Berliner Wirtschaft April 2026

resses an Resilienz und strategischer Autonomie wächst deshalb das Interesse an einem europäisch kontrollierten digitalen Zahlungsmittel. Ein weiterer Aspekt betrifft die Kostenstruktur. Kartenzahlungen und andere private Zahlungsdienste verursachen je nach Transaktionsart teils erhebliche Gebühren. Dies belastet insbesondere Handel und Unternehmen, zumal Verbraucherinnen und Verbraucher unbare Zahlungsformen zunehmend erwarten. Der Bundesbank-Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland“ zufolge wurde im Jahr 2023 rund die Hälfte aller Transaktionen unbar ausgeführt; gemessen am Umsatz, lag der Anteil bei 74 Prozent. Die EZB strebt mit dem digitalen Euro eine kostengünstige, im gesamten Euroraum akzeptierte Zahlungsoption an, die den Wettbewerb stärkt und Unternehmen entlastet. Gegenwärtig durchlaufen Zahlungsdaten bei jeder Transaktion zahlreiche Stationen – an denen sie jeweils potenziell abgeschöpft werden können. Der digitale Euro soll schon wegen der kürzeren Wege ein hohes Datenschutzniveau gewährleisten. Für Zahlungen von Person zu Person ist zudem eine Offline-Funktion vorgesehen, bei der nur Sender und Empfänger die Transaktion kennen. Damit soll ein digitaler Zahlungsverkehr ermöglicht werden, der in seinem Datenschutzcharakter dem Bargeld ähnelt. Für den Handel werden digitale Zahlungen günstiger. Während die genaue Gebührenstruktur im ersten Halbjahr 2026 noch politisch diskutiert wird, ist grundsätzlich zu erwarten, dass die Gebühren am unteren Ende der aktuellen Gebührenskala privater Wettbewerber liegen werden. Unternehmen mit hohem Logistikbezug können Zahlungen stärker automatisieren, indem sie konditionelle Zahlungen einrichten: Erreicht eine Lieferung das Lager und wird gescannt, kann die zugehörige Zahlung ausgelöst werden. Auch die Integration in Smart Contracts, Pay-per-Use oder Micropayments erweitert für viele Betriebe die Möglichkeit, neue Produkte oder Nutzungen günstig anzubieten. Unternehmen aller Branchen profitieren so vom digitalen Euro als einheitliches, grenzübergreifendes Zahlungsmittel für virtuelle Transaktionen im gesamten Euroraum. Einführung bis 2029 noch ungewiss Doch nicht alle sehen im digitalen Euro nur Vorteile. Seine Einführung berührt beispielsweise das Geschäftsmodell von Banken und Sparkassen. Da Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und sonstige Organisationen künftig direkten Zugang zu digitalem Zentralbankgeld erhalten könnten, sorgen sich die Kreditinstitute um eine Verlagerung von Einlagen. Auch die Finanzierungsfrage ist noch offen. Während die laufenden Betriebskosten des digitalen Euro nach Einschätzung der EZB vergleichbar mit denen der Bargeldinfrastruktur sein dürften, ist insbesondere umstritten, wer die einmaligen Investitionskosten tragen soll. Aktuell laufen die politischen Verhandlungen auf europäischer Ebene. Sollte es dort noch im Jahr 2026 zu einer Einigung kommen, könnte der digitale Euro 2029 Realität werden. Die IHK-Organisation wird den Prozess weiterhin begleiten und die Unternehmen regelmäßig über den aktuellen Stand informieren. ■ Tobias Rühmann, IHK-Key-Account- Manager Immobilien- und Finanzwirtschaft Tel.: 030 / 315 10-621 tobias.ruehmann@ berlin.ihk.de 74 % unbare Transaktionen – diesen Wert ermittelte die Bundesbank für das deutsche Zahlungs- verhalten im Jahr 2023. ILLUSTRATION: GETTY IMAGES Geldverkehr | 57 Berliner Wirtschaft 04 | 2026

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