Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Life Sciences in Berlin

Wenn der Platz über die Zukunft der Life Sciences entscheidet

Das Proteinsyntheseunternehmen B4PharmaTech zeigt, was möglich wird, wenn Berliner Startups in den Life Sciences nicht länger am Raum scheitern. Inkubatoren wie der FUHUB helfen dabei, Berlin als Gesundheitsstandort zu etablieren.

Drei Personen in einem Labor

Die Berliner Life Sciences sind auf Inkubatoren angewiesen

Die Technologie, mit der die B4 PharmaTech GmbH heute arbeitet, hat ihre Wurzeln tief im Campus der Freien Universität Berlin – genauer gesagt in mehr als zwei Jahrzehnten Forschung in den Life Sciences. Zellfreie Proteinsynthese: Eine Methode, die es ermöglicht, Proteine schnell, skalierbar und ohne lebende Zellen herzustellen. Und trotzdem wäre das Unternehmen dahinter beinahe nicht in Berlin entstanden. Der Grund war kein Mangel an Ideen oder Expertise. Es war schlicht die Frage: Wo soll das alles stattfinden?

Laborflächen als Hürde und der FUHUB als Ankerpunkt

Für Life Sciences Startups sind geeignete Laborflächen in Berlin noch immer knapp. Das klingt organisatorisch, ist es aber nicht. Wer hier gründen will, braucht Räume, die Sicherheitsanforderungen erfüllen und gleichzeitig flexibel genug sind, bei Skalierungen mitzuwachsen. Modulare Laborräume, buchbare Büros, Konferenzflächen. Eine Infrastruktur, die Forschung und Unternehmertum gleichermaßen ermöglicht.

Foto von Stefan Kubick
Möglicherweise wäre die Gründung unseres Unternehmens nicht möglich gewesen, wenn nicht im unmittelbaren Umfeld der Freien Universität Berlin entsprechende Flächen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung gestanden hätten.“
Stefan Kubick CEO B4PharmaTech

Universität und Startup sind eine "Win-Win" Situation

Doch B4PharmaTech hatten ihre Büros nicht immer am FUHUB. Das Unternehmen wurde 2023 in der benachbarten Startup-Villa gegründet. 2025 gelangte dann der Umzug in den FUHUB: Spezielle Anforderungen für chemische und biotechnologische Labore konnten umgesetzt werden. Die Skalierung mit mehr Mitarbeitenden war nun möglich. Heute profitiert das Unternehmen unmittelbar von seiner Lage: In direkter Umgebung befinden sich Institute und Zentren wie das Zuse-Institut Berlin oder der Forschungsbau SupraFAB. Forschungskooperationen mit Arbeitsgruppen sind bereits angelaufen.

Was B4 PharmaTech am FUHUB praktiziert, lässt sich als Modell lesen: Eines, welches Berlin dringend braucht. Die räumliche Nähe zur Universität schafft strukturelle Vorteile, die weit über reine Laborflächen hinausgehen.

Foto von Volker Hofmann, Geschäftsführer der Humboldt-Innovation GmbH
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Die politische Weichenstellung

Unterstützungen im Bereich Patente oder Technologietransfer sind an der FU bereits gut etabliert. Startups wie B4PharmaTech können daher auf bestehendes Wissen zurückgreifen. Ergebnisse aus Forschungskooperationen fließen einerseits in die akademische Grundlagenforschung ein, andererseits werden sie im Startup zu Produkten weiterentwickelt.

Damit aus Ideen zügig tragfähige Produkte werden, braucht es nicht nur Flächen, sondern auch standardisierten Innovationstransfer sowie mietrechtliche Anreize für Campus-Inkubatoren. Gezielte DeepTech-Förderung für Gesundheitsinnovationen ist ausschlaggebend für den Berliner Standort.

Als wissenschaftsnahes Startup sind wir bei der B4 PharmaTech GmbH darüber hinaus in hohem Maße auf motivierte Wissenschaftlerinnen angewiesen, die ihr Know-How in ein agiles Team einbringen wollen.“
Stefan Kubick CEO B4PharmaTech

Berlin als Magnet für Kapital und Talent

Die Erfahrungen von B4 PharmaTech zeigen, wie wertvoll internationale Talente für junge Biotech-Unternehmen sind, und wie komplex der Weg dorthin bleibt. Beschleunigte Anerkennungsverfahren, Fast-Track-Visa in Engpassberufen und begleitende Integrationsprogramme wären konkrete Hebel.

Damit Berlin als Magnet für Kapital und Talent wirkt, braucht es standardisierte Lizenzprozesse, transparente Vergütungsmodelle und den Ausbau hochschulnaher Venture-Capital-Strukturen. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen ohne unnötige Verzögerungen wirtschaftlich nutzbar werden.

Gesundheitsstandort Berlin 2030

Berlin ist Gesundheitsstandort und braucht klare Weichenstellungen für die Zukunft. Lesen Sie im Positionspapier mehr über die Branche und ihre Bedeutung für Berlin.

Auch der Fachkräftemangel ist für deutsche Startups weiterhin ein zentrales Wachstumshemmnis. Am FUHUB begegnet B4 PharmaTech diesem Problem kreativ: An der benachbarten Universität lehren und so Fachpersonal in der zellfreien Proteinsynthese direkt ausbilden, und umgekehrt Studierende in das Startup einbinden. Die internationale Ausrichtung der FU Berlin spielt dabei eine besondere Rolle: Hochqualifizierte internationale Fachkräfte sind dort in Lehre und Forschung eingebunden und bringen neben ihrem Fachwissen auch Kenntnisse ausländischer Märkte.

Führender Life Science Standort bleiben

Die Entwicklung am FUHUB steht für einen breiteren Trend: An mehreren Standorten in Berlin entstehen parallel neue Räume für Ausgründungen. Der Campus Berlin-Buch positioniert sich als Zukunftsort für Wissenschaft und Technologie. Das Bayer Co.Lab, Bayers erster europäischer Standort, Ende 2024 eröffnet, verbindet industrielle und startup-getriebene Innovationslogiken. Zusammen senden diese Entwicklungen ein klares Signal: Berlin investiert in die Infrastruktur, die den Übergang von Forschung in wirtschaftliche Wertschöpfung ermöglicht.

Das darf kein Glücksfall bleiben. Infrastruktur ist kein Nebenschauplatz der Innovationspolitik, sie ist ihr Fundament. Wenn Berlin seinen Platz unter den führenden Life Science Standorten der Welt dauerhaft behaupten will, braucht es mehr solcher Orte. Und die politischen Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass sie entstehen und funktionieren.