Internationaler Handel

Wie sich der Berliner Fleischgroßhändler Feddersen auf neue Marktchancen einstellt

Neue Abkommen, diversifizierte Lieferketten und geopolitische Risiken stellen Unternehmen vor komplexe Aufgaben. Für den Berliner Fleischgroßhandel Feddersen bedeutet dies Chancen, aber auch wachsenden Anpassungsdruck.

Von: Antonia Ostersetzer
Feddersen-Lkw vor der Unternehmenszentrale in Berlin-Moabit

Klare Strategie bei Feddersen: effiziente Prozesse, verlässliche Lieferketten und eine solide Kostenstruktur

  • Wandel der internationalen Märkte: Der Handel wird durch politische Unsicherheiten, schwankende Zölle und steigende Dokumentationsanforderungen herausgefordert.
  • Feddersen global aufgestellt: Der Berliner Fleischgroßhändler beliefert weltweit mit über 4.000 Produkten und setzt auf hohe Qualitäts- und Compliance-Standards.
  • Neue Abkommen: Das Mercosur-Abkommen eröffnet eine Handelszone mit 700 Millionen Menschen, erwartet wird ein Anstieg der EU-Exporte um 39% bis 2040.
  • Resilienz als Wettbewerbsfaktor: Feddersen investiert verstärkt in die Prozessoptimierung, stärkt die Ausbildung und profitiert von einem Netzwerk internationaler Partner

Der Welthandel befindet sich in einer Phase tiefgreifender Neujustierung. Einerseits bleiben internationale Beschaffungsmärkte für viele Unternehmen unverzichtbar, andererseits nehmen politische Unsicherheit, schwankende Zollregime und höhere Dokumentationspflichten zu. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die deutschen Exporte im Januar 2026 zwar bei 130,5 Milliarden Euro lagen, gegenüber dem Vormonat aber um 2,3 Prozent zurückgingen – ein Hinweis darauf, wie wechselhaft das außenwirtschaftliche Umfeld derzeit ist.

Internationaler Handel im Umbruch: Mehr Optionen, mehr Unsicherheit

Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch der Berliner Lebensmittelgroßhändler Feddersen. Das Unternehmen mit Sitz in Moabit beliefert unter anderem Gastronomie, Großküchen, Hotels und Handel mit mehr als 4.000 Artikeln. Im Fleischbereich reicht das Angebot unter anderem von Rindfleisch aus Argentinien, Brasilien, Deutschland und Uruguay bis zu Lammfleisch aus Neuseeland. 

„Der internationale Fleischhandel ist in den letzten 20 Jahren deutlich globaler und gleichzeitig komplexer geworden“, sagt Ronny Freytag, Geschäftsführer von Feddersen. Früher seien viele Produkte eher regional und innerhalb Europas gehandelt worden, heute seien internationale Lieferketten selbstverständlich und Voraussetzung für die Produktwünsche der Kundinnen und Kunden. 

 

Feddersen-Geschäftsführer Ronny Freytag
Das Mercosur-Abkommen könnte den Handel zwischen Europa und Südamerika deutlich erleichtern. Für unsere Branche bedeutet das einfachere Beschaffungsmöglichkeiten, aber auch mehr Wettbewerb.“
Ronny Freytag Geschäftsführer Feddersen

Fleischgroßhändler Feddersen: Globalisierung ist Alltag geworden

Feddersen setzt hier auf Kommunikation, Vertrauen und persönliche Netzwerke. „Gerade im Fleischhandel spielen Rückverfolgbarkeit, Zertifizierung und Qualitätsstandards eine zentrale Rolle“, so Ronny Freytag. Digitale Systeme hätten den Austausch weltweit vereinfacht, doch der persönliche Kontakt – etwa auf Leitmessen wie der Internorga und der Anuga – bleibe entscheidend, um belastbare Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

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Mercosur: große Marktchance, sensible Debatte

Für Unternehmen mit internationalen Beschaffungs- und Absatzinteressen ist das EU-Mercosur-Abkommen deshalb von besonderer Relevanz. Nach Angaben der Europäischen Kommission entsteht damit eine Handelszone von insgesamt rund 700 Millionen Menschen.

Handelszone Mercosur
700
Millionen
Menschen leben im Mecorsur-Raum.
EU-BIP-Effekt
77,6
Milliarden Euro
Zusätzlichen EU-BIP-Effekt werden vom Mercosur-Abkommen bis 2040 erwartet.

Die Kommission erwartet bis 2040 einen zusätzlichen EU-BIP-Effekt von mehr als 77,6 Milliarden Euro, einen Anstieg der EU-Exporte um bis zu 50 Milliarden Euro Einsparungen von mehr als 4 Milliarden Euro pro Jahr durch wegfallende Zölle. Die vorläufige Anwendung des Interims-Handelsabkommens soll ab dem 1. Mai 2026 beginnen.

„Das Mercosur-Abkommen könnte den Handel zwischen Europa und Südamerika deutlich erleichtern. Für unsere Branche bedeutet das einerseits einfachere Beschaffungsmöglichkeiten, andererseits aber auch mehr Wettbewerb. Nur unter fairen Bedingungen kann ein solches Abkommen für beide Seiten langfristig erfolgreich sein,“ so Freytag. Entscheidend sei, dass europäische Standards bei Qualität und Lebensmittelsicherheit verbindlich blieben.

Gruppe von Feddersen-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Feddersen-Team mit Geschäftsführer Ronny Freytag (r.): Das Unternehmen beschäftigt knapp 70 Mitarbeitende, darunter vier bis sechs Azubis

Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor

Das Berliner Unternehmen reagiert auf geopolitische Spannungen und volatile Energiepreise mit umsichtiger Planung. „Ein wichtiger Faktor zur Absicherung unserer Lieferketten ist die breite Aufstellung unserer Bezugsquellen und langfristigen Partner in verschiedenen Regionen“, erklärt der Geschäftsführer.

Hinzu kommt die operative Widerstandsfähigkeit am Standort Berlin. Feddersen beschäftigt rund 70 Mitarbeitende, darunter vier bis sechs Auszubildende. „Der Fachkräfte- und Azubimangel ist auch für uns spürbar. Daher legen wir großen Fokus auf die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte,“ sagt Freytag. 

Gelagert wird auf rund 3.500 Quadratmetern Gesamtfläche mit Tiefkühl-, Frische- und Trockenlagerbereichen. „Steigende Energiekosten stellen eine Herausforderung dar. Diese können wir nur teilweise an den Markt weitergeben, da wir uns in einem sehr preissensiblen und wettbewerbsintensiven Umfeld bewegen,“ so Freytag. „Für uns als mittelständisches Unternehmen liegt der Fokus vor allem darauf, wirtschaftlich stabil und wettbewerbsfähig zu bleiben. Effiziente Prozesse, verlässliche Lieferketten und eine solide Kostenstruktur sind dafür entscheidend.“