Die historische Werbung (links) zeigt, wie weit das von Max Graetz (oben) entwickelte „Petromax“- Original verbreitet war – bis ins indische Kalkutta Max Graetz hatte Großes vor: Nach der Realschule ging der 1861 geborene Sohn eines Klempnermeisters und Fabrikbesitzers in die USA, um dort fast ein Jahrzehnt in der New Yorker Metalldruckerei Schüler & Co. und anschließend als Konstrukteur bei der Manhatten Brass Company zu lernen und zu arbeiten. 1880 kehrte er nach Berlin zurück, um in die Fabrik seines Vaters Albert einzutreten. Albert Graetz hatte schon 1859 eine Werkstatt für Petroleumlampen geründet, die im Januar 1866 zur Ehrich & Graetz OHG ausgebaut wurde. Max Graetz baute den Export nach Frankreich, Großbritannien, Österreich und die USA aus. Mitte der 1880er-Jahre folgten der Umzug in die Lausitzer Straße und neue Lampenentwicklungen: der Triumphbrenner mit einem Zentralzug für die Luftzufuhr und der Glücksbrenner, der auf die zentrale Luftzufuhr verzichtete und durch ein Spezialglas sehr ruhiges Gaslicht erzeugte sowie – besonders vorteilhaft – auf fast alle gängigen Petroleumbehälter aufgeschraubt werden konnte. Das Unternehmen führte auch Spiritusbrenner, Kochöfen, Hängelampen diverser eigener Marken und beteiligte sich am Ausbau der Beleuchtung durch Karbidlampen. In der Treptower Elsenstraße, wo um 1900 ein neues Industriequartier entstand, bezog Ehrich & Graetz eine neue Fabrik. Mit dem Ausbau der Elektrizitätsversorgung auch in den Haushalten schwand zwar die Bedeutung der Petroleum- und Gasbeleuchtung – doch die „Petromax“, die Max Graetz im November 1910 vorstellte, war um einiges heller als alle elektrischen Lichtquellen der Zeit, nämlich 100 bis 400 Watt stark im Vergleich zu herkömmlichen 15 bis 40 Watt. Überdies war sie sehr sparsam im Verbrauch und ortsunabhängig. Die „Petromax“ fand regen Einsatz in der Schifffahrt, auf Baustellen und Märkten, beim Militär und in Werkstätten. 1922 wurde das Unternehmen zur Aktiengesellschaft umgewandelt und weitete das Programm aus, unter anderem auf Rundfunkgeräte. Max übergab die Leitung an seine Söhne Fritz und Erich. Die Zahl der Beschäftigten schwankte zwischen 7.000 vor und 1.000 nach dem Ersten Weltkrieg, hielt konstant über 3.000 in den 1930er-Jahren und stieg stark an, als das nun als Graetz AG firmierende Unternehmen in großem Maße auf Rüstungsproduktion für den Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg umstellte. Nach dem Krieg wurde es enteignet und ab Februar 1948 als VEB Graetz-Werk fortgeführt, ab dem Februar 1950 als VEB Fernmeldewerk Treptow. Fritz und Erich bauten Graetz im sauerländischen Altena zu einem der bedeutendsten deutschen Radio- und Fernsehgerätehersteller aus. 1960 wurde die Graetz KG an die Standard Elektronik Lorenz AG verkauft, denn, so Fritz: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ 1988 ging sie an Nokia. 1993 endete die Produktion. ■ Max Graetz’ Lampen strahlten weit über Berlin hinaus – besonders hell die nach ihm benannte Petromax von Björn Berghausen (BBWA) Erleuchtet Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA Historie | 45 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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