Mit dem Titel „City of Design“ würdigte die Unesco Berlins Rolle als globales Zentrum für Kreativität, Gestaltung und Innovation, als sie die Stadt 2006 in ihr Creative Cities Network aufnahm. Nun feiert Berlin das 20-jährige Jubiläum der Auszeichnung. Fast 10.000 Betriebe, Studios, Agenturen und Startups mit über 29.000 Angestellten, denen zahlreiche selbstständige Freelancer zuliefern, bilden die lokale Designwirtschaft. „Mit einem Umsatz von 13,8 Mrd. Euro ist sie der zweitgrößte Teilmarkt im Berliner Cluster aus Informations- und Kommunikationstechnologien, Medien und Kreativwirtschaft“, sagt Alexandra Klatt, Geschäftsführerin der State of Design GmbH sowie Gründerin und Kopf der Berlin Design Week (BDW). „Immerhin sitzen 17 Prozent der bundesweiten Designunternehmen in Berlin.“ Die Berlin Design Week – seit zehn Jahren Berlins zentrale Plattform für Design – zog im vergangenen Jahr mit über 50 Veranstaltungen in der ganzen Stadt 14.500 Interessierte an. Dieses Jahr findet sie vom 28. bis 31. Mai statt. „Uns geht es darum, Design nicht als Nische zu feiern, sondern als das sichtbar zu machen, was es ist: ein Werkzeug für reale Veränderung.“ Die BDW mit einem Mix aus Ausstellungen, Showrooms, Talks, Workshops und Konferenzen bringt Kreative aller Design-Disziplinen, Unternehmen und Organisationen zusammen. „Wir bauen Brücken zwischen Design und Wirtschaft und machen Berlin als ,Unesco City of Design‘ lebendig und erlebbar.“ Und auch der Nachwuchs werde hier eine Bühne bekommen. Bis zu 3.000 Studierende sind in designorientierten Studiengängen eingeschrieben – in staatlichen wie der Universität der Künste und der Weißensee Kunsthochschule oder privaten wie der SRH University, der Code University of Applied Sciences und der Macromedia University. Viele Betriebe arbeiten eng mit den Hochschulen zusammen, um früh mit Studierenden in Kontakt zu kommen und sie gezielt in die Branche einzubinden. „Berlin ist nicht nur ein Zentrum der Designforschung, sondern auch ein Ort mit einer breiten Hochschullandschaft“, sagt Prof. Karsten Henze, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Design Zentrums Berlin (IDZ). Die Hauptstadt stehe mit einer Vielzahl interessanter und teils einzigartiger Designstudiengänge an der Spitze des Designs in Deutschland. Der Begriff Design, weiß IDZ-Chef Henze, werde oft noch immer falsch verstanden: „Im Design geht es also grundsätzlich um planvolles Handeln, nicht nur um die Gestaltung von Artefakten oder eine äußere Formgebung – es geht um ganzheitlich gedachte Lösungen konkreter Probleme.“ Im Zuge der digitalen Transformation seien zudem, abseits der klassischen, neue Design-Varianten entstanden: Bei der Gestaltung der User Experience (UX) stehen zum Beispiel die positiven Erfahrungen bei der Nutzung digitaler Produkte und Services im Fokus, die aus dem Zusammenspiel eines Produkts oder Services und dem User Interface (UI) entstehen. Design wirkt in wirtschaftliche Prozesse Zum erweiterten Feld der Designwirtschaft gehören auch Branding und Kommunikation, Produkt- und Service-Design, Experience-, Motion- und 3D-, Game- und Interaction-Design. „Auch Interior- und Retail-, Packaging-, Editorial- oder Industrial-Design oder Design-Tech-Studios, die Design mit Technologie verzahnen, sind Teil dieses Spektrums“, sagt Silke Parnack, Finanzvorständin der wirDesign communication AG. „Diese Bandbreite zeigt, wie weit Design heute in wirtschaftliche Prozesse hineinwirkt – es gestaltet Marken, Produkte, Services und zunehmend ganze Geschäftsmodelle.“ Ihre Firma wirDesign mit über 90 Mitarbeitenden steht für Brand-Performance, was bedeutet, eine Marke so aufAlexandra Klatt Geschäftsführerin der State of Design GmbH sowie Gründerin und Kopf der Berlin Design Week Uns geht es darum, Design nicht als Nische zu feiern, sondern als das sichtbar zu machen, was es ist: ein Werkzeug für reale Veränderung. Flip Sellin CEO und Design Director Coordination SG Design GmbH Die vielen Austausch- formate haben ein einzigartiges und weit verzweigtes Netzwerk hervorgebracht. Design im Dialog Die IHK Berlin bringt regelmäßig Akteure der Kreativwirtschaft zu Branchensalons zusammen. Zuletzt trafen sich – mitorganisiert von „H.O.M.E.“, dem IDZ und dem VDID – in der Cupra City Garage rund 80 Vertreter der Design- und Kreativwirtschaft, um sich über Berlins Potenziale als „City of Design“ auszutauschen. Bei der IHK ist Jürgen Schepers der Ansprechpartner zum Thema. Jürgen Schepers, IHK-Key-Account- Manager Kreativ- und Digitalwirtschaft Tel. 030 / 315 10-676 juergen.schepers@ berlin.ihk.de » FOTOS: BERNHARD MUSIL, COR SITZMÖBEL HELMUT LÜBKE GMBH & CO. KG/BERLIN DESIGN WEEK, JENNIFER MARKE, FRANZ GRÜNEWALD Kreativwirtschaft | 31 Berliner Wirtschaft 04 | 2026
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