Drohnen im Dual Use-Einsatz

Wie der Berliner Drohnenhersteller Promethion Verteidigung neu denkt

Kasimir von Finck gründete sein DefTech-Startup vor fünf Jahren, seitdem hat sich alles verändert. Militärische Konflikte und der verstärkte Einsatz von KI erforderten eine Neupositionierung von Promethion. Die Drohnen des Berliner Entwicklers helfen, eine moderne Verteidigungsindustrie zu gestalten.

Christian Buck
Kasimir von Finck vom Drohnenhersteller Promethion

Kasimir von Finck vom Drohnenhersteller Promethion

Für Kasimir von Finck kam der Wendepunkt im Februar 2022. Als russische Panzer in Richtung Kiew rollten, überdachte der Gründer sein bisheriges Geschäftsmodell fundamental. Bis dahin hatte sich sein Start-up auf zivile maritime Überwachung konzentriert – etwa auf die Inspektion von Offshore-Windparks oder das Aufspüren von Tankern, die illegal Öl ablassen. Der Kriegsbeginn veränderte die Perspektive schlagartig. „Wir wollten Systeme entwickeln, die Bedrohungen abfangen und neutralisieren – nicht selbst als Angriffswaffe eingesetzt werden“, erinnert sich von Finck an den entscheidenden Moment. 

Zur Anmeldung

IHK-Veranstaltung zu Sicherheit und ­Verteidigung

Am 27. April bringt die IHK Berlin Unternehmen, Politik und Bundeswehr im Ludwig Erhard Haus zusammen. Bei der Veranstaltung wird diskutiert, wie die Hauptstadt ihre technologische Stärke noch gezielter für Resilienz und Verteidigungsfähigkeit einsetzen kann. Vorgestellt werden innovative Berliner Lösungen aus Bereichen wie KI, Cyber-Security und Raumfahrt.

KI für die moderne Verteidigungsindustrie

Daraus entstand die Idee zu Promethion – einem technologiegetriebenen Unternehmen, das autonome Aufklärungs- und Abwehrsysteme für die moderne Verteidigung entwickelt. Ein technologisches Alleinstellungsmerkmal der Berliner ist die Wiederverwendbarkeit der Systeme. Während im Ukraine-Krieg massenhaft Einweg-Kamikaze-Drohnen eingesetzt werden, geht Promethion einen ganz anderen Weg. Das Unternehmen baut Spezialdrohnen, die autonom ins Kampfgebiet fliegen, dort selbstständig Bedrohungen wie andere Drohnen oder Gleitbomben erkennen und sie dann nach der Freigabe durch einen Menschen zum Absturz bringen – ohne selbst dabei zerstört zu werden. Anders als Einwegdrohnen sind die Promethion-Systeme darauf ausgelegt, nach dem Einsatz zur Basis zurückzukehren und erneut eingesetzt zu werden.

Eine zentrale Rolle bei den Einsätzen spielt künstliche Intelligenz für die Flugsteuerung. Hier kommt das zweite Alleinstellungsmerkmal von Promethion ins Spiel: Die Drohnen-KI wird in hochkomplexen Simulationen mit synthetischen Daten trainiert. Das macht die Systeme unabhängig von externen Datensätzen – und die Entscheidungswege der KI lückenlos nachvollziehbar.

Eigenständig bei Entwicklung und Finanzierung

Promethion operiert bereits in einem realen Konflikt: Das Start-up befindet sich im engen Austausch mit Einheiten in der Ukraine. Was in traditionellen Rüstungskonzernen oft Jahre dauert, passiert bei Promethion im Zeitraffer: Erkenntnisse vom Gefechtsfeld fließen direkt in die Forschung und Entwicklung ein.

Hinter diesem Tempo steht ein hochgradig vernetztes Team. Das Unternehmen betreibt sein Entwicklungslabor auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel. Finanziell musste von Finck, der in München Finanzen, Marketing und Ethik studierte und sich die Technik autodidaktisch aneignete, unkonventionelle Wege gehen. Da zahlreiche Venture-Capital-Fonds nicht in den Verteidigungssektor investieren wollten, lief Promethion dreieinhalb Jahre im Bootstrapping-Modus, wuchs also organisch aus eigener Kraft. Hinzu kam die Unterstützung einiger deutscher Business Angels.

Business Angel Jens Lapinski: „Berlin ist die Software-Stadt“
Foto von Jens Lapinski von Angel Invest
Start-ups Business Angel Jens Lapinski: „Berlin ist die Software-Stadt“
Lesezeit: 3 Minuten
Michael Gneuss
Berliner Volksbank startet Venture Fonds
Investmentfond Berliner Volksbank startet Venture Fonds
Lesezeit: 1 Minute

Der Berliner Hauptsitz ist strategisch bewusst gewählt. Die Nähe zur Bundesregierung, zu Ministerien und internationalen Botschaften ist für den Netzwerkaufbau äußerst wertvoll. Dennoch sieht von Finck im Berliner DefTech-Ökosystem noch strukturellen Nachholbedarf. Berlin verfügt bislang kaum über Infrastruktur, die den Sicherheitsanforderungen moderner Verteidigungs-Start-ups entspricht. Besonders drängend sei zudem das Raumproblem: „Autonome Drohnen lassen sich nicht über dem städtischen Raum testen. Denn anders als Softwareunternehmen benötigen Robotik-Start-ups physische Testumgebungen. Wir brauchen dringend dedizierte Flächen, wo Start-ups und die Bundeswehr unbürokratisch und gemeinsam hochiterativ und regional testen können, das hätten wir mit dem Flughafen Tegel“, so der Gründer.

Für die nächsten Schritte blickt man bei Promethion über die Stadtgrenzen hinaus. Geplant ist eine Fabrikationshalle samt Testgelände im Umland. Gelingt das, könnte Berlin-Brandenburg zu einem der wichtigsten Standorte für autonome Verteidigungsrobotik in Europa werden.

Positionspapier: Innovativ. Vernetzt. Verantwortungsvoll

Mit einem Positionspapier zum Defence-Standort legt die IHK Berlin 25 Handlungsempfehlungen vor, wie die Hauptstadt ihren Beitrag zu Deutschlands Resilienz und Verteidigungsfähigkeit stärken kann. Ein zentrales Element dafür ist der Aufbau eines „TechHub SVI Ost“. Darüber sollen Berlin und die ostdeutschen Bundesländer ihre technologische Stärke – etwa in KI, Robotik, Cyber-Security oder industrieller Fertigung – enger mit den Innovations‑, Bedarfs‑ und Beschaffungsstrukturen von Bundeswehr und Sicherheitsakteuren verzahnen. Das Papier wurde unter Federführung des IHK-Themenausschusses „Innovative und wissensgetriebene Stadt“ erarbeitet. Zudem wurden konkrete Bedarfe und Maßnahmen im Austausch mit Industrieunternehmen und Start-ups aus dem Defence-Bereich diskutiert.