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Transparenter Stromanbieter

Fairster Energie macht Strom zur Vertrauenssache

Tobias Hirt ärgerte sich über intransparente Energiepreise – und gründete kurzerhand Deutschlands ersten gemeinnützigen Stromanbieter. Fairster liefert Ökostrom zum Selbstkostenpreis und zahlt Überschüsse an die Kunden zurück.

Christian Buck
Porträtfoto von Tobias Hirt, CEO von Fairster

Tobias Hirt gründete die Fairster Energie gGmbH 2023

Viele Gewerbekunden und Privatpersonen wundern sich regelmäßig über ungewöhnlich hohe Stromrechnung. Und hier beginnt auch die Geschichte von Fairster Energie im Jahr 2018 – mit 2.500 Euro und einer verärgerten Kundin. Tobias Hirt, damals noch Student, betreute nebenbei als externer Einkäufer Energieverträge für Gewerbekunden. Bei der Prüfung einer Stromrechnung fiel ihm auf: Da stimmt etwas nicht. 

Er entwickelte einen Algorithmus, wertete hunderte Abrechnungen aus und stieß auf systematische Überzahlungen. Rund 70 Prozent der Rechnungen waren fehlerhaft oder zumindest fragwürdig – oft ging es um vierstellige Beträge pro Kunde. Für seine Kundin holte Hirt 2.500 Euro zurück. „Da kam mir die Idee: Das können wir auch im großen Stil machen“, erinnert er sich.

Energie ist so grundlegend wie Wasser – sie darf kein Luxusgut sein.“
Tobias Hirt Gründer Fairster Energie gGmbH

Heute geht er mit dem Tobias Hirt Verbraucherschutz, einer Marke seines Unternehmens Veneko GmbH, gegen Energieversorger vor und holt für Geschädigte überhöhte Zahlungen zurück. Doch 2023 reichte Hirt das nicht mehr. Während der Energiekrise in den Jahren zuvor waren die Preise explodiert, gleichzeitig sah er, wie etablierte Anbieter kräftig verdienten. Seine Konsequenz: ein eigener, gemeinnütziger Stromversorger, die Fairster Energie gGmbH.

Transparenz steht bei Fairster Energie im Mittelpunkt

Bei Fairster Energie steht der Verbraucherschutz und Transparenz im Mittelpunkt stehen. Mit einem eigens entwickelten Preisindex helfen Tobias Hirt und sein Team Kunden, Angebote besser bewerten zu können. So wollen so eine faire Energieversorgung fördern. Außerdem dürfen Gewinne nicht an die Eigentümer ausgeschüttet werden. 

„Ich finde es geschmacklos, dass sich Unternehmen gerade am Strom bereichern“, sagt Hirt. „Energie ist so grundlegend wie Wasser – sie darf kein Luxusgut sein.“ Sein Modell funktioniert wie eine Brücke: Auf der einen Seite stehen rund 100 Windräder von rund zwei Dutzend Produzenten, verteilt über ganz Deutschland. Auf der anderen Seite sind die Kunden – mittlerweile etwa 1.700 Haushalte und Gewerbebetriebe, vom Einpersonenhaushalt bis zum großen Betonwerk.

Fairster Energie zahlt bei Überschüssen zurück

Fairster verzichtet bewusst auf Zwischenhändler. Stattdessen verhandelt Hirt direkt mit den Windparkbetreibern. Das Preismodell ist transparent: Kunden zahlen die Beschaffungskosten plus fünf Prozent Verwaltungsgebühr und 4,99 Euro monatliche Servicepauschale pro Zähler. Am Jahresende wird abgerechnet – und wenn Überschüsse da sind, bekommen die Kunden Geld zurück. 

Im Jahr 2024 waren es rund 2,8 Cent pro Kilowattstunde, insgesamt mehr als 350.000 Euro. So erhielt ein Privatkunde aus Hamburg beispielsweise 1.187 Euro zurück, ein Geschäftskunde aus Baden-Württemberg mit sieben Lieferstellen 33.789 Euro.

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Fairster gibt alten Windrädern eine zweite Chance

Besonders clever: Fairster holt stillstehende Windräder zurück ans Netz. „Alle Anlagen werden bei Negativpreisen fast vollständig abgeregelt“, erklärt Tobias Hirt. „Der ständige Verschleiß hat vor allem die Betreiber älterer Windanlagen veranlasst, ihre Windräder komplett abzuschalten.“ Fairster bietet ihnen Verträge ohne Abschaltung bei Negativpreisen. 

„Das bedeutet für uns ein höheres Risiko, schützt aber die Anlagen“, so Hirt. „Wir haben das in unserem Risikobudget für den Produzentenpreis mitberücksichtigt.“

Trotz des ungewöhnlichen Konzepts wächst Fairster ständig. Das Kundenvolumen hat sich vom ersten aufs zweite Lieferjahr mehr als verdoppelt, und auch in diesem Jahr ist das Unternehmen weiter expandiert. Ab diesem Jahr soll die Akquise richtig Fahrt aufnehmen. Hirts Ziel: „Wir wollen zeigen, dass man einem Versorger blind vertrauen kann.“

Fairster CEO Tobias Hirt gemeinsam mit dem Berliner Staatssekretär Michael Biel.

Das Unternehmen von Tobias Hirt (links) wurde im Rahmen der re:publica 2026 als eines der Top 5 „Sozialen Unternehmen“ in der Kategorie „Planet“ ausgezeichnet

Fairster Energie gehört zu Berlins Top "Sozialen Unternehmen"

Der Erfolgskurs des gemeinnützigen Stromanbieters setzt sich fort: Am 19. Mai 2026 ehrte die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auf der re:publica die Top 15 der „Berliner Sozialen Unternehmen 2026“. Die Fairster Energie gGmbH erreichte in der Kategorie „Planet“ einen Platz unter den Top 5.

„Fairster hat uns besonders überzeugt, weil das Unternehmen zeigt, dass die Energiewende auch gemeinnützig und verbraucherorientiert gedacht werden kann. In einem Markt, der häufig von Intransparenz und Gewinnmaximierung geprägt ist, setzt Fairster mit seinem Ansatz für fairen Ökostrom und reinvestierte Überschüsse einen wichtigen Impuls“, erklärt Jurymitglied Jonas Nipkow, Projektleiter „Social Economy Berlin“ (SEND e.V.).