andernfalls entwickeln sich Subkulturen einzelner Zuwanderergruppen. Rekrutieren Sie mithilfe von Dienstleistern? Nein, das machen wir selbst. Wir haben ständig zwei Leute, Sourcer genannt, im Einsatz. Die suchen auf den großen internationalen Plattformen wie LinkedIn, wer zu uns passen könnte. Warum geht die Einwanderung nicht schneller? Es ist grundsätzlich nicht so richtig klar, wer was macht. Es gibt die Arbeitsagentur und das Landeseinwanderungsamt, in und zwischen den Behörden aber wenig geradlinige und belastbare Kommunikation und erst recht keine überzeugende Digitalisierung. Außerdem gibt es Hilfsangebote und Verfahren wie den Business Immigration Service, das beschleunigte Fachkräfteverfahren und den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. Alle diese Behörden haben das gleiche Ziel, nämlich Fachkräfte schnell in Unternehmen zu platzieren. Unser Eindruck ist aber, dass es zwischen ihnen wenig oder gar keine Abstimmung gibt. Es gibt selten verbindliche Aussagen. Manchmal ist es wie in einem Labyrinth. Also helfen die Hilfsangebote nicht wirklich? Sie können durchaus hilfreich sein, wenn man damit umzugehen weiß und sich ein gutes Netzwerk aufbaut. Mittlerweile kommen wir über den Business Immigration Service in bestimmten Ländern ein bisschen schneller an den Hürden vorbei. Aber nach meinem Verständnis sollte man nicht gut darin sein müssen, die Dienste in Anspruch zu nehmen, sondern diese Hilfsangebote sollten auch für kleine Firmen schnell effektiv sein. Wie weit sind Prozesse digitalisiert? Das Verständnis von Digitalisierung besteht darin, dass die Möglichkeit zum Hochladen von PDF-Dateien angeboten wird. Also laden wir Aufenthaltstitel, den Arbeitsvertrag sowie diverse Erklärungen, Bescheinigungen und Anmeldungen hoch – das ist Papierkrieg per PDF. Dadurch wird nichts wirklich besser. Was unternehmen Sie, um neue Mitarbeiter aus dem Ausland zu integrieren? Wir stecken sehr, sehr viel Arbeit in die Integration. Das sind vielfältigste Aufgaben. Wir kümmern uns beispielsweise um Deutschkurse, geben Tipps für die Eröffnung eines Bankkontos. Wir haben Vereinbarungen mit Krankenkassen, von denen wir wissen, dass sie auch in Englisch kommunizieren können und schnell Anträge bearbeiten. Häufig wandern auch die Familien mit ein. Das heißt, wir helfen auch bei der Wahl der Schule, der Kita und so weiter. Es gibt in der Stadt für internationale Fachkräfte wenig sonstige Anlaufstellen. Die Hilfestellungen müssen Unternehmen leisten. Aber das größte Problem ist oft die Wohnungssuche. Dabei helfen Sie auch? Ja, das müssen wir in vielen Fällen tun. Die Suche ist einfacher, wenn man als Unternehmen auftritt. Wir erleben immer wieder, wie krass die Wohnungsproblematik ist. Das ist ein Riesenproblem, insbesonAiga Senftleben ist Rechtsanwältin und bei Billie für alle rechtlichen Themen zuständig Berlin hat immer noch eine enorme Strahlkraft, die ziemlich gut Talente anzieht. Aiga Senftleben Co-Geschäftsführerin Billie GmbH FOTO: AMIN AKHTAR FOKUS | Fachkräfte gewinnen | 28 Berliner Wirtschaft 05 | 2026
RkJQdWJsaXNoZXIy MzQwNTQxOQ==