Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Zum Endspurt der Berlinale

Berliner Filmförderung: Neue Mittel setzen starke Impulse für den Filmstandort

Ab diesem Jahr stellt die Bundesregierung ein größeres Volumen für die Filmförderung in Berlin bereit. Kirsten Niehuus, Präsidentin der Filmförderungsanstalt, und Produzentin Maria Wischnewski erläutern, wie die Berliner Filmproduktion davon profitieren kann.

Ein Gruppe aus vier Menschen mit Filmequipment steht in einer alten Buchhandlung.

Profitieren von der Berliner Filmförderung: Maria Wischnewski (r.) und Team bei Dreharbeiten in Italien

Seit Oktober 2025 wirkt Kirsten Niehuus als Präsidentin der Filmförderungsanstalt (FFA). „Für mich ist das ein Home Run, denn 1988 habe ich hier als Referendarin angefangen und bin danach immer wieder zurückgekehrt“, sagt die Juristin, die zuletzt mehr als 20 Jahre lang als Geschäftsführerin für den Bereich Filmförderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg tätig war. 

Über
5.000
Unternehmen
sind in der Berliner Filmbranche involviert.
Circa
2,5
Milliarden Euro
Umsatz macht die Film- und TV-Industrie in Berlin jährlich.

Die Filmförderung in Berlin stellt sich neu auf

„Es sind spannende Zeiten“, sagt die FFA-Präsidentin. Die Bundesregierung hat sich jüngst auf einen Investitionspakt geeinigt: Die jährlichen Mittel der wirtschaftlichen Filmförderung steigen um 120 Millionen Euro auf insgesamt 250 Millionen Euro. „Das ist definitiv ein positives Signal“, betont Niehuus. 

Zudem sollen Streamingdienste künftig mindestens acht Prozent ihres jährlichen Umsatzes in neue Produktionen in Deutschland investieren. „In Ländern wie Frankreich haben solche Investitionsverpflichtungen dazu geführt, dass deutlich mehr produziert wird und die Produktionslandschaft stabiler aufgestellt ist als hierzulande.“

Auch abseits der Gesetzesnovelle habe sich viel bewegt. „Das Kuratorium Junger Deutscher Film ist erstmals mit einer Fördersumme von sieben Millionen Euro für Stoff- und Projektentwicklung sowie Produktion ausgestattet.“ Das zahle sich aus: „Bei der diesjährigen Berlinale sind junge Produktionsfirmen mit ersten oder zweiten Arbeiten junger Regisseurinnen und Regisseure vertreten.“

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Hartnäckigkeit zahlt sich für die Filmförderung aus

Eine positive Haltung teilt zweifelsfrei auch Maria Wischnewski. Bereits während ihres Studiums drehte sie Dokumentarfilme, arbeitete nach dem Abschluss als Produzentin und gründete schließlich 2016 mit Koberstein ihre eigene Produktionsfirma in Berlin. 

Ihre Erfolgsformel lautet: „Einen langen Atem haben.“ Denn die klassische Faustregel – ein Jahr Stoffentwicklung, ein Jahr Finanzierung, ein Jahr Drehvorbereitung – greife nicht immer. „Es gibt auch Projekte, an denen ich fünf Jahre gesessen habe“, erinnert sich Wischnewski.

Ihre Projekte spiegeln Wischnewskis persönliche Perspektive als Regisseurin wider: „Ich bin ostdeutsch sozialisiert und bringe eine feministische Haltung mit.“ Bei der Umsetzung ihrer Projekte setzt sie auf Synergien. „Natürlich sind Filmförderung, die Zusammenarbeit mit einem Verleih, der an das Projekt glaubt, und die Kooperation mit TV-Sendern zentral. Darüber hinaus arbeiten wir aber auch mit Stiftungen und kulturellen Institutionen zusammen.“

Häufig hapert es an der Finanzierung: „Zum Teil sind wir von derselben Institution mehrfach abgelehnt worden.“ Irgendwann habe es dann dennoch geklappt. Viel Zeit geht für Bürokratie und das Ausfüllen seitenlanger Anträge drauf – ein Aspekt, der viele in der Berliner Filmproduktion beschäftigt.

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Unterschiedliche Fördermodelle für die Berliner Filmproduktion

Während die FFA ausschließlich auf Referenzfilmförderung in Form von Zuschüssen setzt, können beim Medienboard Berlin-Brandenburg bedingt rückzahlbare Darlehen beantragt werden – im Fall eines kommerziellen Erfolgs. Voraussetzung ist jedoch ein Eigenanteil beziehungsweise die Einwerbung von Drittmitteln in Höhe von mindestens 30 Prozent der Produktionssumme. 

„Grundsätzlich sollte bei einer Produktion aber ein Filmverleih sowie möglichst ein TV-Sender von Beginn an Bord sein“, so Niehuus. Ebenso bedeutsam sei die Perspektive auf Festivalteilnahmen.

Wir sind wieder auf dem vorpandemischen Niveau. Die Faszination für das Medium Film ist ungebrochen.“
Kirsten Niehuus Präsidentin der Filmförderungsanstalt FFA

Filmstandort Berlin: Optimistischer Blick in die Zukunft

Gerade für die Filmproduktion in Berlin empfiehlt sie jedoch keinen rein wirtschaftlichen Fokus: „So trivial es klingt – in erster Linie sollten Filmschaffende an ihr Projekt glauben.“ Ein weiterer Türöffner in der Förderung sei die Besetzung: „Ein talentierter Cast ist das A und O. Hilfreich ist es aber auch, ein oder zwei bekannte Namen zu gewinnen – das müssen nicht zwingend Hauptrollen sein.“

Insgesamt blickt Niehuus optimistisch auf die Zukunft des Filmstandorts Berlin und Deutschlands. Neben dem Förder-Boost stimmen auch die Kinobesucherzahlen zuversichtlich: „Wir sind wieder auf dem vorpandemischen Niveau. Die Faszination für das Medium Film ist ungebrochen“, sagt sie.