Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Fachkräfte

Mitarbeitergewinnung mal anders: globale Wege im Recruiting

Berlin sucht Fachkräfte – und Unternehmen öffnen ihren Blick über die Grenzen hinaus. Die IHK Berlin baut Brücken nach Namibia, viele Mittelständler haben bereits ausländische Arbeitskräfte integriert. Das Energie-Startup 1Komma5° erzählt, wie internationale Mitarbeitergewinnung bei ihnen gelingt.

Zwei Männer montieren eine Solaranlage auf einem Flachdach – es symbolisiert das Thema Mitarbeitergewinnung.

Berlin sucht nicht nur Fachkräfte – Berlin sucht passende Wege, sie zu finden

Ein bundesweites Pilotprojekt zur Mitarbeitergewinnung, bei dem auch die DIHK mitwirkt, ist Hand in Hand for International Talents.  Es unterstützt Betriebe beim Recruiting von Fachkräften aus Drittstaaten wie Brasilien, Indien, Vietnam oder den Philippinen. Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten werden aktiv angesprochen, digital vorgestellt und durch den gesamten Prozess begleitet.

Dilemma und Chancen der Mitarbeitergewinnung

Der Berliner Arbeitsmarkt steckte auch vergangenes Jahr in einem paradoxen Dilemma: In vielen Betrieben fehlten Fachkräfte, gleichzeitig blieben etliche Ausbildungsplätze unbesetzt – und die Arbeitslosigkeit legte zu. Zwischenzeitlich waren 2025 in der Hauptstadt mehr als 223.000 Menschen ohne Job, die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg mit mehr als 70.000 auf einen neuen Höchststand, so Zahlen der IHK Berlin. Parallel dazu registrierte der IHK-Fachkräftemonitor rund 59.000 unbesetzte Stellen, bei 22 Prozent der offenen Stellen gab es keine passenden, qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber.

Der klassische Kandidatenpool allein reicht nicht mehr aus, Unternehmen müssen bei der Mitarbeitergewinnung kreativer werden.

Regional denken, international handeln – und zwar „Hand in Hand“

Insbesondere global ausgelegte Recruiting-Projekte sind entscheidend, die Nachfrage nach qualifiziertem Personal wächst schneller als die Zahl der verfügbaren Bewerberinnen und Bewerber. So werden zunehmend internationale Fachkräfte rekrutiert und integriert – mit Unterstützung von Kammern, Behörden und Unternehmen.

Eine Hand weist auf einen Globus.
Fachkräfte gesucht Fachkräfte: Brücken bauen nach Berlin
Lesezeit: 10 Minuten
Almut Kaspar
Fachkräfte Unternehmen als attraktive Arbeitgeber: KI hilft
Lesezeit: 5 Minuten
Charlotte Stibbe

Berliner Best Practice der globalen Mitarbeitergewinnung

Der Erfolg des Projekts zeigt sich am Beispiel von 1Komma5°, einem Berliner Cleantech, das mit Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpen und KI hilft, Haushalte CO₂‑neutral zu machen. „‘Hand in Hand for International Talents‘ begleitet uns strukturiert, professionell und individuell durch den Prozess – von der Vorauswahl der Kandidatinnen und Kandidaten über die Interviewkoordination und das Dolmetschen bis hin zu Fragen der beruflichen Anerkennung, zum Visumsprozess und mit Anregungen zur Wohnungssuche“, erzählt COO Deutschland, Alexander Brenske. 

Drei Männer tragen eine Wärmepumpe – das Bild symbolisiert das Thema Mitarbeitergewinnung.

Für 1Komma5° ist klar: Der Job ist für ausländische Fachkräfte meist der ausschlaggebende Grund für den Umzug nach Deutschland – umso wichtiger sei es, Erwartungen realistisch zu kommunizieren

Das Unternehmen konnte bisher zwei Elektriker aus Brasilien gewinnen. „Mit beiden fiebern wir in Gesprächen ihrer Einreise entgegen und geben ihnen kleine Aufgaben. Wir bereiten sie jedoch nicht nur sprachlich und fachlich, sondern auch persönlich auf ihren Start vor“, so Brenske. So erhalten die Fachkräfte neben der Hilfe beim bürokratischen Setup auch Unterstützung beim sozialen Ankommen, beim Verstehen von kulturellen Unterschieden und mehr.

Ein junger Mann im schwarzen Sweater steht vor einer beleuchteten Wand. Es ist der COO von 1Komma5°, Alexander Brenske
Die Vielfalt an Perspektiven stärkt unser Team, beschleunigt Innovationen und unterstützt unser Wachstum nachhaltig.“
Alexander Brenske COO Deutschland 1Komma5°

Die Mitarbeitergewinnung hierzulande – gerade die Suche nach Fachkräften – sei in den Bereichen Technik und Vertrieb herausfordernd. Das Unternehmen erlebe, dass der Wandel zu digitalisiertem, vernetztem Handwerk unterschiedlich schnell voranschreite – abhängig von Erfahrung, Qualifikation und Rahmenbedingungen. „Der Wandel braucht Zeit, Weiterbildung und gegenseitige Offenheit“, sagt Brenske.„Internationale Rekrutierung ist hier für uns eine große Chance, genau die Menschen zu finden, die Begeisterung für moderne Energietechnik mitbringen und sich bewusst für einen langfristigen beruflichen Weg in Deutschland entscheiden. Die Vielfalt an Perspektiven stärkt unser Team, beschleunigt Innovationen und unterstützt unser Wachstum nachhaltig.“ 

Aber auch das Unternehmen müsse seinen Teil leisten. „Faire, wettbewerbsfähige Bezahlung ist die Voraussetzung – Unternehmenskultur entscheidet darüber, ob Menschen sich wohlfühlen und bleiben.“

Wege jenseits klassischer Stellenanzeigen

Viele Unternehmen beginnen also, auf die Herausforderungen des Arbeitsmarkts mit neuartigen Methoden zu reagieren. Statt allein auf lokale Bewerberinnen und Bewerber zu hoffen, öffnen sie den Blick für internationale Talente und innovative Ausbildungsmodelle. Die Mitarbeitergewinnung erfolgt oft auch über:

  • Digitale Matchmaking-Formate, die Kandidatinnen und Kandidaten mit passenden Betrieben zusammenbringen
  • Quereinstiegsprogramme, die gezielt Umschulungen und Branchenwechsel fördern
  • Partnerschaften mit gemeinnützigen Organisationen, um Menschen zu erreichen, die sonst im klassischen Recruiting nicht sichtbar wären
  • Internationale Recruiting-Meetups, bei denen Unternehmen direkt mit Talenten aus dem Ausland in Kontakt treten

„Talents Bridge“ – Brücken bauen zwischen Betrieben und Talenten

Die IHK Berlin hat ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, das die Fachkräftegewinnung bereits bei der Ausbildung ansetzt: Mit Talentsbridge e.V. werden internationale Ausbildungszentren aufgebaut, die nach deutschen Standards qualifizieren und talentierte Nachwuchskräfte frühzeitig mit Unternehmen hierzulande vernetzen. Die Unternehmen können sich aktiv beteiligen, etwa durch Praktika, Stipendien oder die Mitarbeit ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder. Der erste Standort ist in Namibia geplant und soll den Namen „Nambridge“ erhalten. 

„Unsere Vision ist klar: Was mit dem ersten Projekt in Namibia beginnt, kann Vorbild für viele Regionen weltweit werden. Denn Bildung schafft Chancen für Menschen, für Unternehmen und für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“, sagt IHK-Präsident Sebastian Stietzel.