Wirtschaftsfaktor Defence

Stark Defence Berlin: Warum das Drohnen-Startup seine strategische Heimat in der Hauptstadt sieht

Mit Stark Defence Berlin wächst in der Hauptstadt eines der spannendsten Defence-Tech-Start-ups Europas. CTO und Mitgründer Johannes Schaback erklärt, warum Berlin mit seiner starken Gründerszene, der Nähe zu Politik und Forschung und einem großen Talentpool der ideale Standort ist.

  • Berlin steht für Dialog zwischen technologischen Innovationen und staatlichen Institutionen
  • Militärische Resilienz hängt von Interoperabilität ab
  • Zuverlässige und schnelle Lieferketten sowie Kooperation machen unabhängig
  • Die Verteidigung der Zukunft wird von modularen und softwarezentrierten Systemen bestimmt
Von: Jens Bartels
Foto von Johannes Schaback, Mitgründer und CTO von STARK

Johannes Schaback, Mitgründer und CTO von STARK

Stark Defence Berlin steht für eine neue Generation von Defence-Tech in der Hauptstadt: Das Drohnen-Startup kombiniert hochspezialisierte Technologien mit der strategischen Stärke des Standorts Berlin. Zwischen innovativer Gründerszene, unmittelbarer Nähe zu Politik und Behörden sowie exzellenten Forschungsinstitutionen findet Stark Defence Berlin hier genau das Ökosystem, das es für den Aufbau moderner, modularer Verteidigungstechnologien braucht.

Berlin ist kein klassischer Standort für die Rüstungsindustrie. Welche Gründe haben Sie dennoch dazu bewegt, hier ein Defence-Tech-Unternehmen zu gründen?

Unsere Wurzeln liegen im Großraum München, aber unsere strategische Heimat ist Berlin. Hier findet der direkte Dialog zwischen technologischen Innovationen und staatlichen Institutionen statt. Diese Nähe ist wichtig für uns, da Defence-Tech in besonderer Weise im Spannungsfeld zwischen Technologieinnovationen und sicherheitspolitischer Verantwortung steht.

Berlin steht für eine technologisch starke Gründerszene und bietet ein einzigartiges strategisches Ökosystem aus Wirtschaftsakteuren, Forschungseinrichtungen und staatlichen Institutionen, die den akuten Bedarf an sicherheitsrelevanten Innovationen erkennen,“
Johannes Schaback CTO

Wie erleben Sie die politische und gesellschaftliche Diskussion rund um Defence-Tech? Ist es in Berlin schwieriger, Investoren, Partner oder Fachkräfte für diese Branche zu gewinnen als in anderen Ländern?

Die Diskussion ist differenzierter geworden und das ist wichtig. Immer mehr Menschen erkennen, dass die Verteidigungsfähigkeit eine notwendige Voraussetzung für unsere Freiheit ist. Das gilt auch für Investoren und Partner. Berlin steht für eine technologisch starke Gründerszene und bietet ein einzigartiges strategisches Ökosystem aus Wirtschaftsakteuren, Forschungseinrichtungen und staatlichen Institutionen, die den akuten Bedarf an sicherheitsrelevanten Innovationen erkennen. Wir sehen insbesondere in Berlin, dass der Pool an Talenten, die gemeinsam an der technologischen Souveränität Europas arbeiten wollen, sehr stark ausgeprägt ist.

Weißer Senkrechtstarter-Drohnen-Prototyp mit vier Propellern und dem Schriftzug 'STARK' auf dem Rumpf, frontal von unten fotografiert.

Die Drohne Virtus von Stark kann senkrecht starten und in weniger als zehn Minuten einsatzbereit gemacht werden.

Was unterscheidet Stark von anderen europäischen oder internationalen Anbietern, und wie definieren Sie Ihre Mission als Technologieunternehmen zwischen Sicherheit, Innovation und Verantwortung?

Stark wurde gegründet, um den akuten Bedarf an innovativen Systemen zu decken, die der Realität moderner Kriegsführung gerecht werden. Europa braucht eigene industrielle Stärke, um unbemannte Systeme schnell, kosteneffizient und in großer Stückzahl bereitzustellen. Voraussetzung hierfür ist Kooperation und Partnerschaft. Wir glauben deshalb fest an den Grundsatz der Interoperabilität, also die Fähigkeit von Systemen, nahtlos zusammenzuarbeiten, Daten auszutauschen und Informationen zu nutzen, unabhängig von unterschiedlichen Herstellern oder Standards. Nur im Zusammenspiel können wir eine widerstandsfähige Abschreckung aufbauen.

Stark hat in kurzer Zeit beachtliche Finanzierungsrunden abgeschlossen und gilt als eines der am höchsten bewerteten Defence-Start-ups Europas. Was bedeutet diese Entwicklung für Ihre strategische Planung und Ihre Unabhängigkeit?

Das uns bereitgestellte Kapital ermöglicht uns überhaupt erst, unsere Technologien zu entwickeln und uns als zuverlässiger Partner zu positionieren. Entscheidend ist also, dass wir das eingesammelte Kapital zielgerichtet in die Entwicklung und Produktion unserer Systeme investieren. Mit gleichzeitigen Investitionen in den Ausbau robuster europäischer Produktionsnetzwerke schaffen wir die Grundlage für zuverlässige und schnelle Lieferketten. Neben der industriellen Kooperation setzt dies ausreichend Zugang zum Kapitalmarkt und die Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Finanzsektor voraus. Für uns bedeutet Unabhängigkeit also keine unternehmerische Isolation, sondern die progressive Zusammenarbeit aller Wirtschaftsbereiche Europas und seiner Partner.

Drohne mit sechs langen, dünnen Armen und Propellern, frontal von unten fotografiert.

Die Drohne Virtus von Stark hat eine Flugzeit von bis zu 60 Minuten bei 100 Kilogramm Reichweite.

Mit der Übernahme von Pleno in Berlin und dem Ausbau einer Produktionsstätte in Großbritannien verfolgen Sie eine klare Wachstumsstrategie. Welche Rolle spielt dabei langfristig der Standort Deutschland?

Der Wirtschaftsstandort Deutschland spielt für uns eine entscheidende Rolle. Deutschland verfügt über das Talent, die industrielle Basis und die Infrastruktur, um die dringend benötigten verteidigungstechnologischen Innovationen für die NATO hervorzubringen. Bei Stark sind wir stolz, Teil dieses Aufbruchs zu sein und aktiv zur technologischen Souveränität Europas beizutragen. In den kommenden Jahren werden wir insbesondere in Europa weiter wachsen, wo die Nachfrage nach unbemannten Systemen rapide steigt.

Schnelles schwarzes Motorboot fährt auf welliger Wasseroberfläche und erzeugt weiße Gischt.

Mit der Produktreihe Vanta entwickelt das Berliner Start-up auch autonome Boote zum Schutz kritischer Unterseekabel.

Stark setzt auf autonome Systeme, vernetzte Sensorik und Software-Plattformen wie „Minerva“. Welche technologischen Trends werden aus Ihrer Sicht die Defence-Branche in den kommenden Jahren am stärksten verändern?

Ein zentraler Trend wird die zunehmende Softwarezentrierung unbemannter Systeme sein. Diese werden in Zukunft vor allem durch flexible Softwarearchitekturen bestimmt, die sich laufend aktualisieren und erweitern lassen. Wir sehen bereits jetzt, dass reine Hardware-Upgrades mit jeder Iteration einen abnehmenden Nutzen haben. Zeitnah werden wir an den Punkt kommen, an dem Software-Updates die Innovationszyklen bestimmen und die Anpassungsfähigkeit der Systeme entscheidend prägen. Die Verteidigung der Zukunft wird von modularen und softwarezentrierten Systemen bestimmt.

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Wie sieht die Weiterentwicklung für die nächsten Jahre aus?

Bis 2027 werden wir eine vollständig zertifizierte europäische Loitering Munition an den Markt bringen. Gleichzeitig werden wir unsere Produktionskapazitäten ausbauen, neue Produkte mit verschiedenen Reichweiten entwickeln und insbesondere in die Weiterentwicklung unseres Missionsführungssystem Minerva investieren.