Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Fintech-Szene Berlin

Vivid: von der Neobank zur Business-Finanzplattform

Das Berliner Fintech besetzt seine Nische durch fokussierte Technologie, Alltagstauglichkeit und regulatorische Kompetenz – ein Vorbild für Innovationskraft und nachhaltiges Wachstum.

Sieben Menschen posieren freundlich-souverän auf einem Boot – es ist das Management des Berliner Fintechs Vivid.

Das Management-Team des Berliner Fintechs Vivid

Vivid – Start als Neobank

Vivid (ehemals Vivid Money) ging 2019 als Neobank an den Start. Das Ziel? Banking, Sparen und Ausgaben-Management in einer „Super-App“ bündeln – einfach, intuitiv, transparent und sicher. „Banking war damals weit entfernt von dem, was es heute ist“, erzählt Co-Founder Alexander Emeshev. „Niedrige oder negative Zinsen, hohe Gebühren und wenig Service passten nicht mehr zu einem digitalen Alltag – weder für Privatpersonen noch für Unternehmerinnen und Unternehmer.“ 

Schnell konnte das Team um die Gründer Alexander Emeshev und Artem Iamanov hohe Nutzerzahlen generieren. „Unser Ziel ist es, Finanzen verständlich zu machen und Menschen Zeit zurückzugeben. Dieser Gedanke treibt uns bis heute an“, so Emeshev.

Strategischer Wendepunkt E-Geld-Lizenz

2023 übernahm Vivid das luxemburgische Fintech Joompay. Die Übernahme brachte Vivid eine eigene E-Geld-Lizenz der CSSF. Das legte den Grundstein für den strategischen Fokus auf neue Märkte – und Kundensegmente. 

Ein Mann posiert freundlich lächelnd und mit verschränkten Armen für ein Foto: Es ist der Co-Founder von Vivid, Alexander Emeshev.
Unser Ziel ist es, Finanzen verständlich zu machen und Menschen Zeit zurückzugeben. Dieser Gedanke treibt uns bis heute an.“
Alexander Emeshev Co-Founder und CEO

„Uns wurde schnell klar, dass Selbstständige und kleine Unternehmen mit sehr ähnlichen Problemen kämpfen“, sagt Emeshev. Der Schritt in Richtung Geschäftskundinnen und Geschäftskunden sei daher eine logische Weiterentwicklung gewesen. „Wir haben unsere B2C-DNA – Einfachheit, transparente Preise und gutes Design – auf den unternehmerischen Alltag übertragen und um Funktionen wie Treasury, Investieren, Sofortauszahlungen sowie Anwendungen ergänzt, die über klassische Finanzverwaltung hinausgehen, etwa Travel Management oder KI-Assistenten.“

Von B2C zu B2B: Vivid wird Business-Bank

Ende März 2025 verabschiedete sich die Vivid Bank dann vom klassischen Neobank-Rennen, indem sie sich werbeseitig aus dem umkämpften Markt um Privatkundinnen und Privatkunden zurückzog. Denn der Markt ist geprägt von harter Konkurrenz durch etablierte Player wie N26 oder Revolut und stellt große Herausforderungen dar: Steigende Regulierungskosten, geringe Margen und hohe Marketing-Ausgaben machen das Geschäft mit Girokonten und dem klassischen Bankwesen oft schwer profitabel.

 

Das Fintech fokussierte sich fortan auf KMU und Selbstständige. Binnen kurzer Zeit wurde Vivid in fünf neue europäische Märkte – Frankreich, Italien, Spanien, Luxemburg und die Niederlande – eingeführt, um seine grenzüberschreitenden Lösungen zu skalieren.

 

Bereits im Juni 2025 wuchs das Unternehmen monatlich mit bis zu 4.500 Geschäftskundinnen und Geschäftskunden. 2025 hat Vivid mehr Geschäftskonten in Deutschland eröffnet als jede andere Digitalbank. Das Basiskonto für Privatkundinnen und Privatkunden blieb bestehen; seit Mitte 2024 arbeitet dieser Bereich bereits profitabel.

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Das schnelle Wachstum blieb auch Investorinnen und Investoren nicht verborgen. Branchenmedien taxieren die Bewertung von Vivid auf rund 853 Millionen US-Dollar – ein bemerkenswerter Wert in einem Marktumfeld, das zuletzt von Zurückhaltung geprägt war.

WACHSTUM
4.500
Geschäftskundinnen und Geschäftskunden
gewann das Unternehmen im Schnitt die ersten drei Monate nach dem B2B-Start im März 2025.
BEWERTUNG
853
Millionen US-Dollar
beträgt die aktuelle Bewertung von Vivid – damit gilt das Fintech als Einhorn-Anwärter.

Partnerschaft mit lemon.markets als Innovationsbeschleuniger

Ende Oktober 2025 ging Vivid eine Kooperation mit dem Berliner Fintech-Startup lemon.markets ein, eine Brokerage-as-a-service-Plattform. „Unser Ziel war es, das Investmentangebot auszubauen, ohne zusätzliche Komplexität für Kundinnen und Kunden oder unsere Systeme zu schaffen. lemon.markets ist dafür der ideale Partner“, so Emeshev. Über eine einzige technische Anbindung kann Vivid verschiedene Anlageklassen integrieren und neue Produkte deutlich schneller einführen

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Eva Scharmann

Berliner Fintech mit europäischem Anspruch

 

Vivids Strategiewechsel ist nicht nur eine unternehmerische Neuausrichtung, sondern auch ein Spiegel der Reifephase des europäischen Fintech-Marktes. Das Office in Berlin bleibt weiterhin das Herz des Startups. „Berlin ist für Vivid sowohl persönlich als auch strategisch der richtige Standort. Die Stadt bietet eine starke Fintech-Szene, internationales Talent und große Offenheit – ideale Voraussetzungen, um schnell zu wachsen“, so Emeshev. 

 

Besonders wichtig sie die Vielfalt Berlins: „Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Hintergründen prägen unsere Teams und Produkte. Das macht Berlin zu unserer natürlichen Heimat.“ Gleichzeitig sorge die deutsche Regulierung für hohe Standards und Vertrauen im Finanzsystem.

Berlin bietet eine starke Fintech-Szene, internationales Talent und große Offenheit – ideale Voraussetzungen, um schnell zu wachsen.“
Alexander Emeshev Co-Founder und CEO

Quo vadis, Vivid?

In der nächsten Phase geht es für sie um technologische Führung. „Innovation ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für modernes Banking. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie Prozesse vereinfacht, Entscheidungen beschleunigt und Komplexität aus dem Alltag unserer Kundinnen und Kunden nimmt“, so Emeshev weiter. Entsprechend werde KI bei kommenden Produktentwicklungen eine wichtige Rolle spielen.

Sechs Personen stehen nebeneinander vor einer blauen Leinwand mit der Aufschrift 'See you at FinWell Summit 2026, 2 December, 2026'.
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Eli Hamacher

Auch im Krypto-Bereich, insbesondere mit Fokus auf Stablecoins, will das Fintech weiter wachsen. „Grundsätzlich orientieren wir uns sehr stark an den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden. Der Markt wird anspruchsvoller – und das ist gut so. Denn am Ende setzen sich nicht die lautesten Versprechen durch, sondern Lösungen, die im Alltag wirklich funktionieren. Davon sind wir überzeugt.“

Für die Berliner Wirtschaft ist Vivid damit ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Fintechs aus der Region neu erfinden können – nicht durch schrilles Wachstum um jeden Preis, sondern durch fokussierte Angebote, regulatorische Kompetenz und intelligente Partnerschaften.