Nachfolge in der Familie

Wie Lucas Fichter das Familienunternehmen Physiopark transformiert

Anbieter von Physiotherapien stehen vor verschiedenen Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Fixkosten und kaum Aussichten auf mehr Profitabilität. Als Lucas Fichter in die Geschäftsführung des Familienunternehmens Physiopark Berlin einstieg, setzte er seine Erfahrung aus der Unternehmensberatung ein. Was der Wilmersdorfer Mittelständler anders macht, erzählt er im Gespräch.

Regina Fichter, Arturo Fichter-Seefeld und Lucas Fichter, Geschäftsführer der Physiopark Berlin GmbH

Die Führung des Unternehmens bleibt in der Familie Fichter

Die Physiopark Berlin GmbH ist ein Berliner Familienunternehmen mit 40 Mitarbeitenden, das vor Kurzem sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat. Neben dem promovierten Wirtschaftspsychologen Lucas Fichter leiten seine Eltern Arturo Fichter-Seefeld und Regina Fichter das Geschäft. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Die Physiotherapeutin Fichter bringt die fachliche Expertise ein, während Vater und Sohn den Fokus auf Wirtschaftlichkeit setzen.

Wie sich ein Traditionsunternehmen modernisiert

Das Problem vieler Selbstständiger in der Gesundheitswirtschaft ist, dass sie weniger auf das Wirtschaftliche achten. Für die Fichters war hingegen schnell klar, dass sie ein Unternehmen führen und es unternehmerisch aufstellen müssen. Der erste fundamentale Entwicklungsschritt bestand darin, Kooperationen mit Pflegeheimen einzugehen, um dort die Behandlungen anzubieten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Physiotherapien werden von Ärztinnen und Ärzten verschrieben und mit den Krankenkassen nach festen Sätzen abgerechnet, also besteht kein Spielraum bei der Preisgestaltung. Man kann lediglich die Ressourcen, sprich: die Arbeit der Physiotherapeuten, effizienter organisieren. Und genau das ist das Steckenpferd von Lucas Fichter. 

Fachkräfte im Fokus

Das Familienunternehmen setzt einen Fokus auf Mitarbeitende: Physiotherapeutinnen und Ergotherapeuten. In einem hochkompetitiven Umfeld - "Unsere Fachkräfte könnten jederzeit auf der anderen Straßenseite einen neuen Job finden") müssen Arbeitsumfeld und Rahmenbedingungen stimmen. Physiopark akzeptiert nicht nur viele Arbeitszeitmodelle, sondern gestaltet auch Einsatzorte nach Wunsch der Mitarbeitenden und beschäftigt sogar eigene Fahrer, um die Arbeitszeit möglichst effizient zu gestalten.

Eine junge Frau im grünen Poloshirt massiert einen Patienten

Die Behandlung findet in firmeneigenen Studios und vor Ort in Häusern und Einrichtungen statt

Bei der Rekrutierung geht Physiopark Berlin viele Wege: von Stellenportalen, über persönliche Empfehlungen bis zur Anwerbung im Ausland. Zuletzt wurde etwa ein Physiotherapeut aus Spanien angeworben, das Team ist sehr international aufgestellt. Die Probleme sind dabei ähnlich gelagert wie in vielen anderen Branchen: Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland ist ein langwieriges Verfahren und bereist eingewanderte Fachkräfte finden keine bezahlbare Wohnung in Berlin. Das Unternehmen stellt deswegen eigens angemietete Apartments vorübergehend zur Verfügung und wäre sogar bereit, Beschäftigtenwohnen anzubieten.  

Höhen und Tiefen der Nachfolge in der Familie

Arturo Fichter-Seefeld freut sich, dass der jüngere Sohn die Nachfolge im Unternehmen antritt. Diskussionen über die Ausrichtung des Unternehmens gibt es kaum, auch wenn der “Senior” augenzwinkernd zugibt, den Lieblingsbegriff des Sohnes “Skalierung” nicht mehr hören zu können. Sie beide sehen ihren Schwerpunkt in der effizienten Organisation der Firma, bei Marketing und Kommunikation hat Lucas Fichter das Sagen. 

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Wie es ist, loszulassen und das Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben? Arturo Fichter-Seefeld gibt zu: nicht immer einfach. Mit 74 macht ihm die Arbeit weiterhin Spaß. Aber er sieht es auch als Erfolg, einen Betrieb, an dem ihm so sehr liegt, in der Familie weiterzugeben.