Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Experteninterview nach dem Stromausfall in Berlin

Krisenmanagement für Unternehmen: Für den Ernstfall gewappnet

Der mehrtägige Stromausfall in Berlin hat gezeigt, wie wichtig Krisenmanagement für Unternehmen sein kann. Im Interview erklärt Michael Blaumoser, CEO von Sius Consulting, wie sich Betriebe gegen Notfälle wappnen.

Michael Blaumoser, CEO von Sius Consulting in schwarzem Anzug vor einem grauen Hintergrund

Michael Blaumoser, CEO von Sius Consulting, unterstützt Unternehmen beim Krisenmanagement

Herr Blaumoser, Sie beraten Unternehmen zu den Themen Sicherheit und Krisenmanagement. Der Stromausfall Anfang Januar hat viele Unternehmen überrascht. Sind diese Vorfälle Ausnahmeereignisse oder müssen Berliner Unternehmen künftig häufiger mit solchen Krisen rechnen?

Michael Blaumoser: Vor der Corona-Pandemie galten solche Ereignisse vielfach als Ausnahme. Diese Einschätzung hat sich geändert. In den vergangenen Jahren ist beobachten, dass mutwillig herbeigeführte Störungen und Sabotageakte zunehmen – etwa der Angriff auf die Produktionsanlagen von Tesla im Jahr 2024. 

Inzwischen ist bekannt, wie vergleichsweise einfache Mittel genutzt werden können, um Infrastrukturen erheblich zu stören, etwa durch Eingriffe in Stromnetze oder den Einsatz von Drohnen. 

Blackout - was sollten Unternehmen beachten?

Die IHK Berlin gibt einen Überblick und praktische Hinweise - hier geht's zur Infoseite

Inzwischen ist bekannt, wie vergleichsweise einfache Mittel genutzt werden können, um Infrastrukturen erheblich zu stören, etwa durch Eingriffe in Stromnetze oder den Einsatz von Drohnen.“
Michael Blaumoser CEO Sius Consulting

Welche Maßnahmen sollten jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche, für den Ernstfall vorbereitet haben? Benötigt jeder Betrieb zum Beispiel einen Notstromgenerator?

Bei dieser Frage sollte man nicht sofort in Einzelmaßnahmen einsteigen. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen sich systematisch mit den Kernelementen des Krisenmanagements befassen. Dazu gehören die Vorbereitung inklusive Handbuch, Schulung, Übung und kontinuierliche Optimierung.

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Ein produzierendes Unternehmen, das einen Stromausfall nicht berücksichtigt hat, verliert im Ernstfall schnell seine Handlungsfähigkeit. Erst wenn Prozesse, Zuständigkeiten und Entscheidungswege klar definiert sind, stellt sich die Frage nach konkreten Maßnahmen wie Notstromgeneratoren.

Ebenso wichtig sind regelmäßige Schulungen und Übungen. Krisenmanagement ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess.

Nach einem Notfall ist richtige Krisenkommunikation entscheidend

Abgesehen vom Stromausfall – welche Notfälle unterschätzen Unternehmen derzeit besonders? 

Häufig unterschätzt werden weitere Szenarien – etwa Cyberangriffe, Naturereignisse, Polykrisen mit parallelen Auswirkungen oder vorsätzliche Übergriffe. Gerade bei Cyberangriffen hält sich die Annahme, dass vor allem große Unternehmen betroffen sind. 

Die Statistik zeigt jedoch ein anderes Bild: Die durch Cyberkriminalität verursachten Schäden liegen in Deutschland im dreistelligen Milliardenbereich – und Angreifer unterscheiden nicht nach Unternehmensgröße. 

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Welche Maßnahmen sind hier für Unternehmen sinnvoll? 

Viele Unternehmen verfügen noch immer über keine oder unzureichende Datensicherungen. Geht ein einzelner Laptop verloren oder wird kompromittiert, kann bereits die Arbeit eines Mitarbeitenden verloren sein. Bei größeren Cyberangriffen vervielfacht sich dieser Schaden.

Entscheidend ist, dass IT-Notfallplanung und Krisenmanagement zusammengedacht werden. Cyberrisiken sind kein reines IT-Thema, sondern betreffen technische, strategische und kommunikative Entscheidungen. Im Ereignisfall kann eine Software-Landkarte helfen, Abhängigkeiten und kritische Prozesse schnell zu erfassen.

Verluste
202 Milliarden
Euro
verlieren deutsche Unternehmen jährlich durch Cyberkriminalität.
Angriffe
73 Prozent
aller deutschen Unternehmen waren von digitaler Sabotage betroffen oder vermutlich betroffen.

Wo liegen im Ernstfall die Herausforderungen in der Kommunikation, wenn es um Krisenmanagement für Unternehmen geht?

Kommunikation ist im Krisenfall ein zentraler Erfolgsfaktor, scheitert jedoch häufig bereits an grundlegenden Vorbereitungen. Ohne ein Notfall- und Krisenhandbuch weiß im Ernstfall niemand, wer erreichbar ist, welche Zielgruppen informiert werden müssen, über welche Kanäle kommuniziert wird und wer welche Verantwortung trägt. Auch der Versuch, Vorfälle zu verheimlichen, funktioniert heute nicht mehr. Wer nicht aktiv kommuniziert, verliert die Deutungshoheit. 

Brandschutzübung in einem Unternehmen mit Feuerlöscher

Damit Krisenmanagement in Unternehmen funktioniert, müssen Notfallszenarien regelmäßig geübt werden

Krisenmanagement im Unternehmen: Die Belegschaft wird oft vergessen

Was sollten Führungskräfte in Krisen konkret tun, um Orientierung zu geben?

Entscheidend ist zunächst, Ruhe zu bewahren und Präsenz zu zeigen. Führung in der Krise bedeutet, sichtbar zu sein – vergleichbar mit einem Kapitän, der das Schiff nicht verlässt. Von hybrider oder rein virtueller Krisenstabsarbeit halte ich wenig. 

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Ohne Vorbereitung bleibt Kommunikation dem Zufall überlassen – und genau daran scheitert sie im Ernstfall am häufigsten.“
Michael Blaumoser CEO Sius Consulting

Welche Rolle spielen Mitarbeitende im Krisenmanegement?

Mitarbeitende sind in der Krise oft entscheidender als Führungskräfte.Beim Berliner Stromausfall waren es die Mitarbeitenden, die vor Ort die Kabel repariert und die Versorgung wiederhergestellt haben.

Gleichzeitig wird die Belegschaft im Krisenmanagement häufig vergessen. Ein funktionierendes System reicht nicht aus, wenn Mitarbeitende nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Dazu gehören klare Anweisungen und verbindliche Sprachregelungen. In einer Krise gelten andere Spielregeln als im Alltag.

Wenn Berliner Unternehmen aus dem Stromausfall nur eine Lehre ziehen sollten – welche wäre das?

Prävention, ganz klar. Prävention mag im Alltag nicht besonders spannend sein, ist aber entscheidend. Wir werden in Deutschland nicht jede Leitung und jedes Umspannwerk schützen können. Wer Krisen beherrscht, sie geübt und verinnerlicht hat, bleibt im Ernstfall handlungsfähig oder gewinnt diese Fähigkeit schnell zurück.