Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Deep-Tech aus Berlin

Gegen die Sicherheitslücke: Wie Noxoon unsichtbare Spuren findet

Spuren, die fürs Auge unerkennbar sind, entscheiden im Ernstfall über Sicherheit. Das Start-up Noxoon aus Berlin will genau diese Spuren blitzschnell finden – und hat den kleinsten Sprengstoffdetektor der Welt entwickelt.

Zwei Männder blicken freundlich in die Kamera: Es sind Christopher Walter und Mustafa Biyikal von Noxoon

Haben den kleinsten Sprengstoffdetektor der Welt entwickelt: Christopher Walter (links) und Mustafa Biyikal von Noxoon

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen. Ein Stadion-Eingang kurz vor Anpfiff. Ein verdächtiges Paket in der Logistik. Es gibt viele Situationen, in denen Sicherheit höchste Priorität hat. Dann hängt alles davon ab, ob eine Substanz überhaupt erkannt wird. Genau hier setzt Noxoon an: Das Berliner Unternehmen hat den kleinsten mobilen Sprengstoffdetektor entwickelt, der winzige Spuren von Explosivstoffen und Drogen erfassen soll. 

Noxoon ist eine Ausgründung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Dort wurde rund 15 Jahre lang zur Sprengstoffdetektion geforscht – mit dem Ziel, diese schneller, leichter und praxistauglicher zu gestalten. 

Von der Forschung in die Praxis

Dass daraus ein Unternehmen entstanden ist, betrachtet Christopher Walter, Luft- und Raumfahrtingenieur und geschäftsführender Gesellschafter von Noxoon, auch als Rettung einer Entwicklung, die sonst möglicherweise nie stattgefunden hätte. 

„Das Projekt stand kurz davor, an ein mittelständisches Unternehmen abgegeben zu werden, und wäre sonst im Sande verlaufen“, sagt er. Doch das entwickelte Gerät zeigte großes Potenzial: „Die Technologie hat schon während der Entwicklungsphase gezeigt, dass sie marktübliche Geräte in den Schatten stellen würde“, so Walter. 

Gemeinsam mit Mitgründer und Chemiker Mustafa Biyikal gründete Christoph Walter über das EXIST-Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Noxoon GmbH. Hierüber werden alle bestehenden Ausgaben finanziert. Bundesanstalten wie das BAM können selbst keine Erfindungen vermarkten, unterstützen Ausgründungen wie Noxoon jedoch mit günstigen Büros oder Laboren. 

Derzeit arbeiten nur die beiden Gründer sowie ein Softwareentwickler im Unternehmen, weitere Einstellungen sind geplant. Mittlerweile steht der Sprengstoffdetektor von Noxoon kurz vor dem Markteintritt. 

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Noxoon will drängende Sicherheitslücke an Flughäfen schließen

Das Herzstück ist ein mobiles, rund 900 Gramm schweres Handgerät, das Spuren auf zwei Arten identifiziert: „Unser Gerät kann Sprengstoff- und Drogenspuren sowohl per Wischprobe detektieren als auch im sogenannten ‚Schnüffelmodus‘, vergleichbar mit einer Hundenase. Das Ganze passiert im Nanogrammbereich. Bei TNT sogar im Pikogrammbereich“, erklärt Walter. 

Ein besonders großes Potenzial erkennt Noxoon im Einsatz an Flughäfen weltweit. Besonders brisant sei die Feststellung von sogenannten Sprengstoffen auf Salzbasis. „Das ist mit den jetzigen Geräten nicht möglich – eine extreme Sicherheitslücke an internationalen Flughäfen“, sagt Walter. 

Ebenfalls wichtig für reale Einsatzorte: Feuchtigkeit. In Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit kommt es bei handelsüblichen Geräten häufiger zu Fehlalarmen. Für den Noxoon Sprengstoffdetektor kein Problem: „Wir können sogar kontaminierte Wasserproben durch das Gerät spülen und die relevanten Substanzen trotzdem identifizieren. Das ist weltweit einzigartig.“

Tierisch
120
Koffer
kann ein Spürhund maximal beschnüffeln, bis er eine Pause braucht.
Sicherheit
3000
Koffer
müssen vom BER zu Spitzenzeiten stündlich kontrolliert werden
Ein weißes Mit Testergebnissen auf dem Bildschirm

Ein erstes Testgerät von Noxoon für die Forschung im Labor

Pyrotechnik, Asbest, Nervengift: Die Möglichkeiten von Noxoon sind fast unbegrenzt

Von Drogen über Pyrotechnik bis hin zu Nervengiften: Die Einsatzmöglichkeiten des entwickelten Geräts sind vielfältig. Damit dies gelingt, haben Walter und Biyikal eine Plattformtechnologie entwickelt, mit der sich die Technik hinter dem Gerät auf viele Bereiche erweitern lässt. 

In Zukunft soll die Technologie stärker in Richtung Arbeitsschutz und Spezialdetektion ausgebaut werden. Möglich wären Anwendungen für die Feuerwehr und das THW, beispielsweise zum Nachweis von polyaromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) auf Einsatzkleidung oder von Asbestspuren. 

Diese Stoffe sind im Einsatz nur schwer kontrollierbar, können im Ernstfall jedoch schwere gesundheitliche Folgen haben. Für die nächsten drei Jahre ist zudem ein Forschungsprojekt mit der Bundeswehr und dem Fraunhofer-Institut geplant, in dem die Detektion von Nervengiften erforscht werden soll.

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Noch weiter in die Zukunft reichen Anwendungen im medizinischen Bereich: Das Gerät kann bestimmte Stoffe in der Ausatemluft identifizieren, abhängig davon, ob jemand Erkrankungen etwa im Bereich Magen, Lunge oder Leber hat. „Das ist ein interessantes Einsatzgebiet, aber da braucht es noch deutlich Forschung und Entwicklung“, sagt Walter. 

Christopher Walter von Noxoon
Alle rufen nach Sicherheit – die Technologie steht bereit. Da gibt es auch keine Ausreden mehr.“
Christopher Walter Gründer Noxoon GmbH

Gründer wünscht sich weniger Bürokratie für mehr Sicherheit

Für den Markteintritt zählt am Ende nicht nur Technik, sondern auch die Zulassung. „Unser großes Ziel ist die Fertigstellung unserer ersten Nullserie“, so Christopher Walter. Die CE-Zertifizierung soll in den kommenden Monaten erfolgen. Für Flughäfen braucht es zusätzlich eine deutlich komplexere ECRC-Zertifizierung, die etwa sechs bis neun Monate dauert. 

Doch die ersten Anfragen von Kunden seien bereits vorhanden, besonderes viele Interessierte kämen aus dem privaten Sektor. „Für uns ist das ein sehr aufregendes Jahr.“

Ein Appell hat Christopher Walter noch an die Politik: der Abbau von Bürokratie. „Die Technologie funktioniert und ist verfügbar. Warum nutzt man sie dann nicht einfach? Warum legt man noch große Hürden im Beschaffungsprozess, der in diesem Land ohnehin fast stillsteht? In anderen Ländern wird das einfach umgesetzt.“, so Walter. „Alle rufen nach Sicherheit – die Technologie steht bereit. Da gibt es auch keine Ausreden mehr.“