Warum Menschen in Berlin gründen Die Hauptstadt ist ein Magnet für Unternehmerinnen und Unternehmer aus aller Welt. Ein Blick auf diese Anziehungskraft ist ein wertvoller Kompass für die Zukunft Wer über Berlin spricht, spricht meist über das, was nicht funktioniert. Über fehlende Wohnungen. Über Staus. Über lange Genehmigungen, Baustellen und Formulare. All das gibt es. Und vieles davon muss besser werden. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf eine andere Frage: Warum kommen jedes Jahr Menschen aus aller Welt nach Berlin, um hier ihr Unternehmen zu gründen und ihr Geld zu investieren? Berlin zieht Unternehmerinnen und Unternehmer aus aller Welt an. Aber diese Anziehungskraft ist kein Selbstläufer. Berlin bietet etwas, das viele Standorte gerne hätten: hervorragende Hochschulen, eine lebendige Gründerszene, starke mittelständische Unternehmen und viele Köpfe mit guten Ideen. Wissenschaft trifft hier auf Unternehmertum. Wer gründen will, findet Menschen, die neue Wege gehen. Hier kommen unterschiedliche Erfahrungen, Kulturen und Perspektiven zusammen. Dieser internationale Geist bringt Wissen, Talente und neue Ideen in die Region. Hinzu kommt etwas, das wir oft als selbstverständlich betrachten. Wir leben in einem Land, in dem Eigentum geschützt ist, Gerichte unabhängig entscheiden und Verträge gelten. In einer vielerorts unsichereren Welt sind das keine Nebensächlichkeiten. Sie geben Unternehmen die Sicherheit, langfristige Entscheidungen zu treffen. Berlin lebt zudem von seiner Offenheit. Offene Märkte brauchen offene Köpfe. Genau das begeistert Menschen, die Neues wagen, Unternehmen gründen oder Forschungsergebnisse in Geschäftsmodelle übersetzen. Nicht zuletzt ist auch Berlins Kultur- und Kreativszene weltweit ein Magnet. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Wie werden aus Forschung Unternehmen, aus Gründerideen Arbeitsplätze und aus Investitionen Einkommen und Wohlstand? Wer Fachkräfte gewinnen will, braucht Wohnraum. Wer investieren will, braucht Planungssicherheit. Wer bauen will, darf nicht zehn Jahre auf Entscheidungen warten. Berlin hat die Menschen, die Hochschulen, die Unternehmen und die Ideen. Jetzt braucht die Stadt klare Prioritäten. Wir müssen Wachstum ermöglichen, Arbeitsplätze schaffen und den Wohnungsbau voranbringen. Dafür braucht es Investitionen in Bildung und Infrastruktur sowie eine Politik, die Lösungen möglich macht, statt neue Hürden aufzubauen. Ich bin überzeugt: Berlin hat gute Voraussetzungen. Nicht weil hier alles perfekt läuft. Sondern weil diese Stadt seit Jahrzehnten Menschen anzieht, die etwas aufbauen wollen. Berlin ist Schmelztiegel und Schrittmacher zugleich. Wenn Politik, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam Hindernisse abbauen, wird Berlin auch künftig viele gute Gründe liefern, hier zu investieren und zu wachsen. ■ Meinung In der Kolumne „Auf den Punkt“ positionieren sich im monatlichen Wechsel Mitglieder des Präsidiums zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen aus ihrer persönlichen Sicht. präsidiumsmitglieder beziehen stellung Carsten Jung ist Präsidiumsmitglied der IHK Berlin und Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank eG FOTO: MARCEL SCHWICKERATH Auf den Punkt | 13 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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