Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Interview

pi4-Chef Krinke: „Roboter sind ein Hype – in Berlin und global“

Berlin entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden Hotspot für Robotik und ist mit über 130 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sehr gut aufgestellt. Matthias Krinke, Generaldirektor von pi4 im Gespräch über koffertragende Roboter, das Berliner Robotik-Ökosystem und seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber China.

Ein mittelalter Mann mit Brille und lila Hemd vor einem schwarzen Hintergrund. Es ist der Generaldirektor des Robotik-Unternehmens pi4.

Dem Hype voraus: Matthias Krinke gehört mit seinem Unternehemen zu den Pionieren des Berliner Robotik-Ökosystems.

Herr Krinke, Sie sind mit Ihrem Unternehmen pi4 bereits seit 32 Jahren am Markt – wie sehen Sie die Entwicklung der Robotik in Berlin?

Matthias Krinke: Ich wollte schon immer humanoide Roboter bauen. Am Anfang hat man mich dafür ausgelacht – heute lacht keiner mehr. Die Robotik ist heute sehr weit fortgeschritten. Das liegt natürlich an den weltweiten Datenmengen und der Schnelligkeit, mit der man sie verarbeiten kann. Roboter sind ein Hype – in Berlin und global.

Manche Roboter-Enthusiasten meinen, dass bald jeder einen Roboter zuhause haben kann – was sagen Sie dazu?

Die Technik wird immer ausgefeilter, trotzdem glaube ich nicht, dass man nächstes Jahr in jedem Haushalt einen humanoiden Roboter haben wird – das dauert bestimmt noch zehn Jahre. Selbst wenn jetzt jemand Kampfpreise macht und man bald für ein paar Tausend Dollar einen kaufen kann, ist der ja noch viel zu dumm, und damit letztlich gefährlich. Wenn so ein 70 Kilo schwerer Roboter auf ein Kleinkind fällt, hat man ein echtes Problem.

Man kann die Roboter sowohl in der Software also auch Hardware konfigurieren. Das ist tatsächlich eines unser Alleinstellungsmerkmale, auch gegenüber den chinesischen Mitbewerbern.“
Matthias Krinke Generaldirektor pi4

In Unternehmen sind Roboter hingegen schon heute ein echter Gewinn. In welcher Branche sehen Sie für pi4 derzeit das größte Potenzial?

Wir haben uns in der Vergangenheit rein auf die Fabrikautomation spezialisiert. Der Fokus von pi4 lag auf der Photovoltaik-Branche, Brennstoffzellen oder der Elektroindustrie – so haben wir etwa weltweit Roboter im Einsatz, die die Qualität von Solarmodulen prüfen. Vor sechs Jahren haben wir uns dann für eine Veränderung entschieden. Wir wollten in neue Märkte rein, und der Markt mit dem größten Bedarf ist die Pflege. Daraus entstand die Servicerobotik-Produktlinie für Krankenhäuser und Seniorenheime, für die wir auch Fördergelder bekommen haben.

Ein humanoider Roboter steht neben einem Werbedisplay der Berlinale 2025. Im Hintergrund ist eine Einkaufspassage zu sehen.

Service-Roboter von pi4 tauchen bereits im Berliner Stadtleben auf.

Wie kann man sich diese Roboter in der Pflege vorstellen?

Es geht darum, Pflegekräften Arbeit abzunehmen, nicht wegzunehmen. Das heißt, der Roboter kann einfache Aufgaben übernehmen, wie Kaffee holen, Kühlpacks anreichen, den Weg zum Röntgen zeigen, den Koffer zum Taxi tragen – oder er holt den Patienten ein Snickers vom Kiosk, wenn sie das denn essen dürfen. Wir üben das derzeit ganz praktisch mit unserem „Workerbot 9“, der in einem Berliner Krankenhaus im Einsatz ist und mit Fördermitteln gemeinsam mit der Charité weiterentwickelt wird.              

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Ein koffertragender Roboter klingt nach einer durchaus universell einsetzbaren Service-Maschine.

Man kann die Roboter sowohl in der Software also auch Hardware konfigurieren. Das ist tatsächlich eines unser Alleinstellungsmerkmale, auch gegenüber den chinesischen Mitbewerbern. Das führt dazu, dass wir Roboter in einer Automobilfabrik haben, in einem Co-Workingspace, im Krankenhaus, im Seniorenheim, im Hotel für Catering-Services. Damit haben wir eine sehr universelle Maschine geschaffen, deren Merkmale auch für andere Betriebe interessant sind. Und die Konfiguration läuft schnell: Wir können unseren Roboter in einen Betrieb stellen und sind nach einem Vormittag so weit, dass der Roboter die Umgebung kennt, dass er weiß, wo Kaffeemaschine, Toilette und Besprechungsraum sind, und dass er mit den Gästen kommunizieren kann. So ein Roboter ist keine Zukunftsmusik, den können sie ganz einfach bei mir bestellen.

Mit pi4 sind Sie ein Pionier in der Berliner Robotik-Szene, wie sehen Sie die Entwicklung des Berliner Ökosystems für Robotik?

Es ist toll zu sehen, dass in den letzten Jahren viele neue Firmen dazugekommen sind, leider haben wir in den letzten zwei Jahren, bedingt durch die wirtschaftliche Situation, auch Kollegen verloren. Generell bietet Berlin ein gutes Ökosystem, insbesondere auch durch die vielen Hochschulen und natürlich die BHT mit dem Studiengang humanoide Robotik.