Berliner Wirtschaft Mai 2026

Aiga Senftleben Mitgründerin und Geschäftsführerin 2017 hat Aiga Senftleben mit Dr. Matthias Knecht und Dr. Christian Grobe die Billie GmbH gegründet. Sie verantwortet unter anderem die Themen Finanzmarktregulierung, Unternehmenskultur und strategische Personalentwicklung. Die Billie GmbH ist ein europäischer Anbieter für den B2B-Rechnungseinkauf. Dafür ist das Fintech auf Spezialisten aus dem Ausland angewiesen. Bis eine internationale Fachkraft nach der Vertragsunterzeichnung aber in der Firma eingesetzt werden kann, vergehen oft viele Monate. Das ist unnötig lang, meint Billie-Geschäftsführerin Aiga Senftleben. Berliner Wirtschaft: Warum finden Sie in Berlin nicht genügend Fachkräfte? Aiga Senftleben: Es ist in Berlin, aber auch in ganz Deutschland sehr schwer, Talente zu finden, die bereits über eine ausreichende Spezialisierung für unser Geschäft verfügen. Deshalb rekrutieren wir in sehr vielen Ländern. Ich kann es auch in Zahlen ausdrücken: Von unseren rund 130 Mitarbeitern kommen knapp 80 aus dem Ausland – 30 aus EU- und 50 aus sonstigen Staaten. Derzeit arbeiten Menschen aus 33 Nationen für uns. Ist die Ausbildung denn in den anderen Staaten besser? Wir brauchen vor allem Software-Architekten und Data Scientists, die ihren Fokus auf Finanztechnologien gerichtet haben. Dafür gibt es an Berlins Hochschulen keine ausgeprägte Spezialisierung. Noch wichtiger ist aber, dass wir Kandidaten suchen, die schon Berufserfahrung mitbringen. Diese Qualifikationen sind generell schwer zu finden. Im Ausland wird aber ein bisschen praxisnäher ausgebildet. Gibt es Länder, aus denen Sie besonders viele Talente holen? Eigentlich nicht, das ist sehr weitläufig. Wir stellen aber schon fest, dass wir oft sehr gute Leute aus Osteuropa sowie aus Indien und Pakistan holen. Wie lange dauert es, bis Sie neue Stellen besetzen? Wir unterscheiden zwischen der Zeit bis zur Vertragsunterzeichnung und der Zeit, die danach noch verstreicht, bis wir die neuen Leute wirklich bei uns haben. Die erste Phase, die Time-to-hire, beträgt beispielsweise bei Data Scientists etwa zwei Monate. Die Zeit der Einwanderung danach schwankt je nach Land sehr stark. Bei Fachkräften aus den Philippinen, der Türkei oder Pakistan müssen wir mit mindestens vier Monaten rechnen. Was genau verzögert die Einwanderung? Der gesamte Prozess ist unglaublich langwierig. Die neuen Fachkräfte brauchen erst einen Termin in der jeweiligen deutschen Auslandsvertretung, dann ein Visum, dann müssen sie hier noch ein Anerkennungsverfahren durchlaufen. Für kleinere Firmen ist es sehr herausfordernd, sich mit diesen Prozessen in vielen Ländern auseinanderzusetzen. Warum spezialisieren Sie sich nicht auf die Rekrutierung in einem Land? Weil es dieses eine Land, das uns alle benötigten Fachkräfte liefern kann, nicht gibt. Außerdem ist es besser, in heterogenen Teams zu arbeiten, „Manchmal ist es wie in einem Labyrinth“ Die Billie GmbH braucht internationale Fachkräfte. Nach Ansicht von Geschäftsführerin Aiga Senftleben machen Bürokratie und fehlende Digitalisierung die Rekrutierung aber unnötig schwer von Michael Gneuss » FOTO: AMIN AKHTAR Fachkräfte gewinnen | 27 Berliner Wirtschaft 05 | 2026

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