DefenseTech

Mit Open-Source-­Software kritische ­Infrastrukturen schützen

Leonard Wessendorff kennt beide Welten, die der Technologie und der Verteidigung. Er gründete Project Q, um moderne und resiliente Software-Lösungen zu entwickeln. Im Aufbau des Berliner Defence-Tech-Ökosystems sieht er große Chancen für sein Unternehmen und weitere Gründungen.

Leonard Wessendorff, Geschäftsführer von Project Q

Leonard Wessendorff, Geschäftsführer des Start-ups Project Q

Russlands Angriff auf die Ukraine veränderte vieles – auch die Karriereplanung von Leonard Wessendorff, Geschäftsführer des Start-ups Project Q. Der Reservist, seit Jahren in der Verteidigungsbranche tätig, sah akuten Handlungsbedarf. Gemeinsam mit Chief Operating Officer Philipp Bartkowski gründete er 2024 sein Unternehmen. Das ehrgeizige Ziel: den Schutz kritischer Infrastrukturen auf ein neues technisches Level heben.

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Mehr Resilienz dank Open-Source-Plattform

Das Kerngeschäft liegt in der Entwicklung modularer Sensor- und Aufklärungslösungen, vor allem für Streitkräfte, Sicherheitsbehörden und andere Betreiber entsprechender Infrastrukturen. Das Alleinstellungsmerkmal von Project Q ist „Hydris“, ein sogenannter Orchestration Layer – eine übergeordnete Software-Schicht, die verschiedenste Fähigkeiten und Hardware-Sensoren vernetzt. Die Besonderheit: Hydris ist eine Open-Source-Plattform. „Wir befähigen den Nutzer, modular sein eigenes System zu gestalten und damit jederzeit auf eine sich ändernde Bedrohungslage reagieren zu können“, erklärt Wessendorff. „Der kontinuierliche Austausch mit der Bundeswehr sowie die Erfahrungen aus der Ukraine haben die Entwicklung unserer Lösungen entscheidend geprägt.“

Zur Anmeldung

IHK-Veranstaltung zu Sicherheit und ­Verteidigung

Am 27. April bringt die IHK Berlin Unternehmen, Politik und Bundeswehr im Ludwig Erhard Haus zusammen. Bei der Veranstaltung wird diskutiert, wie die Hauptstadt ihre technologische Stärke noch gezielter für Resilienz und Verteidigungsfähigkeit einsetzen kann. Vorgestellt werden innovative Berliner Lösungen aus Bereichen wie KI, Cyber-Security und Raumfahrt.

Hydris ist bereits im operativen Einsatz, einzelne Systeme wurden bei Kunden ausgerollt. Zudem wird die Sensorik derzeit live auf dem Testbed in der Tegeler Urban Tech Republic betrieben. Dort intensiviert das Start-up seine Entwicklungsaktivitäten, denn die nächsten Meilensteine stehen fest: Noch vor dem Sommer ist ein größeres Software-Release geplant. Project Q ist fremdfinanziert und schloss 2025 eine Seed-Finanzierungsrunde über 7,5 Mio. Euro ab – getragen ausschließlich von europäischen Investoren.

Positionspapier: Innovativ. Vernetzt. Verantwortungsvoll

Mit einem Positionspapier zum Defence-Standort legt die IHK Berlin 25 Handlungsempfehlungen vor, wie die Hauptstadt ihren Beitrag zu Deutschlands Resilienz und Verteidigungsfähigkeit stärken kann. Ein zentrales Element dafür ist der Aufbau eines „TechHub SVI Ost“. Darüber sollen Berlin und die ostdeutschen Bundesländer ihre technologische Stärke – etwa in KI, Robotik, Cyber-Security oder industrieller Fertigung – enger mit den Innovations‑, Bedarfs‑ und Beschaffungsstrukturen von Bundeswehr und Sicherheitsakteuren verzahnen. Das Papier wurde unter Federführung des IHK-Themenausschusses „Innovative und wissensgetriebene Stadt“ erarbeitet. Zudem wurden konkrete Bedarfe und Maßnahmen im Austausch mit Industrieunternehmen und Start-ups aus dem Defence-Bereich diskutiert.

Nirgendwo sonst in Deutschland haben wir geballt so viel schützenswerte Infrastruktur.“
Leonard Wessendorff Geschäftsführer und einer der zwei Gründer von Project Q

Berlin bietet ein ideales Umfeld mit kurzen Wegen zu politischen Entscheidern und Ministerien sowie einem hervorragenden Investoren- und Partnernetzwerk. „Außerdem ist Berlin für unsere Lösungen ein wichtiger Gradmesser. Nirgendwo sonst in Deutschland haben wir geballt so viel schützenswerte Infrastruktur“, betont Wessendorff. Das lokale Defence-Tech-Ökosystem entwickele sich mit beeindruckender Dynamik. Er lobt die Kombination von Innovationskultur und wachsendem politischem Willen, die Branche als Wirtschaftsmotor zu begreifen: „Der Aufbau eines DefTech-Ökosystems kann dazu beitragen, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, und hoffentlich künftige Gründer ermutigen, sich bewusst für den Standort zu entscheiden.“