Berliner Wirtschaft Oktober 2026

43 Prozent von städtischen Gesellschaften. Der Anteil wird wohl noch wachsen. Warum schaffen Städtische einen so hohen Anteil, während private Projektentwickler auf dem Rückzug sind? Das schaffen sie, weil sie auf landeseigene Grundstücke zurückgreifen können. Andernfalls würden sie die rund 5.000 Neubau-Wohnungen pro Jahr auch nicht schaffen. Welchen Rat würden Sie der Politik geben, um den Wohnungsbau anzukurbeln? Fairerweise muss man sagen, dass der Berliner Senat momentan nicht viel machen kann, weil die Zinsen und Kosten für den privaten Wohnungsbau einfach zu hoch sind. Generell muss die Politik für Investoren zuverlässig sein. Damit meine ich, dass sie auch über Legislaturperioden hinweg ein gewisses Maß an Verlässlichkeit bewahren muss. Wir haben in früheren Zeiten schon erlebt, dass ein Senat sich extrem starkgemacht hat für den Wohnungsbau, und nach dem Regierungswechsel ging gar nichts mehr. Es darf aber nicht sein, dass Unternehmen von heute auf morgen vor ganz anderen Rahmenbedingungen stehen. Wie stark verunsichert die Diskussion um Vergesellschaftung die Branche? Sehr stark. Vergesellschaftung wäre das Allerschlimmste für den Wohnungsbau in Berlin. Die Diskussion vergiftet das Klima total. Ich bezweifle auch, dass eine solche Entscheidung am Ende vor Gericht Bestand hätte. Aber bis dahin wäre alles gelähmt. Es ist totaler Wahnsinn und bringt überhaupt nichts, keine einzige neue Wohnung. Ich betone immer: Wir haben kein Problem im Bestand. Im Bestand haben wir eine Durchschnittsmiete von 7,21 Euro pro Quadratmeter. Wir haben ein Problem im Neubau, wir brauchen einfach mehr Wohnungen. ■ In der zurückliegenden Legislaturperiode hat der Senat die Verwaltungsreform gestartet. Glauben Sie, dass sich damit die Situation verbessert? Ja, ich habe tatsächlich die Hoffnung, dass sich damit etwas verbessert. Derzeit hat der Bausenator keinerlei Eingriffsmöglichkeiten in die Arbeit der Bezirke. Das soll geändert werden. Ich hoffe außerdem, dass die Zuständigkeiten klarer geregelt werden. In Berlin ist es schon vorgekommen, dass eine Behörde ein halbes Jahr lang einen Sachverhalt prüft und danach an eine andere Behörde verweist. Die prüft wiederum ein halbes Jahr, um dann an die erste Behörde zurückzuverweisen. Das Grundstück in Neulichterfelde gehört jetzt neben dem privaten Immobilienunternehmen Wöhr + Bauer auch der städtischen Degewo, die nun die Wohnungen bis 2035 bauen wollen. Ist es für städtische Gesellschaften einfacher, solche Projekte zu realisieren? Grundsätzlich müssen städtische Wohnungsbauunternehmen mit den gleichen bürokratischen Hürden leben wie wir. Aber in der Verwaltung steht man ihnen viel aufgeschlossener gegenüber als uns. Das Misstrauen ist geringer. Wir haben das zu spüren bekommen, wenn wir gemeinsam mit städtischen Gesellschaften Termine in der Verwaltung hatten. Aber die Städtischen können den Rückzug privater Projektentwickler nicht ausgleichen, oder? Richtig, das können sie nicht. Ursprünglich wollte der Senat, dass in Berlin 20.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt werden. Das können die landeseigenen Unternehmen allein nicht leisten. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 11.000 Wohnungen fertiggestellt. Davon kamen rund Eike Paulun, IHK-Experte für Public Affairs Tel.: 030 / 315 10-873 eike.paulun@berlin. ihk.de Bürokratieabbau | 31

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