Internationaler Handel

Wie der Iran Krieg die Berliner Wirtschaft unter Druck setzt

Steigende Energiepreise, teurere Transporte, unsichere Lieferketten: Der Krieg im Iran belastet nicht nur die internationale Wirtschaft, sondern auch Unternehmen in Berlin. Was bedeutet das für den Berliner Mittelstand?

Von: Aaron Baumgart
Ein Containerschiff im Ozean

Der Iran-Krieg belastet die Wirtschaft und Berliner Unternehmen

  • Wirtschaftliche Unsicherheit: Der Krieg im Iran führet in Deutschland zu steigenden Energie- und Logistikkosten
  • Unsichere Lieferketten: Die Aufrechterhaltung von Handelsrouten wird für Unternehmen zum Balanceakt
  • Planungssicherheit: Wirtschaftspolitische Schwankungen sind besonders für KMU eine Belastung

Der Iran-Krieg hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft in Berlin und ganz Deutschland. Zwar ist die direkte Abhängigkeit der Bundesrepublik von Importen durch die Straße von Hormus begrenzt, dennoch warnt die Deutsche Industrie- und Handelskammer vor spürbaren Folgen für Unternehmen. Diese zeigen sich vor allem in steigenden Energiepreisen, höheren Logistikkosten und neuen Risiken entlang globaler Lieferketten.

Trotz derzeitiger Waffenruhe bleibt die Lage im Nahen Osten instabil: Unsicherheit, Umwege und Verzögerungen reichen aus, um Unternehmen erheblich zu belasten. Denn auch ein dienstleistungsgeprägter Standort wie Berlin ist auf funktionierende Warenströme, verlässliche Logistik und kalkulierbare Energiepreise angewiesen.

Wie konkret sich diese Entwicklung im Unternehmensalltag niederschlägt, berichten die Harb Trading & Contracting GmbH sowie die Martin Internationale Spedition GmbH. Harb arbeitet als Importeur mit direktem Zugang zu Produzenten im Libanon, während die Spedition Martin Waren auf der ganzen Welt bewegt. Beide arbeiten damit in einem Marktumfeld, das durch die Eskalation in der Region besonders sensibel geworden ist.

Logistikrouten werden zur Herausforderung

Oliver Harb beschreibt die Lage deutlich: „Die Situation ist anspruchsvoll und verlangt ein hohes Maß an Flexibilität und enger Abstimmung mit unseren Partnern vor Ort.“ Nicht die Produktion selbst sei derzeit das größte Problem, sondern unsichere und gestörte Logistikrouten. „Planungssicherheit ist derzeit die größte Herausforderung“, sagt Harb, der das Unternehmen gemeinsam mit seinen zwei Schwestern vom Vater Adib Harb übernommen hat.

Porträt von Alfred Martin
Die Transportkosten sind seit Beginn des Konflikts spürbar gestiegen. Im Schnitt sprechen wir von etwa 30 bis 40 Prozent.“
Alfred Martin Strategic Logistics Advisor Martin Internationale Spedition GmbH

Konflikt sorgt für Kostenerhöhung auf allen Ebenen

Hinzu kommt eine deutliche Kostensteigerung entlang der Lieferketten. „Die Seefrachtpreise sind deutlich gestiegen, Versicherungen für bestimmte Routen wurden spürbar teurer“, sagt Harb. Zusätzlich belasteten stark gestiegene Energiekosten, insbesondere beim Diesel, die innerdeutsche Logistik

Das bestätigt auch Alfred Martin, Strategic Logistics Advisor der Spedition Martin: „Die Transportkosten sind seit Beginn des Konflikts spürbar gestiegen. Im Schnitt sprechen wir von etwa 30 bis 40 Prozent mehr, je nach Strecke.“

Alternative Handelsrouten sind laut Harb zwar grundsätzlich möglich, doch nicht immer rentabel. Schlussendlich seien sie jedoch meist mit höheren Kosten oder längeren Laufzeiten verbunden. „Alternative Routen bedeuten steigende Preise oder verlängerte Lieferzeiten – häufig beides“, so Harb.  

Porträt von Oliver Harb
Gerade für mittelständische Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, diese Schwankungen wirtschaftlich aufzufangen.“
Oliver Harb Geschäftsführer Harb Trading & Contracting GmbH

„Seit Beginn des Konflikts sehen wir deutlich mehr Transporte auf dem Landweg“, berichtet Martin. „Viele Waren gehen aktuell aus der EU per Lkw in die Türkei, werden dort umgeladen und dann weiter in Länder wie Kuwait, Katar oder Saudi-Arabien geschickt. Klassische Routen funktionieren teilweise nicht mehr, deshalb weichen viele auf diese Lösung aus.“

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Mittelstand wünscht sich mehr Planungssicherheit

Mit Blick auf die kommenden Monate hofft Harb auf eine schnelle Entspannung des Konflikts: „Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, rechnen wir mit weiter steigenden Preisen und einer insgesamt volatileren Warenverfügbarkeit.“ 

Direkte Unterstützung erleben beide Unternehmen bislang nicht. Für Alfred Martin steht besonders Planungssicherheit an oberster Stelle. Oliver Harb wünscht sich konkret Maßnahmen, die internationale Handelsrouten stabilisieren und Energie- sowie Transportkosten senken. „Gerade für mittelständische Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, diese Schwankungen wirtschaftlich aufzufangen“, so Harb.