Der Stadt fehlen Wohnungen – daran ändert Vergesellschaftung nichts, wie die Kampagne „Berlin denkt weiter“ deutlich macht von Milena Fritzsche Berlin braucht mehr Wohnraum Sebastian Stietzel. Deshalb startete die IHK Berlin Anfang August gemeinsam mit der Handwerkskammer Berlin, den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg und dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller die Kampagne „Berlin denkt weiter“. Sie informiert über die wirtschaftlichen Folgen einer Vergesellschaftung und macht deutlich, welchen Beitrag Unternehmen für die Stadt leisten. Unterstützt wird die Kampagne von 20 weiteren Organisationen und Verbänden, und sie war bis in den September hinein auf Großflächenplakaten, digitalen Screens sowie in Online- und Printmedien präsent, um zu zeigen: Statt neuen Wohnraum zu schaffen, verändert eine Vergesellschaftung lediglich die Eigentumsverhältnisse. Die finanziellen Risiken sind dagegen erheblich: Für Berlin stehen Entschädigungskosten von bis zu 36 Mrd. Euro im Raum. Milliarden, die an anderer Stelle fehlen und nicht in die tatsächliche Erweiterung des Wohnungsangebots fließen können. Für mehr Wohnraum braucht Berlin Investitionen, wirtschaftliche Dynamik und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Berliner Unternehmen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag: IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner verweist auf 1,7 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und mehr als drei Mrd. Euro allein an Gewerbesteuer, die Berliner Unternehmen zahlen. „Eine funktionierende und wachsende Wirtschaft ist das Fundament für eine funktionierende und wachsende Stadt“, sagt Schreiner. Welche Weichen Berlin dafür stellt, wird auch in den anstehenden Koalitionsverhandlungen entschieden. ■ E s sollte Konsens darüber bestehen, dass Berlin dringend mehr Wohnraum braucht. Der Wahlkampf in der Hauptstadt hat jedoch gezeigt, wie groß die Uneinigkeit über den Weg dorthin ist. Bereits im Juli erteilte der Bundeskanzler Vergesellschaftungen eine klare Absage: „Wir werden die Verstaatlichung privater Wohnungsbaugesellschaften und Mietwohnungen durch Vergesellschaftungsgesetze unterbinden.“ Sind damit Vergesellschaftungsdiskussionen vom Tisch? Mitnichten. Im Berliner Wahlkampf war es eines der Hauptthemen. Für die Berliner Wirtschaft ist das mehr als eine wohnungspolitische Frage. Es geht um Privateigentum, unternehmerische Freiheit und die Verlässlichkeit Berlins als Investitionsstandort. „Die Vergesellschaftungsdebatte setzt wirtschaftspolitisch ein höchst riskantes Signal und schreckt Investoren ab“, sagt IHK-Präsident Sebastian Stietzel IHK-Präsident Die Vergesellschaftungs- debatte setzt wirtschaftspolitisch ein höchst riskantes Signal und schreckt Investoren ab. IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner vor einem der Plakate zur Kampagne „Berlin denkt weiter“ FOTO: IHK BERLIN/FABIAN NESTLER Kampagne | 17 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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