Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Aus aktuellem Anlass

Hightech, Tourismusboom, junge Talente - was das Handelsabkommen EU-Indien Berlin bringt

Indien ist nicht nur ein riesiger Absatzmarkt für die deutsche und europäische Industrie. Das Land verfügt über junge, gut ausgebildete Fachkräfte und ein beachtliches Wachstumspotential. Schon jetzt ergreifen Berliner Mittelständler die Chance, auf dem Subkontinent aktiv zu werden. Mit dem neuen Freihandelsabkommen wird es noch einfacher, hoffen sie.

Zwei Männer in gelben Bauhelmen arbeiten an einer Schweißmaschine

Im indischen Bengaluru investiert die GERB Schwingungsisolierungen GmbH & Co. KG aus Berlin

Wie Berliner Unternehmen von der neuen Dynamik profitieren

  • Unternehmen aus der deutschen Hauptstadt sind vermehrt auf dem indischen Markt aktiv
  • Chancen ergeben sich in den Bereichen Digitalisierung, Mobilität und erneuerbare Energien
  • Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien und ein geplantes Berliner Verbindungsbüro ermöglichen weitere Kooperationen

Pünktlich auf die Minute rollt der bei Inde­rinnen und Indern sowie bei Touristinnen und Touristen beliebte Gatimaan Express von Delhi Richtung Agra. Die 188 Kilometer legt der Zug in einer Stunde 40 Minuten zurück. So schnell schaffen es Autos nicht und schon gar nicht die Busse. Entsprechend lang sind die Wartelisten. An Komfort mangelt es nicht: Es gibt Wasser, Frühstück mit warmen Cutlets, Toast, Butter, Marmelade, Kuchen, Banane, Saft und Tee sowie die „Times of India“ – und das alles ist im Ticketpreis enthalten. 5G funktioniert auch einwandfrei. In Agra angekommen, hält die 2024 eröffnete Metro direkt vor dem Taj Mahal. Zu dem atemberaubend schönen UN-Weltkulturerbe strömen jährlich sieben bis acht Millionen Besucher. Tourismus wird für das bevölkerungsreichste Land der Erde eine immer wichtigere Stütze des Wachstums.

Darauf setzt auch die Messe Berlin. Für deren Chef Mario Tobias ist Indien einer der dynamischsten Messe- und Wachstumsmärkte weltweit. Um näher an Kundinnen und Kunden wie auch Partnerinnen und Partnern zu sein, lokale Expertise aufzubauen und gleichzeitig indische Unternehmen gezielt für die Veranstaltungen vor Ort und auch in Berlin zu gewinnen, gründete die Messe 2025 die Tochter Messe Berlin India Pvt. Ltd. Schon 2021 war die ITB India in Mumbai an den Start gegangen.

Hier eröffnen sich neue Möglichkeiten

Unter den großen Volkswirtschaften wächst Indien am stärksten – und davon profitiert zunehmend auch die Hauptstadt. Für Birol Becer, Mitglied des Präsidiums bei der IHK Berlin, steht fest: „Indien entwickelt sich rasant zu einem der wichtigsten Wirtschaftspartner weltweit. Für Berliner Unternehmen eröffnen sich dort große Chancen – etwa in den Bereichen Digitalisierung, Mobilität und erneuerbare Energien.“ Indische Unternehmen seien innovationsstark und international vernetzt – ein ideales Umfeld für Berliner Lösungen und Technologien. Die Pläne des Senats, in Bengaluru ein Berliner Wirtschaftsbüro zu eröffnen, seien daher ein wichtiger Schritt. Aus Sicht der Wirtschaft komme es nun darauf an, dass dieses Büro echte Marktzugänge schafft: durch belastbare Netzwerke vor Ort und eine enge Verzahnung mit den Unternehmen in Berlin. „Dann kann das Büro ein starker Anker für Berliner Firmen werden, die den indischen Markt erschließen wollen.“

Handelspartner Indien
140
Millionen Euro
betrugen die Berliner Exporte im Jahr 2024, damit liegt das Land auf Platz 31 der wichtigsten Ausfuhrmärkte
Handelspartner Indien
273
Millionen Euro
war der Wert der Einfuhren aus Indien 2024, Platz 23 der Berliner Importmärkte - noch vor Dänemark

Die Messe Berlin setzt auf Wachstumsmärkte

Für zusätzlichen Schwung dürfte das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien sorgen, das laut Experten kurz vor dem Abschluss steht. Davon werden auch die 2.000 in Indien aktiven deutschen Unternehmen profitieren, unter denen sich auch viele aus Berlin befinden, neben der Messe unter anderen die Deutsche Bahn, Harbauer und Gerb. Die Freie Universität hat schon lange ein Kooperationsbüro in New Delhi. Und in der Hauptstadt leben bereits mehr als 40.000 Inder, unter den Zuwanderern aus dem Ausland wächst ihre Zahl seit 2014 am stärksten.

Für Messechef Tobias ist Indien ein zentraler Baustein seiner Internationalisierungsstrategie. Nach China und Asia Pacific sitzt jetzt dort die dritte internationale Tochtergesellschaft, die vierte wurde vor wenigen Monaten in Mexiko gegründet. „Unser Ziel ist es, das starke Markenportfolio der Messe Berlin global auszuweiten, relevante Industrien direkt in ihren regionalen Märkten zu bespielen und sie anschließend nach Berlin zu führen.“ Indien biete dafür enormes Potenzial: Die Leitmessen – ob in den Bereichen Mobilität, Reisen, Technologie oder Ernährung – passten hervorragend zu den Wachstumsindustrien Berlins.

Die Messe prüft derzeit verschiedene Optionen, welche ihrer Marken sich am besten für den indischen Markt eignen. Aber auch der Standort Berlin profitiert. „Die Zahl der Anfragen von Unternehmen, Destinationen und Branchenverbänden aus Indien wächst seit einigen Jahren kontinuierlich. Viele indische Akteure wollen ihre internationale Sichtbarkeit erhöhen und sehen Berlin und unsere Leitmessen als ideale Plattform“, so Tobias.

Die Zahl der Anfragen von Unternehmen, Destinationen und Branchenverbänden aus Indien wächst seit einigen Jahren kontinuierlich. Viele indische Akteure wollen ihre internationale Sichtbarkeit erhöhen und sehen Berlin und unsere Leitmessen als ideale Plattform.“
Mario Tobias Geschäftsführer Messe Berlin

Ein Pendler zwischen beiden Welten ist Tanvir Ahmed. Der gebürtige Inder studierte in Berlin und arbeitet heute als Geschäftsführer bei Harbauer. Das Berliner Umwelttechnik-Unternehmen ging schon 2003 in Westbengalen mit einer Indien-Tochter an den Start. Heute beschäftigt Harbauer dort 50 Mitarbeitende. Mit seinen Anlagen reinigt das Unternehmen das Grundwasser, etwa von Arsen und Eisen. „Wir arbeiten hauptsächlich mit der öffentlichen Trinkwasserbehörde in Indien. Wichtigster Wachstumstreiber sind die Milliarden-Investitionen der Regierung in die Infrastruktur“, so Ahmed. Zu den größten Herausforderungen zählt der Manager den Mangel an ausgebildeten Technikerinnen und Technikern sowie limitierte Finanzierungsoptionen für deutsche KMU. Ein Lichtblick: Die Europäische Investitionsbank stellt erstmals 191 Millionen US-Dollar für Indiens Wasserinfrastruktur bereit. Das Geld fließt in die Modernisierung und den Ausbau der Wasser- und Abwassernetze im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand, wo Landwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe und Tourismus ein rasantes Wachstum verzeichnen. Davon wird auch Harbauer profitieren. 

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Edeltraut HeegGabriel Baumgarten

Berliner Mittelständler in Indien

Dass auch kleine Mittelständler den Sprung ins siebtgrößte Land der Welt wagen, zeigt, wie attraktiv der Subkontinent war und ist. Gerb Schwingungsisolierungen GmbH & Co. KG fertigt seit 1990 im südindischen Bengaluru und eröffnete drei Jahre später ein Vertriebsbüro in Noida bei New Delhi, weil vor allem im Norden die Kunden sitzen. Gerb lagert Maschinen, Gleise, Turbinen und Gebäude elastisch auf Federelemente, um Schwingungen zu reduzieren. Schon vor 1990 hatten die Inder bei Gerb bestellt. Heute beschäftigt das Berliner Traditionsunternehmen mit weltweit mehr als 600 Mitarbeitenden 85 Menschen in Indien. Die größten Stärken des Landes aus Sicht von Geschäftsführer Christoph von Waldow: „Das Land ist sehr technikaffin, hat gut ausgebildete Mitarbeitende und wächst stark.“

Deutsches Know-How für die Infrastruktur

Doch mit dem schnellen Wachstum kann die Infrastruktur nicht Schritt halten. Trotz ohrenbetäubenden Gehupes und waghalsiger Manöver, bei denen aus vier kurzerhand sechs Spuren werden, gehören Megastaus zum Alltag. Wer 30 Kilometer in 60 Minuten schafft, liegt im guten Mittelfeld. Dass es künftig zumindest auf einigen Strecken schneller und komfortabler zugehen soll, dazu leistet auch die Deutsche Bahn einen Beitrag, die in Indien bereits mehr als 2.000 Mitarbeitende beschäftigt.

Zwischen Delhi und Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Landes, betreibt die Deutsche Bahn auf bald 82 Kilometern die erste Schnellbahn des Landes. Mit vollelektronischen Zugängen sind deren Bahnhöfe moderner als die deutschen. Metroprojekte in Großstädten wie Bhopal, Hyderabad, Bengaluru und Gurugram bei Delhi begleitet die Bahn mit Ingenieurdienstleistungen. In Bengaluru planen zudem rund 400 Ingenieure primär für den deutschen Markt Bahnprojekte wie Brücken und Infrastruktur.

Die DB E.C.O. Group ist auf allen Kontinenten in derzeit rund 35 Ländern mit Ingenieur-, Beratungs- und Betriebsleistungen für Verkehrs- und Infrastrukturprojekte aktiv. „Dabei rangiert Indien weit vorn. Das Land ist für uns strategisch bedeutsam, weil wir schon seit vielen Jahren Schienenprojekte als Consultants begleiten und jetzt erfolgreich die Schnellbahn in Delhi betreiben“, betont Niko Warbanoff, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe der Deutschen Bahn.

Der Zug aus Delhi erreicht Agra fast pünktlich. Ein Bordbistro gibt es übrigens nicht – es wird am Platz serviert.