Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Zum Tag der Bildung

Weiterbildung als Chance: Wie Berliner Unternehmen ihre Zukunftsfähigkeit steigern

Am Internationalen Tag der Bildung 2026 (24. Januar) lohnt es sich, genauer hinzusehen, wie Berliner Unternehmen das Prinzip des lebenslangen Lernens umsetzen – und warum gerade hier oftmals der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit vieler Betriebe liegt.

Innenraum eines hellen, modernen Workspaces, in dem mehrere Menschen stehend arbeiten.

Learning Journey statt klassischer Fortbildung: Innovationsberatungen wie „The Dark Horse“ setzen auf die Vermittlung von "Future Skills“.

Unter lebenslangem Lernen versteht man allgemein das kontinuierliche Erweitern von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen über den gesamten Lebensverlauf – sowohl privat als auch im Arbeitsleben. Es geht dabei nicht nur um klassische Weiterbildung, sondern um eine tief verankerte Lernkultur, in der Menschen kontinuierlich dazulernen und mit neuen Anforderungen wachsen. Das Konzept ist hochaktuell: Die Bundesregierung fördert das Lernen im Lebensverlauf verstärkt, um sowohl den steigenden Fachkräftemangel als auch den digitalen Wandel langfristig zu meistern.

Zunehmend Teil der Personalstrategie

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen ist das Thema Weiterbildung für die allermeisten Berliner Unternehmen kein nettes Extra, sondern Alltagsrealität und Teil der Personalstrategie. Laut einer aktuellen Auswertung der Europäischen Erhebung über die berufliche Weiterbildung in Unternehmen (CVTS) investieren europäische Unternehmen im Durchschnitt 2,5 bis 3 Prozent ihrer Lohnkosten in Weiterbildung – ein Hinweis darauf, dass Qualifizierung zunehmend strategisch verstanden wird. Weitergehende Daten aus internationalen Studien zeigen zudem, dass Firmen mit starken Lernkulturen deutlich höhere Mitarbeiterbindung und Produktivität erreichen.

Innovationsberatung aus Kreuzberg setzt auf eigene Academy

Den Bedarf hat Fried Große-Dunker, Co-Founder des Kreuzberger Start-ups The Dark Horse bereits bei der Gründung 2009 erkannt: „Kontinuierlich zu lernen ist einerseits eine Art Lebensversicherung, um in Zukunft noch relevant zu bleiben. Die Möglichkeit zu lernen, eine Fähigkeit zu meistern, ist aber auch nachweislich einer der wichtigsten Motivatoren im Job.“

Das erfolgreiche Geschäftsmodell setzt neben dem Bereich der Unternehmensberatung vor allem auf persönliche und strategische Weiterbildung, sowohl für Einzelpersonen als auch für Unternehmen und Teams. In der „The Dark Horse Academy“ dreht sich alles um Transformations- und Innovationsfähigkeit. Kompetenzen, die Menschen und Unternehmen fit für die Zukunft machen sollen. Seminare und Workshops zu sogenannten Future Skills, wie „Design Thinking“, „Systemic Design“ oder „Komplexitätskompetenz“ finden häufig in einer Kombination aus Präsenz-Seminaren und virtuellen Follow-ups statt, zum Teil auch hybrid. Mehrfach wurde das Start-up und das 19-köpfige Team bereits ausgezeichnet, 2020 als „Innovativstes Unternehmen“.

Ein junger Mann im Porträt vor einem grauen Hintergrund. Es ist Fried Große-Dunker, Co-Founder von The Dark Horse
Technische Kompetenzen werden mittlerweile so schnell obsolet, dass der eigentliche Future Skill sein wird, sich in der ständigen Transformation wohlzufühlen und dort Chancen zu erkennen statt sich ständig bedroht zu fühlen.“
Fried Große-Dunker Co-Founder und Head of Academy bei The Dark Horse

Große-Dunker, ebenfalls Head of Academy, sieht neben technisch-digitalen Kompetenzen vor allem die Notwendigkeit eines Mentalitätenwandels als ausschlaggebend: „Wir helfen Organisationen dabei, in den aktuellen, dynamischen Zeiten ihre Relevanz nicht zu verlieren. Die Herausforderung ist doch: Technische Kompetenzen werden mittlerweile so schnell obsolet, dass der eigentliche Future Skill sein wird, sich in der ständigen Transformation wohlzufühlen und dort Chancen zu erkennen statt sich ständig bedroht zu fühlen.“

Auf dem Bild ist eine rotblond gefärbte Frau mit dunkelblauem Jackett und farbiger Bluse zu sehen.
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Berlin bietet volle Brandbreite an Angeboten und Anbietern

In Berlin nehmen laut Statistischem Bundesamt rund dreiviertel der Unternehmen Weiterbildungsangebote wahr. Das Angebot an Anbietern und Netzwerken zum Thema Weiterbildung ist fast unübersichtlich groß, die Formate vielfältig: von E-Learning-Plattformen über Apps, interne und externe Workshops bis zu individuellen Entwicklungsplänen, oft unterstützt durch digitale Tools und KI-basierte Lernassistenten. Gerade kleine und mittlere Betriebe können in Berlin von Kooperationen mit lokalen Bildungsanbietern, Branchen-Netzwerken und staatlicher Förderung profitieren. 

Weiterbildungsangebote der IHK Berlin

Die IHK Berlin bietet zahlreiche Lehrgänge, Seminare und Workshops an. Die Multimedialen Kurse, Seminare und Vorträge umfassen unterschiedliche Bereiche und Branchen. Das Angebot reicht unter anderem von digitalen Kompetenzen, über Nachhaltigkeit bis zu gezielten Qualifikationen für Azubis, Gründerinnen und Gründer sowie Führungskräfte.

Mehr Informationen und eine Übersicht zu den Programmen gibt es hier.

Ein Unternehmen – viele Lerntypen: IT-Systemhaus Ehrig setzt auf interaktive Formate

Das Berliner Familienunternehmen Ehrig, IT-Systemhaus in dritter Generation, blickt auf langjährige Erfahrungen in Sachen Weiterbildung und Lernkompetenzen zurück. Sowohl bei der Fortbildung der 60 Mitarbeitenden – davon sechs Azubis –, in die das Unternehmen jährlich durchschnittlich 50.000 Euro investiert, als auch als Anbieter von Schulungen für externe Kundinnen und Kunden. Geschäftsführerin Kerstin Ehrig-Wettstaedt beobachtet dabei vor allem, wie unterschiedlich Menschen Qualifikationen erlernen und gibt einen Tipp aus der Arbeitspraxis: „Es gibt Mitarbeiter, die ein Präsenztraining mit Trainer benötigen, wieder andere finden ein Selbststudium als Webinar oder Videoaufzeichnung ausreichend. Weiterbildung, auch bei Selbststudium, muss wie ein Termin in den Kalender eingetragen werden, sonst wird sie nicht wahrgenommen.“

Porträt einer Geschäftsfrau im schwarzen Blazer, die in einem Büro-Flur steht. Es ist Kerstin Ehrig-Wettstaedt, Geschäftsführerin von Ehrig IT-Systemhaus.

Geschäftsführerin Kerstin Ehrig-Wettstaedt plädiert dafür, Lernkonzepte auf Mitarbeitende abzustimmen.

Im Rahmen der Schulungen für Externe setze Ehrig mittlerweile vor allem auf multimediale Kanäle, um alle Teilnehmenden abzuholen, so Ehrig-Wettstaedt:

„Die Schulungen passieren in Präsenz, Online, als Schulungsportal oder spielerisch im Escape-Room-Format. Es ist auffällig, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer gesunken ist und man meist nur mit interaktiven Formaten die Aufmerksamkeit der Teilnehmer über den Zeitraum behält.“

Weiterbildung als Prozess begreifen

Am Tag der Bildung wird daher deutlich: Lebenslanges Lernen ist kein Schlagwort, sondern ein struktureller Wettbewerbsvorteil. Werden Mitarbeitende systematisch befähigt, in einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt zu bestehen, sichert das nicht nur Innovationskraft, sondern wirkt auch Fachkräftemangel und Fluktuation entgegen – ein zentrales Thema für die Berliner Wirtschaft.