Russlands Angriff auf die Ukraine veränderte vieles – auch die Karriereplanung von Leonard Wessendorff, Geschäftsführer des Start-ups Project Q. Der Reservist, seit Jahren in der Verteidigungsbranche tätig, sah akuten Handlungsbedarf. Gemeinsam mit Chief Operating Officer Philipp Bartkowski gründete er 2024 sein Unternehmen. Das ehrgeizige Ziel: den Schutz kritischer Infrastrukturen auf ein neues technisches Level heben. Das Kerngeschäft liegt in der Entwicklung modularer Sensor- und Aufklärungslösungen, vor allem für Streitkräfte, Sicherheitsbehörden und andere Betreiber entsprechender Infrastrukturen. Das Alleinstellungsmerkmal von Project Q ist „Hydris“, ein sogenannter Orchestration Layer – eine übergeordnete Software-Schicht, die verschiedenste Fähigkeiten und Hardware-Sensoren vernetzt. Die Besonderheit: Hydris ist eine Open-Source-Plattform. „Wir befähigen den Nutzer, modular sein eigenes System zu gestalten und damit jederzeit auf eine sich ändernde Bedrohungslage reagieren zu können“, erklärt Wessendorff. „Der kontinuierliche Austausch mit der Bundeswehr sowie die Erfahrungen aus der Ukraine haben die Entwicklung unserer Lösungen entscheidend geprägt.“ Hydris ist bereits im operativen Einsatz, einzelne Systeme wurden bei Kunden ausgerollt. Zudem wird die Sensorik derzeit live auf dem Testbed in der Tegeler Urban Tech Republic betrieben. Dort intensiviert das Start-up seine Entwicklungsaktivitäten, denn die nächsten Meilensteine stehen fest: Noch vor dem Sommer ist ein größeres Software-Release geplant. Project Q ist fremdfinanziert und schloss 2025 eine Seed-Finanzierungsrunde über 7,5 Mio. Euro ab – getragen ausschließlich von europäischen Investoren. Berlin bietet ein ideales Umfeld mit kurzen Wegen zu politischen Entscheidern und Ministerien sowie einem hervorragenden Investoren- und Partnernetzwerk. „Außerdem ist Berlin für unsere Lösungen ein wichtiger Gradmesser. Nirgendwo sonst in Deutschland haben wir geballt so viel schützenswerte Infrastruktur“, betont Wessendorff. Das lokale Defence-Tech-Ökosystem entwickele sich mit beeindruckender Dynamik. Er lobt die Kombination von Innovationskultur und wachsendem politischem Willen, die Branche als Wirtschaftsmotor zu begreifen: „Der Aufbau eines DefTech-Ökosystems kann dazu beitragen, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, und hoffentlich künftige Gründer ermutigen, sich bewusst für den Standort zu entscheiden.“ ■ Geschäftsführer und einer der zwei Gründer von Project Q: Leonard Wessendorff Gut vernetzt Der Unternehmer auf LinkedIn unter dem QR-Code: Project Q schützt mit Open-Source-Software kritische Infrastrukturen. Die gibt es in der Hauptstadt geballt. Und dazu ein Netzwerk aus Investoren und Partnern Ideales Umfeld in Berlin Leonard Wessendorff Wir befähigen den Nutzer, jederzeit auf eine sich ändernde Bedrohungslage reagieren zu können. FOTOS: PROJECT Q, KONRAD STÖHR FOKUS | Defence | 24 Berliner Wirtschaft 04 | 2026
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