Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Gastbeitrag des IHK-Präsidenten

Berlin braucht den Mut zur Expo 2035

Es gibt viele gute Gründe für eine EXPO in Berlin. Nicht zuletzt bringt eine Weltausstellung einen Schub für die innovative und nachhaltige Stadtentwicklung. Es geht nicht um ein Showgelände oder Souvenirs in Beton, sondern kluge Standortpolitik - schreibt der IHK Präsident Sebastian Stietzel.

 Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin

IHK-Präsident Sebastian Stietzel

Als ich in Osaka auf dem Expo-Gelände stand, wurde mir noch einmal sehr klar, was so eine Weltausstellung auslöst: 200.000 Gäste an einem Tag, die sich zum Teil Stunden anstellen, um die neuesten Innovationen der Welt zu entdecken. Wer Gastgeber ist, zeigt, dass er gestalten will.

Noch spannender war für mich der Blick hinter die Kulissen. Wir haben in Osaka mit den Organisatoren gesprochen und deren Motivation war erstaunlich einfach: „Wie können wir der Region Osaka einen Innovationsschub verpassen, eine Transformation?“ Und: „Wie können wir auch die Wirtschaft hier wieder ankurbeln?“ 

Natürlich ist Berlin nicht Osaka. Aber sind das nicht die gleichen Fragen, die wir uns aktuell in Deutschland und Berlin stellen? Genau so muss man über eine Expo reden: nicht als Prestigeprojekt, sondern als Werkzeug.

Foto von Berlin am Ufer mit mehreren Lichtern in der Nacht, welche in Richtung Kamera strahlen
Weltausstellung in Berlin Ein Boost für Berlin: Warum die Expo 2035 in die Hauptstadt gehört
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Jens Bartels

Warum die IHK Berlin so stark dafür wirbt

Es wird oft gefragt, warum wir als IHK uns so deutlich positionieren. Die Antwort ist simpel: Berlin braucht einen Booster. Drei Gründe:

1. Innovation sichtbar machen.
Berlin hat enorme Innovationskraft, aber zu selten eine internationale Bühne. Die Expo bringt internationale Partner, Investoren, Wissenschaft, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammen. Berlin wird zum Treffpunkt der Zukunftstechnologien und der Lösungen für urbane Herausforderungen.

2. Infrastruktur endlich mit Tempo bauen.
Wir sind eine wachsende Stadt und wir wissen alle, wie hoch der Nachholbedarf ist: öffentlicher Nahverkehr, Infrastruktur, Wohnraum, Verwaltungs- und Logistikstrukturen. Projekte ziehen sich. Die Expo zwingt zur Bündelung und klaren Priorisierung mit einem eindeutigen Zieltermin. Und sie macht Investitionen politisch und gesellschaftlich schwerer wegzuducken.

3. Internationale Strahlkraft und Image.

Berlin ist eine Stadt der Freiheit, Vielfalt und Kreativität. Wir können hier mit der Ausrichtung einer Expo einen ganz neuen Impuls setzen, wie sich Berlin international positioniert. Berlin als Labor der urbanen Transformation.

Beispielfoto von der Expo 2035 in Berlin

Visualisierung eines möglichen EXPO-Standortes in Berlin

„Und was bleibt am Ende übrig?“

Oft wird so getan, als sei eine Expo am Ende nur ein auf- und abgebautes Showgelände. Genau deshalb ist das Konzept der Berliner Expo-Initiative so wichtig: von Anfang an so planen, dass möglichst alles bleiben kann.

Auch der Eiffelturm ist aus einer Expo entstanden. Aber es geht nicht um Souvenirs in Beton. Es geht um das, was sowieso gebraucht wird und dann endlich passiert: Infrastrukturinvestitionen in den öffentlichen Nahverkehr, in Wohnobjekte, in Netzausbauten.

Tegel und die Urban Tech Republic sind dafür prädestiniert. Ich bin ein ausgewiesener Unterstützer dieses Innovationsstandorts. Wenn die Expo dort Geschwindigkeit in die Entwicklung bringt, ist das kein Rettungsring, sondern kluge Standortpolitik. 

Architekturgrafik für den Tegel Tech Campus
Nachnutzung des Flughafens Tegel Urban Tech Republic: Zukunftsquartier muss kommen!
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Mateusz Hartwich

Die politische Debatte: Expo gegen Olympia?

Unverständlich ist die zugespitzte Debatte, als müsse Berlin wählen: Expo oder Olympia. Diesen Konflikt sehen wir als Berliner Wirtschaft schlicht nicht. Im Gegenteil: Wer eine Zukunftsdekade ernst meint, denkt Projekte zusammen: Bauausstellung, Expo, 800-Jahr-Feier und Olympia. Dann würden Investitionen nicht einzeln, sondern synergetisch wirken. Und es könnte am Ende tatsächlich passieren, dass Berlin die nachhaltigsten Olympischen Spiele auf die Beine stellt, weil die zentrale Infrastruktur bereits zuvor geschaffen wurde.

Beteiligung der Wirtschaft: Wir sind längst dabei

Die Frage, ob sich die Wirtschaft beteiligen soll, beantwortet sich einfach: Sie tut es schon. Die IHK Berlin hat sich bereits an der Projektgesellschaft beteiligt. Vor allem aber unterstützen viele Unternehmen, Verbände und zivilgesellschaftliche Akteure die Initiative seit Jahren. In Osaka wurde uns berichtet, dass private Investitionen in der Größenordnung des 1,7-Fachen der staatlichen Mittel lagen. Der regionale Effekt ist dabei ein Vielfaches der reinen Investitionssumme, weil Aufträge, Besucherströme und Folgeinvestitionen weit über das eigentliche Budget hinaus Wertschöpfung in unserer Stadt und Region auslösen.

Und aus dem internationalen Umfeld höre ich klare Signale: „Man wünscht sich eine Bewerbung aus Berlin.“ Mehr noch: Es liege „auf dem Silbertablett“ und Berlin habe „sehr, sehr gute Chancen“.

Wer nein sagt, sagt nein zu Tempo. Und das kann sich diese Stadt nicht leisten

Wenn wir diese Chance nicht ergreifen, verlieren wir nicht nur ein Event. Wir verlieren Tempo bei Infrastruktur, Tempo bei Standortentwicklung, Tempo bei internationaler Sichtbarkeit. Natürlich wird Berlin auch ohne Expo weiter innovativ sein. Aber eine Expo wäre der Beschleuniger, der uns heute fehlt.