Berliner Wirtschaft Oktober 2026

Anschließend arbeitete er fünf Jahre für deren Medien wie „Bild“, „Welt“ und „Metal Hammer“, bis er sich gegen eine klassische Konzern-Karriere entschied: „Eine Festanstellung war nicht meine Lebensperspektive, ich wollte etwas eigenes aufbauen“, erinnert sich der passionierte Gamer noch gut an seine damalige Sinnkrise. So entstand 2017 mit seinem Partner Thomas Fellger die Idee für „LVL World of Gaming“, eine Event-Location mit Anbindung an die Games-Community, ein Spiel(e)platz für die Öffentlichkeit, eine Plattform für Markenpräsentationen im Entertainment-Bereich und ein Zentrum für E-Sport-Teams mit Übertragungsstudio. Es wurde geplant, gebaut, investiert, und für die Eröffnung im März 2020 hatte auch der damalige Regierende zugesagt. Dann kam Corona mit dem Lockdown: „Wir mussten quasi über Nacht alles absagen und wussten nicht, wie es weitergeht. Wie willst du einen Event-Space starten, wenn alles dicht ist und du nicht weißt, wann es wieder Events gibt“, erinnert sich Gorr noch genau an den Moment, an dem er überlegte, die weiße Flagge zu hissen. Und es ging Schlag auf Schlag weiter. Der Versuch digitaler Content-Modelle scheiterte, der Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 war nicht gut für die Welt der Ego-Shooter, die Wirtschaftskrise 2023 machte das Eventgeschäft auch nicht besser, und als auch noch der plötzliche Tod seines Partners folgte, waren Dorian Gorrs Haare endgültig weiß. Doch er machte weiter – irgendwie, mit schlaflosen Nächten und immer wieder neuen Überlebensstrategien, ohne sich von Mitarbeitern zu trennen und kaum Zeit für seine Frau und ihre beiden Töchter zu haben. Deutschlandweite Expansion geplant Das zahlte sich aus. Die Games-Community hielt ihm die Treue. Auch die großen Marken wie SAP, Red Bull, DKB, BMW und Logitech haben ihn durch die Krisen begleitet und mit Aufträgen unterstützt. Gefolgt vom bisher größten Event in Gorrs Karriere: „Im Jahr 2025 fand bei uns die offizielle Superbowl-Party der NFL in Deutschland statt. Wir haben live gestreamt, und im TV haben es 130 Millionen Zuschauer gesehen.“ Aktuell expandiert Gorr mit seinem Geschäftsmodell – angepasst an die neue geopolitische Lage. Community-, Firmen- und E-Sport-Events bleiben in Berlin zwar erhalten, bilden aber nicht mehr den Fokus. Vielmehr setzt er auf Arcade-Spiele. Geplant sind bundesweit 20 bis 30 Standorte in Städten ab 150.000 Einwohnern mit einer Größe von ca. 500 Quadratmetern. Dafür hat er mit der KMS Handels GmbH, einem Familienunternehmen aus Nordhorn, einen im Games-Geschäft erfahrenen Partner und Investor gefunden. Und eins hat er in den Jahren gelernt: wie man eine Marke, Community und Location aufbaut. Auch als Speaker wird er gebucht – Schwerpunkt Games, aber auch im Sinne seines bisherigen Lebensweges für Unternehmer-Kongresse zum Thema „Resilienz als Unternehmer im Krisenmanagement“. Eins wird sich für ihn allerdings nie ändern: „Eine Firma aufzubauen, ist und bleibt für mich das beste Computerspiel der Welt.“ ■ Dorian Gorr CEO LVL World of Gaming Eine Firma aufzubauen, ist und bleibt für mich das beste Computerspiel der Welt. Kreativwirtschaft | 43

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