Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Modebranche im Fokus

Berlin Fashion Week: Zwischen kreativer Freiheit und strukturellen Hürden

Wie kann ein Modelabel in Berlin langfristig bestehen? Die Designerin Esther Perbandt zeigt, dass Erfolg hier weniger über schnelle Trends als über Haltung, Kontinuität und unternehmerische Eigenständigkeit entsteht. Über Chancen und Herausforderungen der Berliner Modewirtschaft.

Beine von zwei modisch bekleidete Menschen, die auf der Straße laufen.

Die Fashion Week rückt Berlin als Modestandort ins internationale Rampenlicht

Berlin gilt als Labor für neue ästhetische Ideen und gesellschaftliche Narrative – und zugleich als einer der wichtigsten Modewirtschaftsstandorte Deutschlands. Doch zwischen kreativer Freiheit, steigenden Kosten und fehlenden Strukturen stehen Berliner Modeunternehmen vor großen Herausforderungen.

Mit rund 4.800 Unternehmen, mehr als 25.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro zählt die Hauptstadt zu den wichtigsten Zentren der deutschen Modewirtschaft – mit der höchsten Dichte an Modeunternehmen im Land. Insbesondere das kreative Milieu macht die Stadt für viele junge Designerinnen und Designer attraktiv – doch gleichzeitig bringt es Herausforderungen mit sich, die die Branche und insbesondere kleine Labels immer wieder spüren.

Esther Perbandt: Ganz in Schwarz zum Erfolg

Berlin war nie Paris oder Mailand, hier wird Mode weniger als Glamourgeschäft verstanden, sondern als kultureller Ausdruck. Genau darin sieht Berlinerin Esther Perbandt die besondere Stärke der Stadt. Die Designerin gründete ihr gleichnamiges Label bereits 2004, ist international für ihre konsequent schwarze Ästhetik bekannt und zeigte ihre Kollektionen unter anderem in Paris und New York. Auch während der aktuellen Berlin Fashion Week, vom 30. Januar bis 1. Februar, gilt ihre Show als einer der Höhepunkte. 

Schwarz-Weiß-Porträt einer Frau mit schwarzem Hut vor einer Wand. Es ist CEO und Designerin Esther Perbandt.
Wer versucht, anderen Modestädten zu ähneln, verliert – wer seine Berliner Identität ernst nimmt, gewinnt langfristig.“
Esther Perbandt CEO und Designerin

 „Berlin ist roh, frei und experimentell. Hier entstehen weniger Trends als vielmehr Haltungen,“ sagt Perbandt. Genau diese offene, ungefilterte Atmosphäre habe sie von Anfang an inspiriert – und Berlin zu einem Ort gemacht, an dem Mode als kultureller Ausdruck verstanden werde, nicht nur als Produkt. „Genau darin liegt aber auch die Herausforderung – es ist Fluch und Segen zugleich, “ sagt die Designerin. Die kreative Freiheit gehe oft mit fehlenden wirtschaftlichen Strukturen einher.

Schwar-Weiß-Bild eines Designerladens. Zu sehen sind Designs von Esther Perbandt.

Esther Perbandt ist bekannt für ihre schwarze Ästhetik. Ihre Designs werden aus natürlichen Materialien innerhalb der EU produziert.

Kreatives Experimentierfeld mit Ecken und Kanten

Perbandt konnte in der Anfangszeit nicht auf funktionierende Strukturen für einen nachhaltigen Markenaufbauzurückgreifen, sie fand weder Produktionsnetzwerke noch Vertriebsstrukturen vor. „Als Unternehmerin lernt man hier sehr früh, Verantwortung zu übernehmen, Risiken auszuhalten und Lösungen selbst zu entwickeln.” Erfolg in Berlin entstehe selten über schnelle Effekte, sondern über Kontinuität, Glaubwürdigkeit und Eigenständigkeit. „Wer versucht, anderen Modestädten zu ähneln, verliert – wer seine Berliner Identität ernst nimmt, gewinnt langfristig,“ so die Designerin und Unternehmerin. 

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Den Modestandort Berlin stärken

Dass Mode in Deutschland lange unterschätzt wurde, beobachtet auch Scott Lipinski, CEO des Fashion Council Germany (FCG). Vor neun Jahren übernahm er den Vorsitz des unabhängigen Branchenverbands, der seit drei Jahren die Gesamtorganisation der Berlin Fashion Week verantwortet. „Unsere zentrale Aufgabe ist es, die Interessen der kreativen Modebranche vor Politik und Wirtschaft zu vertreten“, sagt Lipinski. Mode werde hierzulande noch zu oft als „nettes Beiwerk“ wahrgenommen – nicht als Wirtschafts- und Kulturgut mit erheblicher Wertschöpfung. Der Fashion Council Germany setzt deshalb auf Nachwuchsförderung, Bildungsprojekte und Nachhaltigkeitsinitiativen. „Nur wer heute Talente fördert und hält, kann morgen von ihrem Erfolg profitieren,“ so Lipinski.

Porträt-Foto eines Mannes mit Brille vor schwarzem Hintergrund. Es ist Scott Lipinski, CEO der Fashion Council Germany.
Nur wer heute Talente fördert und hält, kann morgen von ihrem Erfolg profitieren.“
Scott Lipinski CEO beim Fashion Council Germany

Senat unterstützt die Branche zunehmend

Das feingliedrige Fördersystem, das der Fashion Council Germany in den vergangenen Jahren etablieren konnte, habe Berlin für junge Designerinnen und Designer zunehmend attraktiver macht. “Wir konnten zum Beispiel die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe dafür gewinnen, jede Saison knapp 20 Marken finanziell zu unterstützen, damit sie eigene Modenschauen realisieren können," so Lipinski. Unternehmerin Esther Perbandt sieht hier ebenfalls großen Bedarf, vor allem hinsichtlich langfristiger Förderstrukturen: "Besonders kleine und mittlere Labels benötigen Unterstützung bei Internationalisierung, Digitalisierung und Produktion in Europa – seit einigen Jahren bewegt sich hier etwas."