Berliner Wirtschaft April 2026

wird nicht investiert, weder im Wohnbau noch in Anlageinvestitionen – und als baunaher Großhandel betrifft uns das direkt.“ Der B2B-Elektrogroßhandel Obeta mit Sitz in der Motzener Straße in Berlin-Marienfelde ist mit 60 Filialen bundesweit aktiv und beliefert lokal und regional agierende Kunden aus dem Elektrohandwerk, Industrieunternehmen, Servicedienstleister und öffentliche Auftraggeber. 85 Auszubildende erlernen ihren Beruf in dem Traditionsunternehmen. Die ganze Bandbreite bedienen Auch wenn immer wieder von einem Umbruch im Bau die Rede ist, ist Dirk Jandura für seinen Betrieb verhalten optimistisch: „Es gibt Hinweise auf diese Trendwende. Die Bundesregierung hat mit dem Bauturbo ein recht pfiffiges Instrument geschaffen, wie man den Bau beschleunigen kann – bei uns ist das allerdings noch nicht angekommen.“ Jandura geht davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis der Effekt daraus erkennbar sein wird. „Stand jetzt können wir nicht von einem Aufwärtstrend reden, höchstens von einer Bodenbildung.“ Anlass zur Hoffnung auf große Sprünge gebe es also nicht: „Dazu ist die Bundesregierung zu zaghaft. Ich hätte mir da etwas herzhaftere Reformen gewünscht, mit mehr Tempo und mehr Fokus auf den Mittelstand. Die Richtung stimmt zwar, aber mehr Geschwindigkeit wäre gut gewesen.“ Dass sich Obeta trotz aller Herausforderungen am Markt halten kann, liegt an der breiten Aufstellung, so der Geschäftsführer: „Wir kommen durch die aktuell schwierige Zeit relativ gut, weil wir die ganze Bandbreite des Elektrohandwerks bedienen – wir beliefern Betriebe mit Hunderten Installateuren ebenso wie den Einzelkämpfer, der einen Durchlauferhitzer oder Schalter ersetzt.“ Gebaut wird gerade nicht viel, dafür aber nach wie vor repariert. So bearbeitet man zur Zeit eben viele kleinere Aufträge ohne lange Vorlaufzeit und hält sich somit solide über Wasser. Die Hände in den Schoß legen und auf bessere Zeiten hoffen – das war bei Obeta ohnehin noch nie Unternehmensstrategie. Trotz schwieriger Auftragslage wird für das neue Geschäftsjahr und darüber hinaus viel geplant, so Jandura: „Wir eröffnen in diesem Jahr zwei neue Filialen im westlichen Vertriebsgebiet. Außerdem investieren wir stark in die Logistik. Dabei arbeiten wir während des laufenden Geschäfts sowohl an der Kapazitätserweiterung wie an der Geschwindigkeit. Das sind große Projekte, die sehr gute Planung erfordern.“ Es ist nicht das erste Mal, dass das Unternehmen gerade dann investiert, wenn es sonst keiner tut. „In unserer Firmengeschichte haben wir häufig antizyklisch gehandelt und sind immer gut damit gefahren”, erklärt Jandura. „So haben wir in den Jahren 2012/2013 trotz großer Krise am Markt für über 20 Mio. Euro eine vollautomatisierte Logistikhalle in Ludwigsfelde gebaut – dieser Mut hat sich voll ausgezahlt.“ Die Belegschaft halten Trotz langer Tradition setzt Obeta voll auf die Zukunft, vor allem auf nachhaltige Lösungen. „Wir definieren uns als Lieferanten der Energiewende, allein schon deshalb bleiben wir mutig und zuversichtlich“, so Jandura. Diese Zuversicht zeigt sich auch hinsichtlich der Belegschaft; auf Entlassungen versucht man bei Obeta möglichst zu verzichten. „Wir müssen jetzt einfach durch die Krise. Der Arbeitsmarkt hat sich derzeit stark entspannt, er ist aber immer noch eng“, beschreibt Jandura das Vorgehen. „Wenn die Konjunktur wieder anzieht, könnte es wieder schwierig werden, Arbeitskräfte zu kriegen – deshalb wollen wir die Belegschaft halten.“ ■ Simone Blömer, IHK-Key-Account- Managerin Handel, Tourismus und Gastgewerbe Tel.: 030 / 315 10-432 simone.bloemer@berlin.ihk.de Dr. Dirk Jandura Geschäftsführer Oskar Böttcher GmbH & Co. KG Die Bundesregierung hat mit dem Bauturbo ein recht pfiffiges Instrument geschaffen, wie man den Bau beschleunigen kann – bei uns ist das allerdings noch nicht angekommen. FOTOS: MANUEL WEIDT, OBETA Elektrogroßhandel | 43 Berliner Wirtschaft 04 | 2026

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