kampagne der IHK Berlin in die nächste Stufe. Mit „WTF is IHK?“ wurde bewusst Neugier geweckt und Gespräche angestoßen.

Jetzt löst die Kammer diese Frage auf – klar, sichtbar und mit Haltung. 

Die Unternehmer stehen stellvertretend für die Vielfalt der Berliner Wirtschaft. 

Durch ihre Perspektiven wird deutlich, was der Claim konkret bedeutet – und wie die IHK Berlin Unternehmen tatsächlich unterstützt. 

IHK Berlin. Offizieller Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Food-Tech und Standortpolitik

Wista-Chef Roland Sillmann: „Demokratiefeindliche Tendenzen sind die größte Herausforderung“

Berlin will mit dem Food Campus zum Hotspot für Lebensmittelinnovationen werden. Wista-Chef Roland Sillmann erklärt, warum es dafür Labore, persönliche Begegnungen und internationale Talente braucht – und weshalb er eine ganz andere Entwicklung derzeit für die größte Gefahr des Wirtschaftsstandorts hält.

Von: Mateusz Hartwich
Roland Sillmann, Geschäftsführer der Wista Management GmbH

Setzt auf Kooperation: Roland Sillmann ist Geschäftsführer der Wista Management GmbH.

Food Campus Berlin: Warum physische Nähe Innovation fördern soll

Herr Sillmann, warum engagieren Sie sich beim Food Campus Berlin?

Roland Sillmann: Um die Frage zu beantworten, möchte ich zunächst das große Ganze in den Blick nehmen. Ich war kürzlich auf einer internationalen Konferenz in Kenia. In diesem Land, dessen Bevölkerung ein Durchschnittsalter von 19 Jahren hat, geht es vor allem darum, wie man das Bevölkerungswachstum managt. Wie produzieren wir genug Nahrung für alle, woher sollen die Proteine kommen, um die Menschen zu ernähren? 

Innovationen im Lebensmittelbereich können ein wichtiger Baustein für die Beantwortung dieser Fragen sein. Daher geht es nicht nur um Themen wie Fleischalternativen, die manchmal in der deutschen Diskussion dominieren, sondern um Innovationen, die globale Fragen adressieren und den Wirtschaftsstandort Berlin stärken können.

Der Food Campus Berlin ist ein privatwirtschaftliches Projekt, bei dem Sie Kooperationspartner sind. Welche Vorteile sehen Sie dabei?

Als Wista haben wir bereits unterschiedliche Modelle ausprobiert, von der Bewirtschaftung eigener Immobilien bis zur Kooperation mit Partnern. Bauen ist mittlerweile langsam und teuer, deswegen hat es Vorteile, wenn wir unser Know-how auch woanders einbringen und angemietete Flächen bespielen können. Das tun wir mittlerweile an mehreren Orten der Stadt, etwa bald auch im Ludwig Erhard Haus, in Zusammenarbeit mit der IHK

Wir haben über die Jahre ein breites Ökosystem aufgebaut, im Technologiepark Adlershof sind bereits einige Start-ups aus dem Food-Tech-Bereich vorhanden. Als Landesgesellschaft genießen wir ein Ansehen, das es uns ermöglicht, zwischen Gründern und Etablierten Vertrauen aufzubauen – beide Seiten wollen von einer Kooperation profitieren. Das Interesse an einem Ort der Vernetzung besteht durchaus.

Internationale Fachkräfte und Demokratie: Sillmanns Warnung für den Standort Berlin

Braucht es denn heutzutage einen physischen Ort, reicht die digitale Vernetzung nicht aus?

Den braucht es auf jeden Fall! Dazu liegen genügend wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Nur durch persönliche Begegnung können Kreativität und Vertrauen entstehen. In der Pandemiezeit waren Begegnungen nicht möglich, das macht sich bis heute bemerkbar. Innovation kann nur dank interdisziplinärem Austausch zustande kommen, dafür ist Berlin als Standort perfekt. Das macht auch die Stärke der Stadt aus, denn wenn es nur auf digitale Vernetzung ankäme, müsste kein Unternehmen nach Berlin kommen.

Demokratiefeindliche Tendenzen sind momentan die größte Herausforderung für den Standort.“
Roland Silmmann Geschäftsführer Wista Management GmbH

Berlins neuer Hotspot für Food-Tech

Der Food Campus Berlin des Projektentwicklers Artprojekt Nature & Nutrition entsteht derzeit auf einem rund 14.000 Quadratmeter großen Areal am Teltowkanal in Tempelhof und soll nach Fertigstellung etwa 40.000 Quadratmeter Nutzfläche für Lebensmittelproduktion, Büros, Start-ups und Veranstaltungen bieten. Ziel ist es, Unternehmen, Forschung und Wissenschaft zusammenzubringen und Innovationen für eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion voranzutreiben. 

Wista plant dort auf rund 4.000 Quadratmetern einen „Smart Protein Hub & Makerspace“ mit Laboren, Sensorikraum, Showküche, Coworking-Flächen und Showrooms für Food-Tech-Start-ups. Nach Angaben der Projektpartner könnten auf dem Campus perspektivisch bis zu 1.500 Arbeitsplätze entstehen.

Sie haben sich in der Öffentlichkeit klar positioniert, wie wichtig es ist, internationale Talente anzuziehen, die für einen erfolgreichen Innovations- und Wirtschaftsstandort von elementarer Bedeutung sind. Wie beobachten Sie vor diesem Hintergrund die aktuelle politische Lage?

Wir setzten uns ja im Rahmen der Metropolregion Berlin-Brandenburg stark für denInnovationskorridor Berlin-Lausitzein, da kommen wir aber insgesamt langsamer voran, als viele es sich wünschen. Und mit Blick auf den Lausitz Science Park oder die Brandenburgische Technische Universität ist es entscheidend, dass internationale junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch künftig dort hinkommen möchten. 

Wir sehen aktuell, dass Ostdeutschland auf der einen Seite aufgrund der verfügbaren Flächen und regenerativer Energieerzeugung für Großkonzerne attraktiv geworden ist. Da ist also viel Potenzial für wirtschaftliche Entwicklung. Ich möchte aber in aller Deutlichkeit sagen: Demokratiefeindliche Tendenzen sind momentan die größte Herausforderung für den Standort.

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