Stadtentwicklung

Berlins Brücken im Fokus: Masterplan soll Infrastruktur fit für die Zukunft machen

Berlin steht vor einer gewaltigen Infrastrukturaufgabe: Zahlreiche Brücken sind marode und müssen in den kommenden Jahren saniert oder komplett neu gebaut werden. Ein vom Senat beschlossener Masterplan soll die dringend notwendigen Maßnahmen koordinieren und die Mobilität in der Hauptstadt sichern.

Von: Holger Lunau
Fabian Nestler
Zu sehen ist eine Brücke auf rotem Backstein, unter ihr fließt ein Fluss. Es handelt sich um die Oberbaumbrücke in Berlin, welche über die Spree führt.

Brücken sind Grundlage eines funktionierenden Wirtschaftsverkehrs in Berlin – der Senat nimmt sie nun systematisch in den Fokus

Masterplan Brückenbau: 175 Neubauten bis 2040 geplant

Die Situation in Berlin ist komplex. In den kommenden Jahren stehen grundlegende bauliche Maßnahmen an.

Laut dem Masterplan Brücken 2025–2040 der Senatsverkehrsverwaltung sollen in den nächsten 15 Jahren:

  • 175 marode Brücken abgerissen und neu gebaut sowie
  • 125 weitere Brücken umfassend saniert werden

Der Masterplan basiert auf einer umfassenden Bestandsanalyse und definiert zehn Handlungsfelder mit insgesamt 54 Maßnahmen, um den Zustand der Brücken langfristig zu verbessern.

Etwa ein Drittel der Berliner Brücken müssen zeitnah erneuert werden.

Berlin: Stadt der Brücken mit wachsendem Sanierungsbedarf

Berlin ist eine Stadt der Brücken. Sie verbinden Straßen, Flüsse und Schienen, prägen das Stadtbild und gelten als bedeutende Beispiele moderner und historischer Ingenieurbaukunst. Von der Oberbaumbrücke bis zu den Bauwerken rund um den Spreebogen: Jede Brücke erfüllt eine zentrale Funktion für Verkehr, Versorgung und Logistik.

Mit aktuell 1.047 Brückenbauwerken verfügt Berlin über mehr als doppelt so viele Brücken wie Venedig (rund 400). Doch der Vergleich zeigt auch: Beide Städte kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen. Viele Brücken sind in die Jahre gekommen und weisen erhebliche Mängel auf.

Stadt der Brücken: Ganze 1.047 Brücken finden sich in der Hauptstadt - mehr als doppelt so viele wie in Venedig

Finanzierung der Brückensanierung: 1,84 Milliarden Euro veranschlagt

Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landes Berlin stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Laut Masterplan werden die Investitionskosten auf rund 1,84 Milliarden Euro geschätzt.

Zur Umsetzung sollen:

  • Mittel aus dem Landeshaushalt (u. a. Doppelhaushalt 2026/2027)
  • Förderprogramme von Bund und EU
  • sowie öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP-Modelle)

genutzt und weiter ausgebaut werden.

IHK Berlin fordert Prioritäten und schnellere Verfahren

Die IHK Berlin war nicht direkt an der Erstellung des Masterplans beteiligt, bewertet die Initiative des Senats jedoch grundsätzlich positiv.

„Es ist ein Fortschritt, dass die Defizite klar benannt wurden“, erklärt Verkehrsexperte Dr. Lutz Kaden. Entscheidend sei nun, klare Prioritäten beim Brückenneubau zu setzen und Planungs- sowie Bauprozesse deutlich zu beschleunigen.

Aus Sicht der Wirtschaft ist besonders wichtig, dass der Wirtschaftsverkehr jederzeit gewährleistet bleibt, um die Funktionsfähigkeit der Hauptstadt nicht zu gefährden.

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt beschreibt zehn Handlungsfelder des Masterplan Brücken 2025-2040.

Zu den zentralen Handlungsfeldern des Masterplans gehört der Abbau bürokratischer Hürden. Ziel ist es, Vergabe- und Genehmigungsverfahren effizienter zu gestalten.

Geplante Maßnahmen umfassen unter anderem:

  • Optimierung der Vergabeplattform des Landes Berlin
  • Bündelung von Genehmigungsverfahren
  • Neuordnung von Zuständigkeiten (z. B. Straßenentwässerung und Ingenieurgeodäsie)

Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung der Bauprozesse. Dazu zählen:

  • Einführung digitaler Planungs- und Prüfverfahren
  • Nutzung von E-Akten, E-Signaturen und E-Siegeln
  • Einsatz von Building Information Modeling (BIM)
  • Digitale Projektkommunikation

Effizientere Zusammenarbeit und neue Bauprozesse

Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen, Bauherren und externen Partnern verbessert werden. Vorgesehen sind:

  • Partnerschaftliche Planungs- und Bauprozesse
  • Neue Vertragsmodelle
  • Rahmenvereinbarungen mit Versorgungsunternehmen

Auch die Projektabwicklung soll effizienter werden. Geplant sind unter anderem:

  • Korridor- und streckenbezogene Projektstrategien
  • Fokus auf die Kernaufgabe Brückenbau
  • Standardisierung von Bauweisen und Konstruktionen
  • Einsatz innovativer und modularer Bauverfahren

Ergänzend ist ein zentrales Verkehrs- und Baustellenmanagement vorgesehen, inklusive Leitbaustellen und temporärer Vollsperrungen während Neubauphasen.

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