Strafabgabe für alle Berliner Unternehmen droht!

Ab 2027 droht die Ausbildungsplatzabgabe.

Das Gesetz würde jedes Unternehmen zusätzlich belasten ohne die eigentlichen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Statt mehr Ausbildung drohen mehr Bürokratie, Klagen und Unsicherheit.

Interview mit Daniel-Jan Girl

Wie stehen die Chancen auf eine Expo 2035 in Berlin - das sagt der Initiator

Dieses Jahr entscheidet sich, ob Berlin ins Rennen um die Weltausstellung einsteigt. Der Ideengeber und Unternehmer Daniel-Jan Girl ist von der Sache überzeugt. Hier spricht er über die Chancen der deutschen Hauptstadt, den erhofften Schub für eine innovative und nachhaltige Stadtentwicklung und die Kostenfrage.

Daniel-Jan Girl vor dem Schriftzug EXPO 2035

Der Unternehmer Daniel-Jan Girl engagiert sich ehrenamtlich für die EXPO in Berlin

Die Bewerbungen für die Austragung der Expo 2035 müssen in diesem Jahr beim Buereau International des Expositions (BIE) eingereicht werden. Daniel-Jan Girl plädiert als Aufsichtsratsvorsitzender der Expo 2035 Berlin GmbH dafür, dass Berlin diese einzigartige Chance nutzt. Für die Bundeshauptstadt kann das aus seiner Sicht aus zahlreichen Gründen ein gewaltiger Entwicklungsschritt nach vorn sein.

Sie engagieren sich seit Jahren hartnäckig für die Austragung der Expo 2035 in Berlin. Warum eigentlich?

Ich mache das ehrenamtlich und aus voller Überzeugung für meine Stadt. Ich bin Berliner und glaube, dass vom unglaublichen Potenzial dieser Stadt nur ein Teil abgerufen wird. Eine so große Veranstaltung wie die Expo, die über politische Legislaturen hinausgeht, bietet die Chance, mit vielen ganz unterschiedlichen Kräften gemeinsam ein Projekt voranzutreiben, das für die Zukunftsfähigkeit Berlins entscheidend ist. Ich bin überzeugt, dass die Expo das beste Format dafür ist, weil sie alle Bereiche der Stadt einbinden kann. Deshalb kämpfe ich dafür – und wir sind inzwischen sehr viele. 

Der Senat hält aber eine Bewerbung für die Olympischen Spiele für wichtiger.

Der Regierende Bürgermeister hat eine legitime politische Priorisierung vorgenommen. Das Konzept für die Expo 2035 in Berlin ist ja schon fertig, es trägt sich selbst und kommt aus der Breite der Stadtgesellschaft. Ich wünsche mir für Berlin eine Zukunftsdekade, in der idealerweise drei Großveranstaltungen ausgetragen werden – neben der Expo und den Olympischen Spielen auch die Internationale Bauausstellung. Um die Bewerbung für die Olympischen Spiele besteht aber ein harter innerdeutscher Konkurrenzkampf, und dann folgt der Wettbewerb auf internationaler Ebene. Wenn die Politik die Chancen aufrechterhalten will, muss sie jetzt etwas tun. [Anm. der Redaktion: Kai Wegner sprach sich beim IHK-Kongress am 28. Januar für eine gemeinsame Bewerbung mit Brandenburg in Schönefeld aus].

Das Konzept für die Expo 2035 in Berlin ist ja schon fertig, es trägt sich selbst und kommt aus der Breite der Stadtgesellschaft.“
Daniel-Jan Girl Aufsichtsratsvorsitzender der Expo 2035 Berlin GmbH
Gibt es nicht auch für die Expo viel zu tun?

Natürlich, aber wir haben bereits unsere Hauaufgaben gemacht: ein revolutionäres Konzept, das die gesamte Stadt involviert und die Expo vor allem als Transformationsprozess der nächsten Jahre versteht – wir wollen unseren Standort jetzt selbst wettbewerbsfähig machen. Außerdem gibt es in Deutschland neben Berlin keine weiteren Bewerber und offenbar auch in ganz Europa noch nicht. Unsere asiatischen Konkurrenten haben höchstwahrscheinlich schlechtere Chancen, weil die letzten drei Expos bereits in Asien waren. Berlin hat also beste Aussichten, die Expo 2035 zu bekommen

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Fabian Nestler
Könnte es die Stadt nicht auch überfordern, drei so große Events in einer Dekade auszutragen?

Im Gegenteil. Die drei Events ergänzen sich sehr gut und bauen aufeinander auf, inhaltlich und zeitlich. Wir brauchen zunächst eine funktionierende Stadt, das kann die Expo anstoßen. Auch dürfen wir nicht die 800-Jahr-Feier Berlins im Jahr 2037 vergessen. Welche Geschichte wollen wir da erzählen? 

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Fabian Nestler
Sie haben kürzlich mit Dimitri Kerkentzes, dem Generalsekretär des BIE, geredet, als er in Berlin war. Wie steht er zu einer Bewerbung Berlins?

Er würde sich sehr freuen, wenn es wieder eine Bewerbung aus Europa, insbesondere aus Deutschland, gäbe. Vor allem würde er sich darüber freuen, wenn Expos wieder Zukunft in der Realität zeigen. Soll heißen: Für die letzten Expos wurden Flächen in der Wüste oder auf künstlichen Inseln hergerichtet. In Berlin soll die Stadt selbst mit uns allen zur Expo werden. Das ist ohnehin viel spannender für Besucher, aber noch viel motivierender für uns alle, wenn wir in all unseren verschiedenen Projekten und Engagements an einer gemeinsamen Sache arbeiten können.

Im Jahr 2000 fand die Expo in Hannover statt. Heute wird Kritik aufgrund des hohen finanziellen Defizits und misslungener Nachnutzungen der Pavillons geäußert. Schreckt das Beispiel ab?

Die Expo 2000 in Hannover hatte ein ganz anderes Ziel, und zwar die Erweiterung des Messegeländes sowie die Entwicklung Mitteldeutschlands nach der Wiedervereinigung. Das hat auch funktioniert. Die Hannoveraner sind zu Recht sehr stolz auf ihre Entwicklung in den letzten 25 Jahren. Hannover hat auch aufgrund der Expo unter anderem den bestausgebauten ÖPNV Deutschlands und hat insgesamt auch an Bedeutung wesentlich gewonnen. Außerdem haben wir ein vollständig anderes Konzept, das unsere Stadt vor allem durch uns alle zum Funktionieren bringen soll und sich für uns nur rechnen kann.

Warum?

Hannover hat das Ziel verfolgt, das Messegelände und die Infrastruktur dafür auszubauen. Berlins Expo-Konzept ist das Gegenteil: Wir sind eine Bottom-up-Bewegung, wir als Stadtgesellschaft fordern unsere Zukunftsfähigkeit insgesamt ein. In Hannover war es eine politische Entscheidung, in Berlin bringen wir das Konzept als Zivilgesellschaft voran und haben den Anspruch, den Großteil der Investitionen selbst zu finanzieren. Die Expo 2035 trägt sich selbst. Wir rechnen mit Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro durch den Verkauf von Tickets und Vermarktungsrechten. Die Expos in Mailand oder jetzt in Osaka waren ähnlich erfolgreich

Wir wollen eigentlich gar keine Expo bauen, sondern endlich die vielen vorhandenen Pläne und Projekte umsetzen, also die Expo nur als Beschleuniger nutzen“
Daniel-Jan Girl Vorsitzender Global Goals for Berlin
Wie wollen Sie eine sinnvolle Nachnutzung der Pavillons sicherstellen?

Wir wollen eigentlich gar keine Expo bauen, sondern endlich die vielen vorhandenen Pläne und Projekte umsetzen, also die Expo nur als Beschleuniger nutzen – zum Beispiel die ohnehin in Tegel geplante 
Bebauung durch die Expo beschleunigen und finanzieren oder zum Beispiel dem ICC durch die Expo zu neuem Leben verhelfen. Es steht von vornherein die anschließende Nutzung der Pavillons als Produktions- und Industrieflächen, als Büros oder Wohnungen im Vordergrund.

Auf dem Bild ust ein Mann mit Brille und blauem Anzug zu sehen, der in einer futuristisch anmutenden Halle steht.
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Christian Nestler
Sie wünschen sich also mehr Tempo in der Stadt?

Mir fallen unzählige Projekte in der Stadt ein, die seit Jahren nicht vorankommen. Wir wollen im Rahmen der Expo ein Innovationsbeschleunigungsgesetz haben, das ganz Berlin zu einer Sonderinnovationszone macht. Ich rede nicht nur vom ICC oder von Tegel, es geht mir auch darum, dass es generell viel einfacher wird, überall in der Stadt Projekte schnell in die Umsetzung zu bekommen, wie Solarzellen für den Balkon, Mooswände zur CO2-Aufnahme an Straßenrändern zu installieren, Trams ohne Oberleitung oder endlich für eine ausreichende E-Ladeinfrastruktur zu sorgen. Gerade bei Innovation ist doch Geschwindigkeit entscheidend. Berlin darf nicht zum Museum der Ideen werden, sondern zur Ausstellungsfläche von marktfähigen Produkten der notwendigen Transformation.

Schielen Sie mit einem Innovationsbeschleunigungsgesetz nicht wieder auf öffentliche Gelder?

Nein, solche Projekte scheitern sehr oft nicht am Geld, sondern an zermürbenden Genehmigungsprozessen. Wenn wir wollen, dass Staaten wie China oder die USA uns nicht überall haushoch überlegen sind, müssen wir doch endlich heute unsere Ideen und Lösungen in der Realität anwenden. Unsere gesamte Stadt kann zu einem Reallabor werden, in dem weltweit gesuchte Lösungen durch konkrete Projekte und Produkte marktfähig gemacht werden.

Dem stehen aber auch Bundesgesetze entgegen.

Richtig. Die Expo-Bewerbung ist auch eine Entscheidung der Bundesregierung. Auf Bundesebene muss das Interesse bestehen, in der Bundeshauptstadt etwas voranzubringen. Aber die Voraussetzung ist natürlich, dass wir hier in Berlin auf allen relevanten Ebenen die Lust auf ein solches Event haben. Wir haben aber schon viel erreicht. Mehr als 1.000 Vereine, Verbände, Institutionen und Initiativen haben sich bereits für eine Expo ausgesprochen. Auch im Sport glauben viele, dass die Expo die bestmögliche Vorbereitung für Olympische Spiele ist. 

Die Voraussetzung ist natürlich, dass wir hier in Berlin auf allen relevanten Ebenen die Lust auf ein solches Event haben“
Daniel-Jan Girl Aufsichtsratsvorsitzender der Expo 2035 Berlin GmbH
Was würde die Expo volkswirtschaftlich bringen?

In Osaka sind durch die Expo Zehntausende neue Jobs entstanden. Die Unternehmensberatung PwC hat errechnet, dass eine Expo in Berlin 22 Milliarden Euro zusätzliches Bruttoinlandsprodukt in Deutschland erzeugen würde. Die Investitionsbank Berlin schätzt, dass davon zehn Milliarden in der Hauptstadtregion verbleiben würden. Das Gute: Der Impuls würde sofort anspringen, weil wir jetzt investieren, nicht erst, wenn die Expo stattfindet. Die größere Gefahr bestünde nicht im mutigen Handeln, sondern im Zögern. Wenn wir unsere Chancen jetzt nicht nutzen, riskieren wir, sie am Ende ganz zu verpassen.

Daniel-Jan Girl

Ehrenamtlich engagiert sich Daniel-Jan Girl als Vorstandsvorsitzender des Vereins Global Goals for Berlin sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Expo 2035 Berlin GmbH für die Expo 2035 in Berlin. Von September 2021 
bis Juni 2022 war er Präsident der IHK Berlin. Er hat mehrere Firmen gegründet. Unter anderem ist er CEO der DGMK Deutsche Gesellschaft für multimediale Kundenbindungssysteme mbH