Berliner Wirtschaft Oktober 2026

Sparmodell nach der Rasenmäher-Methode werde für viele Häuser problematisch. So verliere die staatlich finanzierte Charité ab nächstem Jahr 80 Mio. Euro. Kroemer verwies beispielhaft darauf, dass die Charité in der nächsten Dekade rund 30 Prozent ihres Personals aus Altersgründen ersetzen müsste. Aufgrund des demografischen Wandels sei es aber kaum möglich, diese Lücke zu schließen. Deshalb sei es notwendig, so viele Arbeitsprozesse wie möglich zu digitalisieren. Dadurch könnten nach internen Berechnungen die rund 25.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Charité rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit wieder für den Dienst am Menschen nutzen. Die Charité durchforste deshalb gegenwärtig alle Möglichkeiten und habe auch ein Institut für künstliche Intelligenz in der Medizin gegründet. Außerdem kämen aus der Belegschaft selbst viele Hinweise, wie sich Abläufe in allen Bereichen effizienter gestalten lassen. Bessere Bedingungen für Risikokapital Medizinischer Fortschritt koste, aber er soll dennoch möglichst allen Menschen zugutekommen, betonte Kroemer. Doch die „obere Grenze“ der Finanzierbarkeit sei erreicht. Beispielsweise koste ein gentechnischer „Schuss“ zur Bekämpfung der Sichelzellkrankheit zwei Mio. Euro. Und die Forschung bringe immer neue Präparate und Methoden auf den Markt, um Krankheiten zu heilen. Und hier setze die Verantwortung der Politik ein. Es müssten bessere Rahmenbedingungen für Risikokapital geschaffen werden. „Ideen gibt es in Deutschland viele, aber sie werden mangels Kapitals häufig exportiert, meist in die USA“, beklagte der Charité-Chef. Ein weiteres großes Hindernis zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen seien die datenschutzrechtlichen Regulierungen, kritisierte Kroemer. Es seien unbedingt Lockerungen notwendig, um zum Beispiel Patientendaten zusammenzuführen – natürlich komplett anonymisiert. Dies sei zum Vorteil der Betroffenen, weil sich dadurch beispielsweise Fehlmedikationen vermeiden ließen, aber man so auch seltenen Krankheiten auf die Spur komme. Ein erster guter Schritt in diese Richtung sei eine entsprechende digitale Plattform aller Universitätskliniken. Die Gesundheitswirtschaft in Berlin spielt eine gewichtige Rolle. In dem Bereich sind eine Viertelmillion Menschen beschäftigt. Die jährliche Bruttowertschöpfung beträgt rund 22 Mrd. Euro. ■ Die IHK Berlin und die Berliner Humboldt-Universität (HU) wollen künftig noch enger kooperieren, Wirtschaft und Wissenschaft stärker verzahnen. Dazu wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit ist die neue KI-basierte Plattform PatentPlus, die die HU mit Unterstützung der IHK entwickelt hat. Mit PatentPlus macht die Universität ihr gesamtes Patent-Portfolio erstmals als durchsuchbares Technologieangebot öffentlich zugänglich. Damit wird eine der zentralen Lücken im Wissenstransfer geschlossen – die Verbindung von der Erfindung hin zur Verwertung. Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Investoren, die gezielt nach lizenzierbaren Technologien oder Forschungskooperationen suchen. „Unternehmen brauchen einen leichteren Zugang zu Forschung, Talenten und Patenten, damit aus wissenschaftlicher Exzellenz Innovationen, Wettbewerbsvorteile und Arbeitsplätze werden“, betonte IHK-Präsident Sebastian Stietzel. Deshalb habe die IHK Berlin in den vergangenen vier Jahren bereits Kooperationen mit der FU, der TU, der HWR und der HTW geschlossen. „Gemeinsam schaffen wir kurze Wege für mehr Wertschöpfung ‚Made in Berlin‘“, so Stietzel. lun Wertschöpfung made in Berlin Vereinbarung von IHK Berlin und HU soll dazu dienen, Patente schneller verwerten zu können HU-Präsidentin Professorin Julia von Blumenthal und IHK-Präsident Sebastian Stietzel bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung Stefanie Dümmig, IHK-Public-Affairs- Managerin Wissenschaftsstandort Tel.: 030 / 315 10-328 stefanie.duemmig@ berlin.ihk.de Ideen gibt es in Deutschland viele, aber sie werden mangels Kapital häufig exportiert, meist in die USA. Heyo Kroemer Vorstandvorsitzender der Charité Wissenschaft | 15 Berliner Wirtschaft 10 | 2026

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