Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Nachhaltiges Stadtmöbel

Sitzbank trifft Wasserspeicher: Das Start-up Regenmodule will Städte nachhaltiger machen

Das Berliner Start-up Regenmodule hat eine Bank entwickelt, die Sitzplatz und Wasserspeicher zugleich ist – und damit gleich mehrere urbane Probleme auf einmal löst: Hitze, Trockenstress und fehlende Aufenthaltsqualität.

Die Gründerinnen des Start-ups Regenmodule lächeln freundlich in die Kamera.

Regenmodule-Gründerinnen Kitty Lambooij (links) und Rhea Rennert.

Die Idee ist so simpel wie genial: eine lauschige Stadtbank, die Regenwasser auffängt. Ein Ort zum Innehalten und Ausruhen mit integriertem Wasserspeicher, den Menschen in Hitzesommern anzapfen können, um Stadtbäume zu gießen. 

Die Regenwasserbank des Berliner Start-ups Regenmodule verbindet gleich mehrere Aspekte. Als öffentliches, nachhaltiges Stadtmöbel ist sie ein Ort für Austausch und Begegnung, als Auffangbecken für Regenwasser ein Instrument für Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz. 

Die Idee zur Regenwasserbank kam Gründerin Rhea Rennert im Sommer vor drei Jahren beim Blick aus dem Fenster. Die Stadtökologie-Studentin war auf der Suche nach einem Thema für ihre Masterarbeit. „Es war sehr, sehr heiß. Vor meiner Wohnung waren Menschen mit Gießkannen unterwegs, um die Bäume zu wässern. Und dann ist da diese Bushaltestelle ohne Unterstand und Sitzbank. Dahinter stand eine Hauswand mit Fallrohr. Da hat es plötzlich Klick gemacht.“ Rennert spricht mit einer Freundin über ihre Idee. Kitty Lambooij ist Möbeldesignerin und Innenarchitektin. Sie bringt die Vision zu Papier.

Die Regenwasserbank: Von der Masteridee zum marktfähigen Produkt

Die beiden reichen die Idee bei einem Wettbewerb der Regenwasseragentur ein. Die vom Land Berlin und den Berliner Wasserbetrieben gegründete Agentur zeichnet regelmäßig Wettbewerbe für Projekte aus, die Regenwasser in der Stadt speichern und nutzen. Zu ihrer Überraschung gewannen Rennert und Lambooij – das brachte viel Aufmerksamkeit und Interesse aus Berlin sowie bald auch überregionale Anfragen. 

Der Stuttgarter Klima-Innovationsfonds wurde auf sie aufmerksam und riet den beiden, sich um eine Förderung zu bewerben. Auch das klappte. Als gefördertes Projekt mit einer ökologischen Geschäftsidee konnten die beiden Gründerinnen einen Kredit bei der GLS-Bank beantragen. Damit war die Finanzierung für ihr erstes Werkstück gesichert. 

Wir setzen vor allem auf Innovations- und Start-up-Förderungen, weniger auf klassische Bankkredite oder private Investments. Da unsere Idee als innovativ und nachhaltig gilt, passen diese Programme gut zu uns.“
Rhea Rennert Gründerin Regenmodule

100m Zukunft – Reallabor für urbane Innovationen

Beim Wettbewerb der IHK Berlin "100m Zukunft" geht es darum, Probleme in der Stadt nachhaltig zu lösen und sie dann direkt vor Ort zu zeigen. 2025 konnten Start-ups, Unternehmen, Vereine und andere Organisationen Ideen zu Themen wie nachhaltiger Mobilität, lokaler Energieproduktion, Abfall- und Ressourcenmanagement, urbaner Gesundheit und Ernährungssystemen einreichen. Dafür stehen 200.000 Euro Fördermittel bereit. 

Die besten Vorschläge werden ab Herbst 2026 auf einer etwa 100 Meter langen Testfläche der Fasanenstraße in Berlin-Charlottenburg präsentiert. 

Flexibel einsetzbar: Regenwassermodule passen an jedes Fallrohr

Das Basismodell der Regenwasserbank besteht aus einem Bankmodul mit Sitzfläche und Lehne sowie einem integrierten Tisch aus Douglasienholz, einem sehr robusten und langlebigen Material. Die Bank kann an jeder Hauswand aufgestellt werden, an der ein Fallrohr angebracht ist. Über einen sogenannten Regendieb, der am Fallrohr montiert wird, läuft das Wasser in den Tank unter der Sitzfläche. 

Eine Regenwasserbank mit zwei Modulen fasst 540 Liter, was für zwei bis drei Straßenbäume reicht. Um Wasser zu entnehmen, muss ein Fach mit einem Zahlenschloss geöffnet werden. „Darüber haben wir uns lange Gedanken gemacht”, sagt Rhea Rennert. 

„Natürlich wäre es schön, wenn der Tank für alle zugänglich wäre. Aber wir fanden die Idee besser, dass es Menschen gibt, die sich um die Bank kümmern und dafür sorgen, dass der Wasservorrat an heißen Tagen nicht sofort aufgebraucht wird und kein Müll herumliegt.“ Das beuge auch Vandalismus vor. 

Füllmenge
540
Liter
Wasser passen in eine Regenwasserbank
Niederschlag
5
Millimeter
Regen reichen bei einer Dachfläche von 100 Quadratmetern aus, um die Bank zu füllen

Die Regenmodule werden vormontiert geliefert, durch ihr hohes Eigengewicht bringen sie bereits eine hohe Standfestigkeit mit und können bei Bedarf zusätzlich im Boden verankert werden. Das Aufstellen dauert etwa drei Stunden. Ein Modul inklusive Lieferung und Montage kostet etwa 6.000 Euro. 

Fördermittel und neue Zielgruppen: Regenmodule als Lernort

Aktuell befindet sich das Start-up in der Pilotphase. In Berlin, Düsseldorf und Stuttgart stehen bereits Regenwasserbänke. In der baden-württembergischen Stadt läuft auch das größte Projekt mit zehn Bänken, ein Großteil davon soll in Kitas und Schulen aufgestellt werden. 

Zusammen mit ihrem Projektpartner vor Ort, dem NABU Stuttgart, entwickeln die beiden Gründerinnen gerade Bildungsmaterialien für Kita- und Schulkinder sowie Infotafeln, die an die Bänke befestigt werden können – die Regenwasserbank ist hier auch ein Lernort.

Ein Mann sitzt auf einer Regenwasserbank und telefoniert.

Eine Regenwasserbank am Haus der Jugend in Berlin-Wedding.

Die Resonanz aus den Pilotprojekten ist gut, die Leute sind mit der Anwendung zufrieden, berichtet Rhea. Nun wollen die Gründerinnen aus dem anfänglichen Interesse für ihr Produkt wiederkehrende Umsätze generieren. Neben der Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden nehmen sie auch Wohnungsbaugesellschaften als Zielgruppe ins Visier. 

Auch Schulen und Kitas zeigen immer wieder Interesse, doch häufig scheitert es am Budget. Aktuell denken die Gründerinnen daher auch über eine Sponsoring-Möglichkeit nach. Unternehmen finanzieren Bänke und werden dafür namentlich genannt. Auch von Privatleuten kommen regelmäßig Anfragen, doch auch hier ist der hohe Preis ein Hindernis. „Langfristig wollen wir aber eine kostengünstigere Version anbieten. Das wird aber noch etwas dauern“, so Rennert. 

Regenmodule setzt auf organisches Wachstum

Oft heißt es, Gründen in Deutschland sei extrem bürokratisch und voller Hürden. Für Rhea und Kitty lief es bisher gut. Die beiden verfolgen einen Lean-Start-up-Ansatz: Sie wollen lieber langsam und organisch wachsen, Schritt für Schritt dazulernen und mit den Herausforderungen mitwachsen. 

„Wir setzen vor allem auf Innovations- und Start-up-Förderungen, weniger auf klassische Bankkredite oder private Investments. Da unsere Idee als innovativ und nachhaltig gilt, passen diese Programme gut zu uns.“ Allerdings laufen die meisten Förderprogramme nur begrenzte Zeit und neue Anträge sind sehr aufwendig.

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Ein zusätzlicher Pluspunkt für die beiden ist sicherlich, dass sie als Gründerinnen unterwegs sind. Female Entrepreneurship wird gezielt unterstützt. So konnte Rhea am EXIST-Women-Programm teilnehmen, einem Qualifizierungsangebot für Gründerinnen. Gerade hat Regenmodule den IHK-Wettbewerb „100m Zukunft” gewonnen. Bei diesem Wettbewerb präsentieren zwölf Unternehmen innovative Ideen für die Stadtgestaltung auf einer Musterstraße. Ihre Regenwasserbank wird diesen Sommer zusammen mit anderen Erfindungen, etwa einer Hydroponic-Farm, ausgestellt. 

Solche Wettbewerbe sind extrem wichtig für die Sichtbarkeit und das Marketing, da sie Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit erzeugen. Aber sie machen auch viel Arbeit. „Die Gründungsphase war schon sehr intensiv“, sagt Rennert, die sich nebenbei auch noch um ihr Studium kümmern muss. 

Immerhin können sie sich und Kitty seit einigen Monaten ein kleines Gehalt auszahlen sowie einen dritten Mitarbeiter beschäftigen, der sich um das Projektmanagement kümmert. Nicht zuletzt hat Rhea ein Thema für ihre Masterarbeit gefunden: Sie schreibt über die Regenwassermodule.