Automobilindustrie in der Transformation

Berliner Zulieferer IAV baut 1.400 Stellen ab

Der Automobilzulieferer IAV plant bundesweit den Abbau von rund 1.400 Arbeitsplätzen, besonders betroffen ist der Standort Berlin. Bis Ende 2027 soll das Betriebsgelände in Berlin veräußert werden. Das Unternehmen reagiert damit auf die anhaltenden strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie und die rückläufige Auftragslage.

Person in einem dunkelblauen Anzug steht in einem modernen Bürobereich mit dem IAV‑Logo im Hintergrund

Jörg Astalosch, CEO der Ingenieurgesellschaft IAV

Die Maßnahme bestätigte Geschäftsführer Jörg Astalosch bereits im März 2026  im Gespräch mit t‑online. Den übrigen Mitarbeitenden des Dienstleisters werde ein Wechsel  nach Gifhorn in Niedersachsen angeboten. Astalosch ergänzte, dass bürokratische Hürden, die schwächelnde europäische Konjunktur und strukturelle Umbrüche in der Industrie die Lage zusätzlich erschwerten. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sprach sich für den Erhalt des Standorts aus und trat auf einer Versammlung der IAV-Beschäftigten auf. Kritik kommt auch von der IG Metall: Eine Aufgabe des Berliner Stammsitzes mit rund 1.250 Beschäftigten werde nicht akzeptiert.

Bereits im letzten Jahr erläuterte Jörg Astalosch in einem Gespräch mit der Berliner Wirtschaft, wohin er das Unternehmen strategisch führen möchte. Dabei kündigte er schon an: “Wir werden stärker in anderen Ländern wachsen, in denen Kunden sitzen und wo wir noch schneller Personal aufbauen können”. 

IHK-Präsident Sebastian Stietzel kommentierte: “Das sind sehr schlechte Nachrichten für den Wirtschaftsstandort. Gerade im industriellen und industrienahen Bereich häufen sich auch in Berlin und im Berliner Umland die Nachrichten von Stellenabbau und Stilllegungen. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Wettbewerbssituation gerade im internationalen Umfeld ist hart, und angesichts der aktuellen globalen Krisen werden nur die Standorte erfolgreich sein, die beste Voraussetzungen bieten. Das ist in Deutschland aktuell nicht mehr der Fall: Die Kostenbelastung ist zu hoch, die Unternehmen fühlen sich durch Bürokratie erdrückt, öffentliche und private Investitionen verharren auf einem viel zu niedrigen Niveau. Die Berliner Politik kann sich dieser Lage nicht alleine widersetzen, aber sie muss alle Spielräume nutzen, um dem Trend entgegenzuwirken: Mit einer konsequenten Umsetzung der Verwaltungsmodernisierung, mit dem Abbau von Landesbürokratie, mit einem klaren Investitionsfokus auf wirtschaftsrelevante Infrastruktur, und mit einem entschiedenen „Nein“ aller verantwortlichen Akteure für alles, was in wirtschaftliche Freiheit eingreift. Wer glaubt, dass man heute in einem Politikbereich Enteignungen ankündigen kann und morgen gut bezahlte Industriearbeitsplätze am Standort hält, erlebt ein böses Erwachen”.