Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Raumfahrt

Vom Nischensektor zum strategischen Industriezweig: New Space-Szene aus der Hauptstadt

Satelliten sind längst das unsichtbare Betriebssystem unseres Alltags und ein Milliardenmarkt, in dem Berlin immer stärker mitspielt. Wo liegen die Stärken des Standorts und wo geht noch mehr?

Satellit mit ausgebreiteten Solarpaneelen über der Erde, die von einem Netzwerk aus Lichtlinien umgeben ist.

Schon lange keine Science Fiction: Satelliten sind die Grundlage für viele Anwendungen

Ob Navigation, Streaming, autonom fahrende Fahrzeuge oder Klimamodelle: Ohne Signale aus dem All läuft kaum noch etwas. Eine Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger schätzt, dass der weltweite Markt für weltraumgestützte Infrastruktur und Dienste bis 2040 von heute knapp 500 auf rund 2.000 Milliarden Euro wächst. Raumfahrt wird damit vom Nischensektor zum strategischen Industriezweig, der Ingenieurskunst, Daten und KI verbindet und genau hier setzt die Space-Szene der Hauptstadt an. 

Zentraler New-Space-Hub

„Berlin gehört mittlerweile zu einem der wichtigsten Raumfahrtstandorte Europas“, sagt Marielies Becker. „Getrieben durch einige Top-Player wie Planet Labs, Berlin Space Technologies oder LiveEO sowie ein sehr dynamisches Startup-Ökosystem hat sich ein enges Geflecht an wirtschaftsstarken und gut vernetzten Akteuren gebildet“, so die Innovationsmanagerin Luft- und Raumfahrt bei Berlin Partner. Mittlerweile setzen sich ungefähr 80 Unternehmen in der Hauptstadtregion mit Raumfahrttechnologien auseinander.

Raumfahrt Ein Rover aus Berlin schafft es auf den Mond
Lesezeit: 4 Minuten
Birgit Warnhold

Starkes Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft

Zu den starken Forschungspartnern zählen die Charité mit ihrem Studiengang für Weltraummedizin, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin oder auch die TU Berlin. Die Universität gilt als Schwergewicht bei Kleinsatelliten und hat mehr funktionsfähige Satelliten als jede andere Hochschule weltweit in den Orbit gebracht. „Unser Erfolgsrezept für die 32 Satelliten ist die enge Arbeit mit Wissenschaftlern und der Industrie sowie der Fokus auf praktisch relevante Themen“, erklärt Enrico Stoll. „Gleichzeitig arbeiten Studierende aktiv in den Missionen mit und erwerben früh wertvolle Hands-on-Kompetenzen“, fügt der Leiter des Fachgebiets Raumfahrttechnik der TU Berlin hinzu. Die Uni versteht sich zugleich als Brutstätte für Gründungen. „Künftig fokussieren wir uns auf Sicherheit und Resilienz im Orbit, robotische Nanosatelliten, optisches Rechnen und Navigation sowie additive Fertigung auf dem Mond, die wir hoffentlich 2027 vor Ort demonstrieren“, skizziert Stoll die nächsten Schritte.

Foto von Enrico Stoll von der TU Berlin

Enrico Stoll von der TU Berlin

Satellitenschmiede im Kiez

Der technologische Schwerpunkt liegt aktuell in Berlin klar bei Kleinsatelliten und satellitengestützten Diensten. „Durch die vielfältigen globalen Herausforderungen wie veränderte Sicherheitslagen mit Gefahren beispielsweise für wichtige Infrastruktur und den Klimawandel bestehen große Bedarfe und daraus auch wirtschaftliche Potentiale“, weiß Innovationsmanagerin Becker. Damit diese Potenziale gehoben werden, braucht es mehr als nur gute Ideen. „Für ein gutes und gesundes Wachstum ist insbesondere eine gute Vernetzung der Unternehmen untereinander und auch eine ausreichende Förderlandschaft wichtig.“ 

Gerade im Deeptech-Bereich dauere es Jahre bis zur Marktreife: Begleitet werden müsse diese Phase durch spezialisierte Inkubatoren, Technologie-Hubs, Forschungsförderung und die Ausbildung passender Talente. Gelingt das, hat Berlin beste Chancen, sich bis 2030 als einer der führenden europäischen Standorte für Satelliten und datengetriebene Raumfahrtanwendungen zu etablieren.