Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Digitale Lernplattformen

Wie Berlins EdTechs die Schule umbauen

Tablets statt Tafelbild, KI statt kariertem Vokabelheft: Digitale Lernplattformen erobern die Klassenräume. Welche innovativen Impulse bringen Berliner Start-ups in die Welt der Bildung und welche Unterstützung bieten Bund und Länder lesen Sie hier.

Vier Personen sitzen an Tischen mit Laptops, im Hintergrund ist eine Präsentation mit einem Kreisdiagramm auf einem Bildschirm zu sehen.

Füllfederhalter und Bleistift waren gestern - heute lernen immer mehr Schüler digital

Vom Vokabeltrainer aus der Hosentasche bis zur KI-Lernplattform mit Millionen Nutzerinnen und Nutzern: In Berlin tüfteln Start-ups und etablierte Player daran, Schule mit digitalen Tools neu zu denken. Knowunity steht exemplarisch für diesen Aufbruch. Das Berliner Start-up positioniert sich als soziale Lernplattform und will zum globalen Marktführer für KI-basierte Lernbegleitung werden. Mehr als 25 Millionen Menschen greifen mittlerweile auf Lernzettel, Erklärinhalte und KI-gestützte Hilfe von Knowunity zurück.

Gruppe von jungen Erwachsenen sitzt und steht in einem modernen Raum mit großen Fenstern und Blick auf eine Stadtlandschaft.

Knowunity will zum Marktführer KI-basierter Lernbegleitung werden

Wissenslücken schließen

Benedict Kurz sieht darin mehr als nur eine weitere App: „Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Schülerinnen und Schüler signifikant besser lernen und bessere Noten erzielen, wenn Lerninhalte personalisiert erklärt werden“, erklärt der Gründer von Knowunity. „Bisher war diese Form der individuellen Unterstützung jedoch vor allem Familien vorbehalten, die sich teure private Nachhilfe leisten können.“ Genau das kann KI nun nach Überzeugung von Kurz verändern: Erstmals wird es möglich, Millionen Schülerinnen und Schülern weltweit personalisierte Bildung bereitzustellen und gezielt auf die individuellen Wissenslücken jedes Einzelnen einzugehen. 

Mann mit grauen Haaren trägt ein hellblaues Hemd und steht vor einem hellen Hintergrund mit Fensterlicht.
Wir ermöglichen Kindern wieder Aha-Momente und positive Lernerlebnisse, indem sie direkte Rückmeldungen bekommen.“
Arndt Kwiatkowski Geschäftsführer bettermarks GmbH

KI im MINT-Unterricht

Wie diese Unterstützung konkret aussehen kann, zeigt auch der „Trendmonitor Spezial: MINT-Lernen mit KI“ der Deutschen Telekom Stiftung. Die Studie beschreibt Projekte und Anwendungen, wie intelligente Tutor-Systeme Aufgaben an das individuelle Niveau anpassen, typische Fehler erkennen und in Echtzeit Rückmeldung geben, mit großem Potenzial für mehr Chancengerechtigkeit im MINT-Unterricht. Zu den untersuchten Anwendungen gehört das Angebot der Berliner bettermarks GmbH. „Bettermarks bietet ein digitales Lehr- und Lernsystem für die Klassenstufen vier bis 13, das alle Phasen des Mathematikunterrichts unterstützt und Verstehen in den Mittelpunkt rückt“, sagt Gründer und Geschäftsführer Arndt Kwiatkowski. „Wir ermöglichen Kindern wieder Aha-Momente und positive Lernerlebnisse, indem sie direkte Rückmeldungen bekommen. Gleichzeitig entlasten wir Lehrkräfte mit Auswertungen zum Lernstand der Klasse, ganz ohne Korrekturaufwand.“

Vier Männer stehen nebeneinander vor einer Holzfassade, alle tragen lässige Hemden und Hosen, einer hat die Arme verschränkt.

Knowunity Founder Yannik Prigl, Gregor Weber, Benedict Kurz und Lucas Hild (von links nach rechts)

Digitalpakt 2.0 könnte helfen

Um die sich daraus ergebenden Chancen nutzen zu können, wurden mit dem Digitalpakt Schule in den vergangenen Jahren Geräte, WLAN und Plattformen angeschoben. Kwiatkowski sieht Licht und Schatten: „Die gute Nachricht ist, dass Bund und Länder mit dem Digitalpakt 2.0 weitere fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen, um Unterricht durch digital gestütztes Lehren und Lernen zu verbessern.“ Denn der Bedarf ist nach Überzeugung Kwiatkowskis gegeben: „Das zeigen die rund 140 Schulen in Berlin, die bettermarks aktiv nutzen und dies aus den eigenen knappen Mitteln finanzieren. Von weiteren 100 Berliner Schulen weiß Kwiatkowski allerdings, dass sie bettermarks gerne einsetzen würden, es aber an der Finanzierung scheitert. Eine Landeslizenz würde nach Überzeugung des Geschäftsführers allen helfen, da immer mehr Schulen digitale Werkzeuge als Unterstützung im Unterricht sehen und nicht als neue Zusatzbelastung.

Werkraum mit Werkbank, Werkzeugen, Regalen und Monitor, an der Wand Schriftzug 'MAKER SPACE' mit vernetzten Symbolen, Person in Bewegung unscharf.

Im Maker Space erfahren Kinder Selbstwirksamkeit

Stärkere Vernetzung gefragt

Auch aus Sicht der IHK Berlin hat der Digitalpakt zwar wichtige Fortschritte gebracht, doch die Integration digitaler Bildung bleibt eine Herausforderung. Digitale Lernprogramme sind nach Überzeugung der Kammer zentral, um Wissenslücken zu schließen. Umso bedenklicher ist die Streichung der Landeslizenzen, die Schulen bisher den Zugang zu digitalen Angeboten erleichtert haben. Damit die Chancen der Digitalisierung genutzt werden, müssen Schulen und EdTechs stärker vernetzt werden. Es braucht Plattformen für Kooperation und Austausch. Mit der Produkt- und Servicebörse hat die IHK Berlin gezeigt, wie ein solcher Marktplatz aussehen könnte – solche Ansätze sollte die Bildungsverwaltung aktiv unterstützen, etwa durch Anerkennung als Fortbildungsangebote.

Lernen zum Anfassen

An dieser Schnittstelle setzt auch das Digital Education Lab der IHK an: Start-ups, Unternehmen und Bildungseinrichtungen entwickeln dort gemeinsam Prototypen für die Praxis, testen Tools, Formate und didaktische Konzepte. Christiani ist mit seinem Kompetenzzentrum der Hauptmieter des Labs und bringt dabei ein eigenes Maker-Space-Konzept an die Schulen. „Ein gut geplantes Maker Space ist weit mehr als ein Technikraum – es ist ein Ort, an dem Kinder Selbstwirksamkeit erfahren“, weiß Burghard Anders. „Das stärkt die innere Überzeugung, eigene Ideen verwirklichen und Herausforderungen bewältigen zu können,“ so der Leiter des Kompetenzzentrums von Christiani in Berlin. Gleichzeitig sei es ein Labor für Zukunftskompetenzen: „In Zeiten digitaler Transformation sind Fähigkeiten wie Kreativität, Problemlösungskompetenz, kritisches Denken und Kooperationsfähigkeit zentral.“ Maker Spaces bieten laut des Experten von Christiani den richtigen Rahmen, um solche Kompetenzen auszuprobieren und zu trainieren. „Besonders in den MINT-Fächern eröffnen sie neue Wege des Lernens – Kinder bauen Roboter, programmieren Spiele oder modellieren eigene 3D-Objekte.“

Zwei Personen sitzen sich gegenüber, eine trägt einen schwarzen Pullover und gestikuliert mit beiden Händen, die andere trägt ein pinkes Oberteil.

Hendrik Langner auf der VBM Buchmesse Frankfurt

Vokabeln mit System

Auch die phase-6 GmbH gehört zu den wichtigen Berliner EdTech-Akteuren. Die Plattform des Unternehmens bietet Vokabelsammlungen zu gängigen Schulbüchern, entwickelt mit großen Schulbuchverlagen und Fachdidaktikern; seit 2024 ergänzt um Grammatiktraining für Englisch. Ziel: Vokabellernen aus der Zettelwirtschaft holen. „Unsere Apps übersetzen moderne fachdidaktische Erkenntnisse in ein Lernsystem, das Kinder gezielt unterstützt: Es gibt Struktur, steuert Wiederholungen, motiviert und macht Lernfortschritte sichtbar“, erzählt Hendrik Langner. „Dass das wirkt, zeigen auch unsere Daten: 87 Prozent unserer Nutzerinnen und Nutzer geben an, dass sie mit phase6 besser in der Schule sind“, so der Geschäftsführer des EdTechs. Digitalisierung allein sei aber kein Wundermittel. Spannend werde es dort, wo KI wirklich pädagogische Aufgaben übernimmt: „Sie ist erstmals in der Lage, qualitatives Feedback zu geben – etwas, das bisher fast ausschließlich Lehrkräften vorbehalten war. Feedback ist eine der zentralen Komponenten erfolgreichen Lernens“, ist Hendrik Langner überzeugt. „Wenn KI hier sinnvoll unterstützt, kann sie Lehrkräfte entlasten und neue pädagogische Spielräume eröffnen.“ Zwischen Mathe-App, Maker Space und KI-Lernbegleiter zeichnet sich damit in Berlin eine gemeinsame Linie ab: Digitale Werkzeuge ersetzen Schule nicht, sie erweitern sie, wenn Infrastruktur, Lizenzen und Didaktik zusammenpassen.