gehen. Da zahlreiche Venture-Capital-Fonds nicht in den Verteidigungssektor investieren wollten, lief Promethion dreieinhalb Jahre im Bootstrapping-Modus, wuchs also organisch aus eigener Kraft. Hinzu kam die Unterstützung einiger deutscher Business Angels. Der Berliner Hauptsitz ist strategisch bewusst gewählt. Die Nähe zur Bundesregierung, zu Ministerien und internationalen Botschaften ist für den Netzwerkaufbau äußerst wertvoll. Dennoch sieht von Finck im Berliner DefTech-Ökosystem noch strukturellen Nachholbedarf. Berlin verfügt bislang kaum über Infrastruktur, die den Sicherheitsanforderungen moderner Verteidigungs-Start-ups entspricht. Besonders drängend sei zudem das Raumproblem: „Autonome Drohnen lassen sich nicht über dem städtischen Raum testen. Denn anders als Softwareunternehmen benötigen Robotik-Start-ups physische Testumgebungen. Wir brauchen dringend dedizierte Flächen, wo Start-ups und die Bundeswehr unbürokratisch und gemeinsam hochiterativ und regional testen können, das hätten wir mit dem Flughafen Tegel“, so der Gründer. Für die nächsten Schritte blickt man bei Promethion über die Stadtgrenzen hinaus. Geplant ist eine Fabrikationshalle samt Testgelände im Umland. Gelingt das, könnte Berlin-Brandenburg zu einem der wichtigsten Standorte für autonome Verteidigungsrobotik in Europa werden. ■ Gut vernetzt Der QR-Code führt zum Unternehmer auf LinkedIn: 2021 gründete Kasimir von Finck Promethion. Russlands Krieg gegen die Ukraine verschob den Unternehmens- fokus auf Verteidigungs- technologie. erkennen und sie dann nach der Freigabe durch einen Menschen zum Absturz bringen – ohne selbst dabei zerstört zu werden. Anders als Einwegdrohnen sind die Promethion-Systeme darauf ausgelegt, nach dem Einsatz zur Basis zurückzukehren und erneut eingesetzt zu werden. Eine zentrale Rolle bei den Einsätzen spielt künstliche Intelligenz für die Flugsteuerung. Hier kommt das zweite Alleinstellungsmerkmal von Promethion ins Spiel: Die Drohnen-KI wird in hochkomplexen Simulationen mit synthetischen Daten trainiert. Das macht die Systeme unabhängig von externen Datensätzen – und die Entscheidungswege der KI lückenlos nachvollziehbar. Vom Gefechtsfeld direkt in die Forschung Promethion operiert bereits in einem realen Konflikt: Das Start-up befindet sich im engen Austausch mit Einheiten in der Ukraine. Was in traditionellen Rüstungskonzernen oft Jahre dauert, passiert bei Promethion im Zeitraffer: Erkenntnisse vom Gefechtsfeld fließen direkt in die Forschung und Entwicklung ein. Hinter diesem Tempo steht ein hochgradig vernetztes Team. Das Unternehmen betreibt sein Entwicklungslabor auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel. Finanziell musste von Finck, der in München Finanzen, Marketing und Ethik studierte und sich die Technik autodidaktisch aneignete, unkonventionelle Wege Defence | 23
RkJQdWJsaXNoZXIy MzQwNTQxOQ==