Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Hürden & Höhen des Unternehmertums

Zwischen vergessenen Genehmigungen und Kiezerfolg: Zu Besuch im Fendricks Coffee

Willkürliche Amtsentscheidungen. Vergessene Genehmigungen. Ein zweites Café, das überraschend scheitert. Paulina und Till von Fendricks wissen, wie hart Unternehmertum in Berlin sein kann – aber auch, wie erfüllend. Uns gaben sie einen ehrlichen Einblick in ihren Alltag zwischen Bürokratie, Risiko und Kiezliebe.

Die Betreiberin und der Betreiber von Fendricks Coffee posieren Arm in Arm in ihrem Café, das sich stylisch im Holz-Look über zwei Etagen erstreckt.

Paulina und Till Maiwald führen mit viel Herzblut das Fendricks Coffee in Berlin-Steglitz und navigieren dabei zwischen Qualitätsanspruch und Bürokratie.

Seit 2019 betreiben Paulina und Till Maiwald in Berlin-Steglitz das Café Fendricks Coffee – mit dem Anspruch, verlässlich gute Qualität zu bieten. Sie lebten zwölf Jahre im Kiez, bevor sie das Lokal eröffneten. Damals gab es laut den beiden keinen einzigen Ort, an dem man richtig gut frühstücken und gleichzeitig leckeren Kuchen genießen konnte; guter Kaffee sei ebenfalls schwer zu finden gewesen. Das wollten sie ändern. 

Ihr Weg in die Selbstständigkeit brachte nicht nur einen neuen Alltag zwischen Frühstück, Kaffee und Kuchen mit sich, sondern auch bürokratische Hürden und wirtschaftliche Risiken. Gleichzeitig erleben die beiden, welche Freiheiten und besonderen Augenblicke ein eigenes Café eröffnet.

Ein zweiteiliges Bild: Die Betreiberin vom Fendricks Coffee hält eine Tasse Kaffee in der Hand und blickt freundlich – daneben sieht man das Café mitsamt dem Kaffeetresen und Sitzplätzen.

Ruhe vor dem Sturm: Für Paulina hat es selbst in stressigen Phasen oberste Priorität, dass Speisen und Getränke im Fendricks von bester Qualität sind.

Genehmigungen, Geld und Geduld: Die 3 größten Belastungsproben für Fendricks Coffee

Was war euer größter bürokratischer Pain beim Gründen?

Till: Die Genehmigung für unsere Außenterrasse im Fendricks. Normalerweise wird so eine Nutzung für drei Jahre bewilligt. Wir hingegen müssen sie seit sechs Jahren jedes Jahr neu beantragen – einfach, weil unser zuständiges Amt es so will. Kürzlich waren der Stadtrat und der Bürgermeister bei uns, um sich die Situation anzusehen. Beide zeigten sich irritiert darüber, dass die Genehmigung so gehandhabt wird.

Es gibt immer noch eine weitere Instanz, die final entscheidet. Es sind oft so viele Ämter involviert. Das ist Wahnsinn.“
Till Maiwald Inhaber Fendricks

Till: Die Bürokratie zu digitalisieren ist gut und wichtig. Aber man braucht immer auch den Menschen dahinter – der sich vor Ort ein Bild macht und nicht völlig überlastet ist. Es müsste deutlich mehr Geld in die Verwaltung fließen, damit die Mitarbeitenden merken, dass ihre Arbeit wirklich gebraucht wird. Wenn man mal im Amt jemanden erreicht, heißt es: ‚Ich muss mich erst rückversichern.‘ Es gibt immer noch eine weitere Instanz, die final entscheidet. Es sind oft so viele Ämter sind involviert. Das ist Wahnsinn.

Der Fendricks-Coffee-Schriftzug am Fenster des Cafés, in dem sich der Außenbereich, Lichter und Sitzplätze spiegeln.

Die Außenterrasse des Fendricks ist ein beliebter Treffpunkt für Frühstück und Kaffeegenuss – und ein bürokratischer Painpoint.

Was war eure größte wirtschaftliche Herausforderung?

Paulina: 2024 eröffneten wir direkt um die Ecke vom Fendricks ein zweites Café. Wir haben viel Geld in die Renovierung investiert und das Konzept erweitert: Neben Kaffee wollten wir auch hochwertige Kaffeemaschinen verkaufen – inklusive persönlicher Beratung. Doch das Publikum war ein völlig anderes. Das hat uns ziemlich überrascht, ehrlich gesagt geschockt. Wir haben total unterschätzt, wie unterschiedlich zwei Ecken im selben Kiez sein können. Nach anderthalb Jahren haben wir den Laden schließlich aufgegeben.

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Wo seid ihr noch auf Schwierigkeiten gestoßen?

Till: Das waren wieder bürokratische Dinge, diesmal beim zweiten Café.

  1. Es gab eine alte Holztreppe, die steil in den unteren Teil des Ladens führte und nicht DIN-gerecht gebaut war. Wir ließen eine DIN-konforme, kreisartige Stahltreppe einbauen – haben aber in den anderthalb Jahren Cafébetrieb nie die Genehmigung bekommen, weil es einfach immer wieder vergessen wurde
  2. Die offizielle Umnutzungsgenehmigung für den Laden bekamen wir ebenfalls nie, auch diese wurde immer wieder vergessen. Wir durften aber trotzdem öffnen, sehr verwunderlich. Die Entscheidungen sind manchmal eher willkürlich.

Momente, die alles aufwiegen: Die 3 größten Pluspunkte ihres Unternehmertums

Was lief leichter als erwartet?

Paulina: Der Aufbau unserer Stammkundschaft lief erstaunlich leicht. Die Leute sind sehr offen und immer happy mit der Qualität, unterhalten sich gerne. Das ist einfach großartig. 

Till: Wir hatten hier gleichzeitig das Glück und Pech, dass das Fendricks Coffee kurz vor Corona eröffnete. Die Gäste, die bei den Lockerungen kamen, hatten Lust auf persönliche Begegnungen – das hat uns sehr geholfen, eine lebendige Community aufzubauen.

Was ist für euch der größte persönliche Gewinn an der Selbstständigkeit?

Paulina: Die flexible freie Zeit, die man hat. Wobei die ersten Jahre nach der Gründung natürlich enorm stressig waren und das Privatleben oft zurückstehen musste.

Till: Man muss die Risiken des Unternehmertums kennen – und mögen. Ich mag sie, und ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren. Für mich ist ein großer Gewinn, ein so tolles Team im Fendricks zu haben und die Gäste zu treffen. Das macht die Arbeit unglaublich erfüllend. 

Ein zweiteiliges Bild: Die Betreiberin vom Fendricks Coffee steht lachend auf der stylischen Holztreppe, die zu den oberen Sitzplätzen führt – daneben sieht man saisonale Angebote mit bunter Kreide auf einer Tafel geschrieben.

Das Holz-Interieur und die Treppen in die eingebaute oberste Etage kommen bei den Gästen besonders gut an, genauso wie saisonale Gerichte.

Inwiefern profitiert ihr von Berlin als Standort?

Till: Die Masse an Menschen, das Multikulturelle – bei unseren Gästen, aber auch bei der Personalgewinnung. Im Fendricks arbeiten einige Studierende aus dem Ausland, das ist super bereichernd. 

Was würdet ihr immer wieder genauso machen?

Paulina: Auf Qualität gehen. Egal ob Kaffee, Frühstück oder Kuchen – daran werden wir niemals sparen!