gen Behörden wollen nicht, dass gebaut wird und Flächen versiegelt werden. Da ist vieles überreguliert. Ein Beispiel: Wir haben für die Zauneidechsen in Neulichterfelde ein Biotop abseits des Baugeländes einrichten lassen. Es war durch einen Zaun mit Abfangmatte umschlossen. Ich habe gedacht, die Matte soll verhindern, dass die Eidechsen herauslaufen. Aber ich wurde belehrt: Die Matte ist dazu da, damit keine Eidechsen in das Eidechsen-Biotop hineinkommen können. Warum dürfen keine Eidechsen in das Biotop? Die Umweltbehörde fordert 100 Quadratmeter Lebensraum für jede Eidechse. Durch eine Zuwanderung wäre der Wert möglicherweise unterschritten worden. Gerade in Berlin wird vieles übertrieben. Wir hatten auch mal ein Projekt in Königs Wusterhausen. Da ging alles schneller und reibungsloser. Mussten Sie in Neulichterfelde tatsächlich 25 Millionen Euro für den Artenschutz aufwenden? Ja, das stimmt. Der Artenschutz ist eine Wachstumsbranche – im Gegensatz zum Wohnungsbau. Dass es zwölf Jahre in Neulichterfelde gedauert hat, bis Sie die baurechtlichen Genehmigungen hatten, klingt wahnsinnig viel. Warum dauert das so lange? Das ist eine gute Frage. Wir haben in den Neunzigerjahren Wohnungen im Ortsteil Neu-Karow gebaut. Das waren deutlich mehr als in Neulichterfelde. Wir haben damals zwei Jahre gebraucht, um das Baurecht zu schaffen. Das geht heutzutage wohl in dieser Zeit nicht mehr, aber in drei bis vier Jahren sollte es meiner Ansicht nach schon noch möglich sein. Warum kann es heute nicht mehr so schnell gehen wie in den Neunzigerjahren? Die Zahl der beteiligten Behörden und Organisationen – also die sogenannten Träger öffentlicher Belange – ist deutlich gestiegen. Ich denke, dass die Bezirksverwaltungen wieder deutlich straffer arbeiten müssten. Wenn ein Träger nicht innerhalb von acht Wochen antwortet, dann sollte die Anfrage als erledigt oder die Genehmigung als erteilt gelten. Der Unterschied zu früher ist: Damals wollte jeder, dass gebaut wird. Heute will jede Behörde in erster Linie ihre eigenen Interessen durchsetzen, egal, wie sehr das Neubauprojekte verzögert oder gefährdet. Würden Sie heute Aufschläge kalkulieren, weil es in Berlin höhere Planungsunsicherheiten gibt? Ja, natürlich. Wir sind in Neulichterfelde davon ausgegangen, dass wir spätestens 2017 im Bau sind. Heute würde ich eher Kapital- und Personalkosten für zehn oder 15 Jahren kalkulieren. Am Ende seiner Unternehmerkarriere in der Immobilienbranche beklagt Thomas Groth vor allem das Misstrauen in der Verwaltung gegenüber Privatunternehmern Heute will jede Behörde in erster Linie ihre eigenen Interessen durchsetzen. Thomas Groth FOTO: AMIN AKHTAR FOKUS | Bürokratieabbau | 30 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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