Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Werber-Kooperative

SideBySide will das Sterben der Werbeagenturen stoppen

Social Media, KI und Konjunkturschwäche machen den Werbeagenturen zu schaffen. Vier Berliner Kreative wagen nun etwas Neues: Sie lassen ihre Kunden die Rosinen picken.

Mann sitzt entspannt auf einem senfgelben Cordsofa, trägt dunkles Langarmshirt, blaue Jeans und weiße Sneaker.

„SideBySide ist keine Agentur, sondern eine Kooperative aus Spezialisten, Agenturen und Technologieexperten", sagt Kurt Georg Dieckert

Die Werbelandschaft in Deutschland steht vor einem Umbruch: Insolvenzen, Schließungen und Sparmaßnahmen prägen das Bild. Traditionsagenturen wie Shanghai Berlin oder Foundry Berlin mussten in diesem Jahr bereits Insolvenz anmelden. In der Branche sei von einem „Artensterben der Agenturen“ die Rede, berichtet Kurt Georg Dieckert, Geschäftsführer der Kreativagentur DieckertJones. Zusammen mit Berliner Kreativen hat Dieckert deshalb einen Gegenentwurf entwickelt: Sidebyside ist keine klassische Agentur, sondern eine Kooperative. 

Frau mit langen, gewellten Haaren trägt ein schwarzes, langärmliges Oberteil und eine Armbanduhr, sitzt vor einem hellen Raum mit Pflanzen und Vorhängen.
SideBySide trennt zwischen kuratiertem Fundament und KI-basierter Produktion: Qualität bleibt in erfahrener Hand, Effizienz entsteht durch klug eingesetzte Technologie.“
Laura Reinkens Managing Partnerin bei Connex Berlin

Der Druck auf die Agenturen ist vielfältig: Für 2026 prognostizieren führende Ökonomen nur noch ein geringes Wachstum von einem Prozent, Insolvenzen häufen sich und Marketingbudgets werden gekürzt. Zudem verändere vor allem KI die Strukturen der Branche massiv, stellt Dieckert fest. Aufgaben, die früher Agenturen erledigten, übernimmt heute der Kunde selbst. Viel Werbung läuft über Social Media. Das übernehmen die Unternehmen oft selbst, wie prominente Berliner Beispiele  zeigen. Laut einer Studie des Berliner Strategieberaters Ricardo dos Santos Miquelino setzen bereits 57 Prozent der deutschen Unternehmen KI ein; 20 Prozent tun es aktiv. In der Folge vermuten immer mehr Auftraggeber, dass Kreativagenturen einen Großteil ihrer Arbeit verdeckt mit KI erstellen.

„Hier wollen wir das Vertrauen wieder herstellen“, sagt Laura Reinkens, Managing Partnerin bei Connex Berlin und Mitgründerin der neuen Kooperative. „Wir legen offen, welche Schritte wir mit KI machen und teilen unser Wissen über die neuesten Tools mit den Kunden“, beschreibt Reinkens den KI-Ansatz von Sidebyside.

Vier Agenturen arbeiten zusammen 

Als Antwort auf diese Herausforderungen schließen sich vier Berliner Spezialisten zu einer Kooperative zusammen: DieckertJones, Connex Berlin, Attention Media und Laura Reinkens mit ihrer Eigenmarke „Laura“. Die Firmen fusionieren dazu nicht, sondern kooperieren. Reinkens und Dieckert beschreiben, wie sie für jedes Projekt ein spezialisiert zusammengestelltes Team bilden. „Unsere Auftraggeber sitzen dabei buchstäblich mit am Tisch und erhalten Transparenz über Prozesse, Entscheidungen und Kosten“, erläutert Reinkens. Dazu bietet Sidebyside seinen Kunden ein neues Preismodell: Um keinen umfangreichen Auftrag rausgeben zu müssen, können Kunden zum Beispiel einen „Strategie- und Planungs-Tagespass“ wählen oder „hop on, hop off“ vier Wochen buchen, danach inhouse weitermachen und erst für die eigentliche Werbekampagne wieder mit Sidebyside weiterarbeiten. 

Person mit hellem Haar sitzt vor einem Laptop an einem Tisch, daneben Glas und Notizblock, im Hintergrund Pflanze und graue Wand.
In Zeiten knapper Budgets braucht es Modelle, die Transparenz, Geschwindigkeit und Qualität verbinden. Mit KI lassen sich Prozesse beschleunigen – aber nur dort, wo sie sinnvoll ist.“
Stephan Campioni Geschäftsführer von Connex Berlin

„Mit dieser Senior Expertise on demand machen wir keine Rabattagentur auf, sondern verdichten die Möglichkeiten“, sagt Reinkens. „Streamlinen statt 200 Seiten Powerpoint“ sei die Devise. Derzeit laufen bereits drei Berliner Projekte. Erster Kunde war die Zugewanderten-Initiative Wahlheymat. „Es geht gar nicht anders, wir müssen etwas ändern“, ist Reinkens überzegt. „Wir sind bereit, diesen Weg zu gehen, und unsere ersten Kunden haben uns bestätigt, dass es ein guter Weg ist.“ 

Wachstum, Wandel und Wettbewerbsdruck

Die deutsche Werbewirtschaft erzielte 2025 rund 26,5 Mrd. € Umsatz, mit einem Branchenrekord von 23.800 Unternehmen und etwa 148.000 Beschäftigten. Wachstum wird prognostiziert – im Durchschnitt 2,1 % jährlich bis 2030 – aber der Wettbewerbsdruck ist enorm. Digitalisierung und Fachkräftemangel treiben neue Modelle und Formen der Zusammenarbeit voran.  

Quellen: ibisworld.com, www.anddossantos.com