Berliner Wirtschaft Oktober 2026

bar bezahlen – entscheidend ist, gemeinsam eine Lösung zu finden“, so Voigt. Für Kundinnen und Kunden sowie die Mitarbeitenden sollte sich durch den Eigentümerwechsel zunächst möglichst wenig verändern. „Nach dem MBO haben wir drei Monate erst einmal genau das Gleiche gemacht wie vorher – außer das Klingelschild zu ändern“, erinnert sich Voigt. Das Führungsteam setzte dabei auf Kontinuität und Kommunikation. „Für unsere Kunden- und Partnerunternehmen war das MBO gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war, unseren Mitarbeitenden zu vermitteln, warum wir diesen Schritt gehen und welche Möglichkeiten sich dadurch für das Unternehmen und jeden Einzelnen eröffnen.“ Für Sebastian Voigt hat sich der Schritt gelohnt. Die Chancen der neuen Eigentümerstruktur überwiegen für ihn die Risiken. „Als Unternehmer steckt man noch mehr Leidenschaft hinein als ein Konzernangestellter – mit allen Risiken und mit allen Chancen“, sagt er. Heute trägt das Management nicht nur die Verantwortung für das Unternehmen, sondern gestaltet auch dessen Zukunft selbst. ■ Eigentümerwechsel veränderte nicht die Zusammenarbeit, sondern lediglich die Rollen. Axel Springer bleibt ein wichtiger Partner von hy Consulting. „Es war ein sehr familiäres Auseinandergehen. Wir arbeiten auch weiterhin zusammen und unterstützen uns gegenseitig.“ Kreativität in der Lösungsfindung Diese partnerschaftliche Haltung zog sich auch durch die Verhandlungen über die Finanzierung. Ziel war es, eine Lösung zu finden, von der beide Seiten profitieren. „Wenn man so einen Kaufpreis verhandelt – selbst wenn man ihn auf mehrere Schultern verteilt –, bekommt man ihn vermutlich nicht einfach über die eigene Sparkasse finanziert“, sagt Voigt. Gemeinsam entwickelten Käufer und Verkäufer deshalb ein Modell, bei dem ein Teil des Kaufpreises direkt bezahlt wurde, ein weiterer über künftige Beratungsleistungen für Axel Springer und ein weiterer über spätere Dividenden finanziert wird. So bleibt der Erfolg beider Unternehmen miteinander verknüpft. „Diese Kreativität in der Lösungsfindung hat uns sehr geholfen. Man muss nicht alles sofort Fünf Erfolgsfaktoren für ein ManagementBuy-out Ein MBO bietet Unternehmen große Chancen, bringt aber auch Risiken mit sich. 1 Frühzeitig ins Gespräch gehen. Ein MBO braucht Zeit. Wer früh plant, schafft Vertrauen und Handlungsspielraum. 2 Partnerschaftlich verhandeln. Gemeinsame Lösungen führen oft schneller zum Ziel als harte Fronten. 3 Win-win-Lösungen entwickeln. Entscheidend ist eine Einigung, von der beide Seiten profitieren. 4 Finanzierung flexibel gestalten. Neben klassischen Krediten können individuelle Modelle den Eigentümerwechsel erleichtern. 5 Mitarbeitende mitnehmen. Offene Kommunikation schafft Vertrauen und macht die Chancen des Eigentümerwechsels greifbar. Jana Pintz, IHK-Fachreferentin Unternehmensnachfolge Tel.: 030 / 315 10-582 jana.pintz@berlin.ihk.de Drei Jahre lang wurde das Verfahren in Gesprächen vorbereitet (gr. Foto). Die Partner der hy Consulting Group: Anne Schlösser, Steffen Vollmerding, Sebastian Herzog, Sebastian Voigt, Frank Gehrig und Amadeus Petzke (v. l.) Gesellschaftsrecht | 61 Berliner Wirtschaft 10 | 2026

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