zubauen, dass sie nicht nur gut aussieht, sondern auch messbar Wirkung zeigt. Extrem wichtig ist dabei ihrer Meinung nach die Vernetzung in der Berliner Designwirtschaft. So holten sich viele Studios und Agenturen die Expertise von spezialisierten Freelancern ins Haus. „Gerade bei größeren Projekten entsteht Zusammenarbeit oft auch in Form von Bietergemeinschaften oder strategischen Partnerschaften, weil komplexe Anforderungen nicht immer von einer Agentur allein abgedeckt werden.“ Auch durch alle möglichen Branchentreffen und Netzwerke bekomme man früh Einblicke in neue Entwicklungen und werde fachlich inspiriert. „Berlin hat ein unglaublich breites und gutes Spektrum an Designschaffenden aller Bereiche und Größen“, konstatiert Flip Sellin, CEO und Design Director der Coordination SG Design GmbH. Die Firma, die er 2004 mit dem Architekten Jochen Gringmuth gegründet hat, ist eine Spatial-Design-Agentur für Raumgestaltung und Innenarchitektur. „Die vielen selbst organisierten Austauschformate unter Designern haben ein einzigartiges und weit verzweigtes Netzwerk hervorgebracht, aus dem sehr spannende Diskurse und Resultate wachsen.“ Sellin betreibt selbst einen monatlichen Designer-Stammtisch und ist davon überzeugt, dass solche offenen Zirkel den Kreativ-Standort Berlin stärken. „Kontakte schaden nur dem, der sie nicht hat“, sagt der Industriedesigner Julian Witte. „Wissenstransfer und Kooperation sind ein Eckpfeiler wirtschaftlichen Erfolgs.“ Witte, dessen Full-Service-Agentur Unyt.Berlin GmbH & Co. KG sich auf strategische Design-Entwicklungen von Investitionsgütern und Hightech-Systemen spezialisiert hat, ist Regionalvorstand des Verbands Deutscher Industriedesigner (VDID), engagiert sich im IDZ und besucht regelmäßig einschlägige Veranstaltungen. Sicherlich wird er sich auch die DesignDays. Berlin nicht entgehen lassen, die für 24. bis 26. September angesetzt sind und vom Designmagazin „H.O.M.E.“ in Kooperation mit On Time PR veranstaltet werden. Angelika Müller, „H.O.M.E.“-Herausgeberin und Verlagsleiterin der Ahead Media GmbH, setzt dabei „bewusst auf Dialog und kuratierte Begegnungen, indem wir Touchpoints zwischen Industrie, Handel und Konsumierenden schaffen“. Mit „H.O.M.E.“ will Herausgeberin Müller, profunde Kennerin der Szene, „der Berliner Design- und Kreativwirtschaft eine Stimme geben und die Aufmerksamkeit auf die Hauptstadt ziehen“. ■ Berliner Wirtschaft: Was zeichnet den Design-Standort Berlin aus? Angelika Müller: Was Berlin ausmacht, ist die große Angebotsvielfalt, die sich unter anderem in einer lebendigen Kultur- und Kreativszene widerspiegelt. Berlin lebt von experimenteller Freiheit und einer Vielfalt an Disziplinen, die von Kunst und Kultur über Film, Musik, Mode bis hin zu Design und Architektur reichen. Diese Szene, gepaart mit der berühmten Berliner Gelassenheit, bildet die perfekte Basis für künstlerische Freiheit und zieht Kreative aus der ganzen Welt in die Hauptstadt. Wie unterscheidet sich der Standort von anderen? Im Vergleich zu anderen Design-Hubs ist Berlin weniger von klassischen Industrieclustern geprägt, sondern stärker von interdisziplinären, zukunftsorientierten Kollaborationen zwischen Kreativwirtschaft, Industrie und Technologie. Die Stadt besitzt ein enormes Entwicklungspotenzial und eine ungebremste Innovationskraft. Darüber hinaus ist Berlin offen für Möglichkeiten auf allen wirtschaftlichen Ebenen, da Geld und Konsum hier – im Gegensatz zu anderen europäischen Designmetropolen – weniger im Vordergrund stehen. Das erleichtert es sowohl Start-ups als auch etablierten Unternehmen, Ideen zu verwirklichen und selbst mit kleinerem Budget viel zu erreichen. Wie profitiert die Berliner Wirtschaft von der lokalen Designbranche? Sie hält Berlin auf allen Ebenen attraktiv und sorgt durch ihre stetige Wandlungsfähigkeit für kontinuierliche Dynamik. Ihre internationale Strahlkraft stärkt die Berliner Designwirtschaft maßgeblich und fördert die Attraktivität Berlins als bedeutender Wirtschafts- und Investitionsstandort. „Berlin lebt von einer Vielzahl an Disziplinen“ Angelika Müller, Herausgeberin des Magazins für Design „H.O.M.E.“, über den Kreativ-Standort Berlin und die Strahlkraft des Designs FOTO: H.O.M.E./AHEAD MEDIA GMBH BRANCHEN | Kreativwirtschaft | 32 Berliner Wirtschaft 04 | 2026
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