Stadtentwicklung

Für mehr Wohnungen: Berliner Wirtschaft fordert praxistaugliche Bau-Standards

Das Land Berlin hat in den vergangenen zehn Jahren fast 49.000 Wohnungen angekauft und rund 43.000 neu gebaut - damit konnte ein 2016 aufgestelltes Ziel von 400.000 Wohnungen in Landeseigentum erreicht werden. Aus Sicht der Berliner Wirtschaft zeigt die Bilanz aber: Allein mit öffentlichen Wohnungsunternehmen lässt sich der Wohnraumbedarf Berlins nicht decken. Entscheidend sei, dass die Rahmenbedingungen für Wohnungsbau deutlich verbessert und praxistaugliche Standards im Artenschutz entwickelt werden.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner

Berlin braucht eine Neubauoffensive mit öffentlichen, privaten und genossenschaftlichen Akteuren, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner.

Was bremst den Wohnungsbau und welche Rahmenbedingungen sind jetzt wichtig?

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit Wohnraum, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner, aber der massive Bedarf an Wohnungen könne ohne die privaten und genossenschaftlichen Akteure nicht gedeckt werden. „Diese können aber nur bauen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören planbare Verfahren, schnellere Genehmigungen, niedrigere Bau und Baunebenkosten sowie ein konstruktiverer Umgang mit dem Thema Artenschutz.

Wie gelingt die Abwägung zwischen Artenschutz und dringend benötigtem Wohnraum?

Aktuell würden ganze Stadtquartiere mit tausenden dringend benötigten Wohnungen wegen Artenschutzvorgaben nicht realisiert, führt Manja Schreiner aus, “hier läuft ein grundsätzlich wichtiges Anliegen definitiv aus dem Ruder.” Es brauche daher einen Artenschutz, der ökologisch sinnvoll ist, aber auch das öffentliche Interesse am Bauen berücksichtigt. Aus Sicht der IHK Berlin gehört dazu eine frühzeitige, standardisierte Artenschutzprüfung und verbindliche Fristen für Entscheidungen der Behörden

Warum Enteignungen oder Vergesellschaftungen keine Lösung sind

Für die Berliner Wirtschaft ist klar: Wer Wohnraum schafft, braucht Verlässlichkeit und Investitionssicherheit. Gedankenspiele zu Enteignungen oder Vergesellschaftungen seien das Gegenteil von Sicherheit und würden diejenigen verprellen, die bauen wollen, und die öffentlichen Haushalte auf Jahrzehnte dramatisch belasten, fasst IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner zusammen: "Berlin braucht keinen Verteilungsdiskurs, sondern eine konsequente Neubauoffensive mit öffentlichen, privaten und genossenschaftlichen Akteuren.“  

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Sabine Hölper