Jahreskongress Berufliche Bildung 2026

Bob Hanning im Interview: „Ich akzeptiere um mich herum ausschließlich Leute, die in ihren Bereichen besser sind als ich“

Gute Führung braucht es sowohl im Spitzensport als auch in Unternehmen, findet Handballtrainer Bob Hanning. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Füchse Berlin.

Von: Aaron Baumgart
Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin

Speaker auf dem jakobb Berlin 2026: Bob Hanning ist Geschäftsführer der Füchse Berlin und Trainer der italienischen Handball Nationalmannschaft

Herr Hanning, Sie arbeiten seit Jahrzehnten mit jungen Talenten. Was fasziniert Sie bis heute daran, junge Menschen zu unterstützen?

Es ist schön, Menschen aufwachsen zu sehen, ihnen Werte zu vermitteln und sie mit diesen Werten ins Profileben oder in den Beruf zu entlassen. Die größte Motivation besteht für mich darin, junge Menschen ganzheitlich auszubilden.

Stichwort Motivation: Derzeit drehen sich viele Debatten um die Arbeitsmoral der Generation Z. Gibt es aus Ihrer Sicht ein Generationsproblem?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist eher ein Führungsproblem. Nicht die jungen Menschen sind überwiegend schuld, sondern die, die sie erziehen und prägen.

Wie lassen sich junge Menschen und Nachwuchskräfte wirklich nachhaltig motivieren?

Über Klarheit, Wahrheit und Perspektive. Man muss mit jungen Menschen sprechen. Man muss ihnen Perspektiven aufzeigen und deutlich machen, was aus ihnen werden kann, wenn sie bestimmte Wege einschlagen. Und man muss klar sagen, was geht – und was nicht. Das sind für mich die wesentlichen Faktoren erfolgreicher Führung.

Bob Hanning: Highlight-Speaker auf dem jakobb

Am 29. und 30. April 2026 findet der Jahreskongress Berufliche Bildung (jakobb) erstmals in Berlin statt. Gemeinsam mit dem Christiani Ausbildertag lädt der Kongress in den Räumen der IHK Berlin Ausbildende, Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulträger dazu ein, über die Zukunft der dualen Ausbildung zu diskutieren und Beispiele aus der Praxis kennenzulernen. Auch Bob Hanning wird mit einer Keynote zu den Themen Führung, Motivation und Verantwortung auftreten. Mehr Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Sport lehrt Einordnung, Unterordnung, Zeitmanagement, Disziplin und das Arbeiten im Team. Das sind alles Dinge, die Unternehmen ebenfalls brauchen.“
Bob Hanning Handballtrainer & Geschäftsführer der Füchse Berlin
Sie gelten als Freund des ehrlichen Feedbacks. Muss Nachwuchsführung also auch manchmal unangenehm sein?

Das gehört dazu, weil das Leben auch nicht alles schenkt. Wichtig ist, dass Führung erklärbar bleibt. Junge Menschen wollen Regeln – sie wollen Klarheit. Gute Führung bedeutet für mich auch, Menschen selbst im Konflikt einen Weg offenzuhalten. Das mache ich seit 30 Jahren. Deshalb habe ich zu vielen Spielern, die ich lange trainiert habe, bis heute Kontakt – oft über Jahrzehnte hinweg. Das ist nicht immer konfliktfrei. Aber ein Konflikt bedeutet ja nicht, dass man den Menschen nicht respektiert.

Bob Hanning bei einem Sportevent

Seit Januar 2025 trainiert Hanning die italienische Nationalmannschaft und in Berlin zusätzlich die A-Jugend der Füchse

Sollten Führungskräfte das beste Vorbild für ihren Nachwuchs sein?

Führung funktioniert sehr gut über Vorbilder. Ich gebe ein Beispiel: Als ich den VfL Potsdam trainiert habe, hatten wir sechs Montagsspiele. Ich kam morgens um 3 Uhr zurück und stand trotzdem um 7.45 Uhr wieder in der Halle für das Jugendtraining. Damit zeigst du allen: Ich tue selbst, was ich von anderen erwarte – und noch mehr.

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Wie kann es Unternehmen gelingen, ihre Nachwuchskräfte an den Betrieb zu binden?

Ich glaube, das kommt oft von selbst. Ich habe in viele Menschen investiert, und viele haben mir später etwas zurückgegeben – durch Hilfestellung, durch Loyalität, durch Verbindung. Jeder Einzelne, der geht, ist ein Botschafter für mich und meine Werte. Er spricht für das Unternehmen. Manche werden später Sponsoren, andere kommen als Trainer oder Spieler zurück. Genau das ist auch unternehmerisch wichtig. 

Was können Ausbilder in Unternehmen sonst noch vom Spitzensport lernen?

Sehr viel. Sport lehrt Einordnung, Unterordnung, Zeitmanagement, Disziplin und das Arbeiten im Team. Das sind alles Dinge, die Unternehmen ebenfalls brauchen.
Viele Menschen fragen mich, warum die Füchse Berlin so erfolgreich sind. Uns würde es heute nicht geben ohne unsere Jugendarbeit. Außerdem akzeptiere ich um mich herum ausschließlich Leute, die in ihren Bereichen besser sind als ich. Das halte ich gut aus, weil es für das Unternehmen wichtig ist. 

Heißt also: Verantwortung an den richtigen Stellen abgeben?

Genau. Die Aufgabe von Führung ist es zuerst einmal, Menschen an die Positionen zu setzen, an die sie gehören und an denen sie einen echten Mehrwert für das Unternehmen schaffen. Entscheidend ist, dass Verantwortung nicht einfach delegiert wird, sondern dass möglichst viele Menschen mitdenken. Unser Unternehmen funktioniert, weil viele Menschen nachdenken – nicht nur einer.