Berliner Wirtschaft Juni 2026

Mehr bauen statt bremsen Neubau ist ein blinder Fleck im Berliner Wahlkampf. Für bezahlbare Mieten muss das Wohnungsangebot wachsen, nicht die Diskussion über neue Regulierungen Mieten und Wohnen sind das zentrale Wahlkampfthema 2026. Aber die politische Debatte fokussiert sich fast ausschließlich und mit zunehmender Schärfe auf zusätzliche Regulierung und teils massive Eingriffe in die unternehmerische Freiheit. Dabei ist und bleibt die entscheidende Stellschraube für bezahlbares Wohnen ein ausreichendes Angebot. Ohne neuen Wohnraum bleibt jede Regulierung ein zu kleines Pflaster auf einer immer weiter klaffenden Wunde. Der Berliner Senat hat in der zu Ende gehenden Legislatur gezeigt: Fortschritte sind möglich, wenn Politik, Verwaltung und Praxis zusammenarbeiten. Das Schneller-Bauen-Gesetz schafft wichtige Ansätze, um Verfahren zu straffen und zu beschleunigen. Der sogenannte Bauturbo wurde in Berlin mit Verwaltungsleitfäden erstaunlich zügig operationalisiert. Mit „Einfach Bauen Berlin“ sind jetzt die Baukosten im Blick – ein überfälliger und unerlässlicher Schritt, denn die Baupreise steigen weiter. In den Anfangsmonaten 2026 lagen sie in Berlin erneut rund fünf Prozent über dem Vorjahr. In Kombination mit hohen Zinsen und regulatorischen Anforderungen ist Wohnungsneubau für viele Akteure wirtschaftlich kaum noch darstellbar. Wer bezahlbar bauen will, muss an die Kosten ran – dann sinken am Ende die (Neubau-)Mieten. Das auf den Weg gebrachte Gesetz für einfaches Bauen setzt genau hier an: Weniger technische Anforderungen, flexible Standards und eine stärkere Ausrichtung am Gebäudetyp E sind richtig. Entscheidend wird die konsequente Umsetzung sein. Dafür braucht es die angekündigten untergesetzlichen Maßnahmen zur Flankierung des Gesetzes in der Praxis. Diese Legislaturperiode zeigt: Wenn alle an einem Strang ziehen, sind Verbesserungen möglich, auch wenn der eingeschlagene Weg noch nicht zu Ende ist. Die nächste Landesregierung wird sich daran messen lassen müssen, ob sie die begonnenen Reformen konsequent fortführt und die Umsetzung sicherstellt. Wer es ernst meint mit bezahlbarem Wohnen, muss die Rahmenbedingungen für den Neubau dauerhaft verbessern – verlässlich, wirtschaftlich tragfähig und frei von unnötiger Komplexität. Es bleibt zu hoffen, dass die zarten Pflänzchen „schnelles und einfaches Bauen“ des scheidenden Senats nicht in der Hitze der Debatten um Mietenbegrenzung und Vergesellschaftung vertrocknen und in Vergessenheit geraten. Am Ende gilt: Bezahlbare Mieten entstehen nicht durch mehr Regulierung, sondern durch ausreichendes Angebot. Dafür braucht es vor allem eines – den politischen Willen, den Wohnungsbau aus der Regulierungsspirale zu befreien und wieder Luft zum Atmen zu geben. ■ Meinung In der Kolumne „Auf den Punkt“ positionieren sich im monatlichen Wechsel Mitglieder des Präsidiums zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen aus ihrer persönlichen Sicht. präsidiumsmitglieder beziehen stellung Thomas Groth ist Geschäftsführer der Groth Gruppe und Präsidiumsmitglied der IHK Berlin FOTO: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR Auf den Punkt | 13 Berliner Wirtschaft 06 | 2026

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